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Spionage-Vorwurf: Soziologe aus Münster in Südkorea verurteilt

Der deutsche Staatsbürger Song Du Yul war aus dem Exil in seine Heimat zurückgekehrt. Die Behörden warteten schon. Sie verdächtigen ihn, für Nordkorea gearbeitet zu haben

Der Münsteraner Professor Du-Yul Song bei einem Prozesstermin in Südkorea  
Der Münsteraner Professor Du-Yul Song bei einem Prozesstermin in Südkorea
Foto: www.uni-muenster.de
 

Seoul -  Ein südkoreanisches Strafgericht hat den in Münster tätigen Soziologen Song Du Yul wegen Unterstützung des kommunistischen Nordkorea zu sieben Jahren Haft verurteilt. Das Bezirksgericht in Seoul sah es als bewiesen an, dass der in Deutschland eingebürgerte Wissenschaftler koreanischer Herkunft als Politbüromitglied im Dienste der nordkoreanischen Arbeiterpartei stand.

Er habe damit gegen das in Südkorea umstrittene staatliche Sicherheitsgesetz verstoßen. Der Angeklagte habe keine Reue gezeigt. Die Verteidigung kündigte Rechtmittel gegen das Urteil an. Der 59 Jahre alte Song hatte während der Hauptverhandlung den Vorwurf der Staatsanwaltschaft bestritten, als Politbüromitglied tätig gewesen zu sein.

Die Anklage hatte vor drei Wochen 15 Jahre Haft für Song gefordert. Der Gelehrte hatte im vergangenen September zum ersten Mal seit 36 Jahren für eine geplante Vortragsreise wieder südkoreanischen Boden betreten, nachdem ihm die Einreise lange verwehrt worden war.

Der Vorsitzende Richter warf Song am Dienstag (Ortszeit) vor, als Wissenschaftler nicht objektiv gewesen zu sein, sondern eine pro-nordkoreanische Sichtweise vertreten zu haben. Song versteht sich selbst als Grenzgänger, der sich mit seiner Arbeit für die Versöhnung zwischen Süd- und Nordkorea einsetzt.

Seit den siebziger Jahren auf der Fahndungsliste

Der inzwischen 60-Jährige hatte seine Heimat 1967 verlassen und war zum Studieren nach Deutschland gegangen. Dort wurde er zu einer Führungsfigur unter den südkoreanischen Dissidenten, die sich gegen die damalige Militärregierung in Seoul auflehnten. Die südkoreanische Spionageabwehr hatte den Gelehrten seit den 70er Jahren auf ihrer Fahndungsliste.

Song hatte bei Vernehmungen zugegeben, bei seiner ersten Nordkorea-Reise Anfang der siebziger Jahre der Kommunistischen Partei beigetreten zu sein. Dies sei aber Teil der Einwanderungsbestimmungen gewesen.  WELT.de/AFP/dpa


Artikel erschienen am 30. März 2004

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