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Südkorea: Bewährungsstrafe für Bundesbürger Song

Song bei seiner Verhaftung im September 2003
Song bei seiner Verhaftung im September 2003

Ein südkoreanisches Berufungsgericht hat den deutsch-koreanischen Wissenschaftler Song Du Yul von dem Vorwurf freigesprochen, ranghohes Mitglied der nordkoreanischen Kommunistischen Partei gewesen zu sein. Song soll noch im Laufe des Tages auf freien Fuß gesetzt werden. Es handelt sich jedoch nicht um einen Freispruch: Wegen seiner Kontakte nach Nordkorea wurde Song zu einer dreijährigen Bewährungsstrafe verurteilt.

Von Christian Radler, tagesschau.de

Song hatte gegen mehrere Paragraphen des Nationalen Sicherheitsgesetzes verstoßen: Verboten sind nicht nur die Kontakte, die er auf seinen mehr als 20 Reisen nach Nordkorea knüpfte. Illegal ist in Südkorea auch seine mehr als 30-jährige Mitgliedschaft in der kommunistischen Partei Nordkoreas. Die Beweise für eine führende Rolle Songs waren aber am Ende nicht ausreichend. Deshalb kam er jetzt mit einer Bewährungsstrafe davon.

Song, der sich auch als Wissenschaftler klar für eine Wiedervereinigung der beiden koreanischen Staaten einsetzte, war im März in erster Instanz zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Ausländische Prozessbeobachter sprachen damals von einem "eindeutig politischen Verfahren". Immer wieder sei aus den wissenschaftlichen Schriften Songs zitiert worden, um ihn als Sympathisanten der Kommunisten im Norden darzustellen. In Deutschland wäre dieses Vorgehen ein klarer Verstoß gegen Wissenschafts- und Meinungsfreiheit. In Südkorea gehört der öffentliche Teil des Verfahrens aber noch zu den harmloseren Aspekten der Haft.
Extreme Haftbedingungen
Die Bedingungen für politische Häftlinge in Südkorea erinnern an Schilderungen aus dem US-Gefangenenlager Guantanmo Bay auf Kuba: Der 59-jährige Gelehrte wurde nach Angaben seiner Angehörigen und Freunde wie ein Schwerverbrecher behandelt. Er war acht Monaten lang in einer drei Quadratmeter großen Zelle eingesperrt, in der rund um die Uhr grelles Neonlicht brannte. Seine Zelle lag im Obergeschoss des Gefängnisses direkt unter einem Flachdach. Tagsüber heizte sie sich auf wie eine Sauna.
Keine Möbel in der Zelle
"Die Hitze und die Mücken machen Professor Song sehr zu schaffen", sagte Taichiro Kajimura, ein Freund der Familie, nachdem er Song Anfang Juni besucht hatte. Besonders leide Song darunter, weder einen Stuhl noch einen Tisch zu haben. Der Professor, der bei Jürgen Habermas promoviert hat, würde gerne schreiben. Doch die Zelle sei bis auf eine dünne Schlafdecke unmöbliert. Tagsüber müsse Song die Decke aufrollen und dürfe nur auf dem blanken Boden sitzen, direkt neben einem Loch, das als Toilette dient. "Mein Vater ist nach 37 Jahren in Deutschland nicht mehr daran gewöhnt, wie die Koreaner im Schneidersitz zu sitzen. Er hat inzwischen so starke Rückenschmerzen, dass er nur noch im Stehen lesen kann", sagte sein Sohn Dschun.
Am Flughafen wartete der Geheimdienst
Song hatte wegen der Kontakte in den Norden Jahrzehnte lang nicht nach Südkorea reisen können. Im vergangenen Jahr signalisierten Freunde in Südkorea dem Exilanten, die Zeit sei reif für einen Besuch. Freilich gab es auch warnende Stimmen, zum Beispiel aus dem Auswärtigen Amt in Berlin. Am 22. September landete Song mit seiner Frau und den beiden in Deutschland geborenen Söhnen auf dem Flughafen Incheon, wo er von einer Delegation der staatlichen koreanischen Demokratiestiftung empfangen wurde - und vom südkoreanischen Geheimdienst.
Opfer eines Stimmungsumschwungs
Seither war er in Haft, wohl auch, weil das Tauwetter, das sich im Verhältnis von Seoul und Pjöngjang angedeutet hatte, einem erneuten Kalten Krieg wich. Song wurde Opfer dieses Stimmungsumschwungs.

Die Universität Münster reagierte mit Erleichterung auf das Urteil des Berufungsgerichts. Es sei erfreulich, dass die Proteste in Deutschland nicht ohne Erfolg geblieben seien, sagte der Rektor der Hochschule, Jürgen Schmidt. Er hoffe, dass Song bald nach Deutschland zurückkehren könne.
Quelle:

tagesschau.de

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