BerlinOnline - Berliner Zeitung, 20. Nov. 2003
Südkorea erhebt Anklage wegen SpionagePhilosophieprofessor aus Münster zeigt keine ReueAFP SEOUL, 19. November. Die südkoreanische Justiz hat gegen den deutsch-koreanischen Wissenschaftler Song Doo Yul Anklage wegen Spionage für Nordkorea erhoben. Song soll mehr als zwanzig Mal nach Nordkorea gereist sein, im Jahr 1991 den damaligen Staatschef Kim Il Sung getroffen und eine einflussreiche Stellung in Nordkoreas Politbüro innegehabt haben, wie die Anklage dem 59-Jährigen nach Angaben aus Justizkreisen vorwirft. Zudem soll der Philosophieprofessor 100 000 Dollar in bar von der kommunistischen Regierung in Pjöngjang erhalten haben."Wir haben beschlossen, Songs Fall vor Gericht zu bringen und ihn in Gewahrsam zu behalten, weil er während seiner Befragung in der Haft keine Reue gezeigt hat", zitierte die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap den Staatsanwalt Park Man. Songs Verteidigungsberater kritisierten in einer Presseerklärung die Anwendung eines "anachronistischen Landesgesetzes für Sicherheit". Südkoreas Präsident Roh Moo Hyun hatte im vergangenen Monat dazu aufgerufen, bei dem Fall Augenmaß walten zu lassen, weil die Gesetzesgrundlage, auf Grund derer Song nun angeklagt wird, zu einer Zeit der "äußersten Konfrontation und Trennung" auf der koreanischen Halbinsel entstanden sei. Song hatte bei Vernehmungen zugegeben, bei seiner ersten Nordkorea-Reise Anfang der 70er Jahre der kommunistischen Partei der Arbeit beigetreten zu sein. Dies sei aber Teil der Einwanderungsbestimmungen gewesen. Er bestritt ferner, dem Politbüro angehört zu haben. Der zuletzt in Münster tätige Professor war Ende September nach jahrzehntelangem Exil in seine Heimat zurückgekehrt. Er hatte seine Heimat 1967 verlassen und war zum Studium nach Deutschland gegangen. Dort wurde er zu einer Führungsfigur unter den südkoreanischen Dissidenten, die sich gegen die damalige Militärregierung in Seoul auflehnten. Die südkoreanische Spionageabwehr hatte den Gelehrten seit den 70er Jahren auf ihrer Fahndungsliste. (AFP) |