Die Betuweroute
X. Die Kostenentwicklung
X.

Das Projekt Betuwelijn ist ein gutes Beispiel, wie schwierig es ist, bei großen Infrastrukturprojekten die Kosten im Auge zu behalten. 1992 errechnete die mit dem Bau der Strecke beauftragte Managementgroep Betuweroute (MgBr) einen pauschalen Kostenaufwand von 2,3 Milliarden Euro (damals fünf Milliarden Gulden). Acht Jahre später, Ende des Jahres 2000, musste sie ihren Kostenkatalog deutlich ändern: Die MgBr teilte mit, dass die Betuwe wohl 4,7 Milliarden Euro kosten werde (damals 10,3 Milliarden Gulden) und damit die veranschlagten Kosten von 4,4 Milliarden Euro überschreite.
Wie konnte das Projekt finanziell so aus der Bahn geraten? Der niederländische Rechnungshof ging dieser Frage in seiner Studie Aanleg Betuweroute Projectbeheersing en financiering im Jahr 2002 nach und kam zu einem für das Verkehrsministerium vernichtenden Urteil: „Der Rechnungshof stellt fest, dass (...) zwischen 1995 bis einschließlich 2000 viele Anstrengungen vom Verkehrsministerium unternommen wurden, um das Projekt organisatorisch und finanziell in den Griff zu bekommen. Der Ertrag dieser Anstrengungen ist leider, was die Kostenbeherrschung betrifft, enttäuschend verlaufen. Vor allem in der Zeit vor 1998 hat es das Ministerium nicht geschafft, den von der Ausführungsorganisation MgBr erstellten Kostenrahmen einzuhalten.“
Erst 1998 setzte man sich an einen Tisch und verabredete ein deutliches Kostenbudget – der so genannte Malle-Jan-Akkoord. Seitdem hätten sich die Kosten einigermaßen im Zaum gehalten. Trotzdem klaffte Ende 2000 eine Finanzierungslücke zwischen geplanten und tatsächlichen Kosten in Höhe von 270.000 Euro.
Der Rechnungshof kam zum Ergebnis, dass zirka 30 Prozent (0,8 Milliarden) der Kostensteigerung auf höhere Preise zurückzuführen sind, also inflationsbedingt seien. Mindestens 1,1 Milliarden Euro resultierten aus Anpassungen der Strecke für Lärm- und Umweltschutz. So wurde die Lärmschutznorm für die Betuweroute deutlich erhöht mit einem maximalen Emissionsniveau von 57 Dezibel.
Zirka 220 Millionen Euro Mehrkosten resultierten aus Ungenauigkeiten in der Planung: So fielen etwa die Kosten für Bodensanierungen und Tunnelsicherheit deutlich höher aus als geplant. Die Kosten für Archäologen etwa wurden 1993 noch mit 5,9 Millionen Euro (13 Millionen Gulden) festgesetzt. Tatsächlich waren es 29,5 Millionen Euro (65 Millionen Gulden). Die Kosten für Bodensanierungen verdreifachten sich: Von 45,4 Millionen Euro auf 123,4 Millionen Euro. Die Kosten für elektrotechnische Systeme in den Tunneln waren 85 Millionen Euro teurer als erwartet, auch für die Oberleitungen mussten 60 Millionen Euro mehr ausgegeben werden.
Zur Kostenexplosion haben auch unerwartete Extraausgaben beigetragen, wie der Bau des Schienennetzes zwischen den Hafen der Maasvlakte zum Rangierfeld Kijfhoek in der Nähe von Zwijndrecht. Diese Erweiterung kostete 1992 eine Milliarde Euro extra. Auch der Ausbau des Botlektunnel für doppelstöckige Containerzüge und der Botlekbrücke im Rotterdamer Hafen haben die Kosten nach oben getrieben. Nicht zuletzt verschlang der Sophiatunnel 20 Millionen Euro mehr und für weitere kleinere Änderungen am Brücken- und Tunnelbau entlang der Strecke wurden 60 Millionen Euro mehr ausgegeben.
Nach Auffassung des Rechnungshofes traten die Kostenprobleme bereits in der Planungsphase auf. So habe man es nicht verstanden, deutliche Definitionen und Absprachen über einen Kostenrahmen zu finden: „Die Ausführung des Projektes Betuweroute lässt bis zum heutigen Tag zu wünschen übrig. Dies betrifft sowohl die ausführende Organisation als auch das Verkehrsministerium selbst“, so der Rechnungshof 2002.
| Quelle: Commissie Duivestijn (1999), Seite 445. (siehe Literatur) | ||||
| Datum | Budget (Mio Euro) |
Budget (Mio Gulden) |
Zunahme | Erklärung |
| Apr 92 | 2.335 | 5.145 | 2.645 | Umweltschutzmaßnahmen: 800 Mio Gulden Hafenbahn |
| Mai 93 | 2.832 | 6.241 | 1.096 | Botlektunnel: 331 Mio Gulden Preissteigerungen: 390 Mio Gulden Maßnahmen aufgrund Klagen: 375 Mio Gulden |
| Mai 94 | 3.239 | 7.138 | 897 | Einsprüche: 750 Mio Gulden Inflation: 147 Mio Gulden |
| Apr 95 | 3.744 | 8.250 | 1.112 | Pannerdensch Kanaal: 17 Mio Gulden Diverse Extra-Maßnahmen: 820 Mio Gulden Inflation: 275 Mio Gulden |
| Mrz 97 | 3.798 | 8.370 | 120 | Inflation: 120 Mio Gulden |
| Sep 97 | 4.034 | 8.890 | 520 | Zwei Double Stack Tunnel: 150 Mio Gulden Inflation: 290 Mio Gulden Kosten für Analysen: 79 Mio Gulden |
| Mrz 98 | 4.138 | 9.120 | 230 | Inflation: 230 Mio Gulden |
| Nov 98 | 4.243 | 9.350 | 230 | Inflation: 230 Mio Gulden |
| Sep 99 | 4.281 | 9.435 | 85 | Inflation: 107 Mio Gulden |
| Aug 00 | 4.522 | 9.665 | 230 | Kosten Kommunikation: minus 22 Mio Gulden Inflation: 170 Mio Gulden Waalhaven, HST-Oost-Tunnenl: 59,4 Mio Gulden |
| Okt 01 | 4.501 | 9.919 | 254 | Inflation: 266 Mio Gulden Kostenentwicklung: minus 12 Mio Gulden |
| Apr 02 | 4.546 | 10.018 | 99 | Diverse Extra- Maßnahmen: 99 Mio Gulden |
| Okt 02 | 4.715 | 10.390 | 373 | Inflation: 162 Mio Gulden Beiträge NS RIB: 211 Mio Gulden |
| Apr 03 | 4.712 | 10.384 | -6 | Apparatkosten: minus 6 Mio Gulden |
| Dez 03 |
4.834 | 10.653 | 269 | Mehrkosten Bodensanierung: 79 Mio Gulden Inflation: 116 Mio Gulden Extra Beiträge EU: 33 Mio Gulden |
| Apr 04 |
4.995 | 10.897 | 244 | Sprinkleranlagen: 229 Mio Gulden Instandhaltungskosten: 15 Mio Gulden |
| Okt 04 |
4.799 | 10.575 | -322 | Calandbrug: minus 11 Mio Gulden Inflation: minus 37 Mio Gulden Bauvergabe: minus 352 Mio Gulden |
Autor: Andreas Gebbink
Erstellt: Dezember 2009
Aktualisiert: März 2013
Links
Wichtige Links im Bereich Wirtschaft finden Sie unter Institutionen
Weitere Informationen in unserem Archiv - Kurzbeitrag Wiederaufnahme des Eisernen Rhein
Oberhausener Bürgerinitiative gegen die Betuweroute Betuwe - so nicht
Informationen rund um die Betouweroute kennis.betuweroute.nl
Nld. Eisenbahninfrastruktur- untenehmen Keyrail
Niederländisches Ministerium für Infrastruktur und Umwelt Ministerie van Infrastructuur en Milieu
Nld. Bundesbahn Nederlandse Spoorwegen
Behörde des nld. Verkehrsministeriums, die sich um die Straßen- und Wegeinfrastruktur kümmert Rijkswaterstaat
Literatur
Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie
Algemene Rekenkamer: Beleidsinformatie Betuweroute, 27195,'s-Gravenhage 2000. Onlineversion
Algemene Rekenkamer: Aanleg Betuweroute Projectbeheersing en financiering, 28070,'s-Gravenhage 2001. Onlineversion
Algemene Rekenkamer: Risico-reservering voor de Betuweroute en de HSL-Zuid,'s-Gravenhage 2003.
Ministerie van Verkeer en Waterstaat: Voortgangsrapportage Betuweroute, Den Haag 1999. Onlineversion
Commissie Duivesteijn: Onderzoek naar Infrastructuurprojecten, o.O. 2005. Onlineversion
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