Staubekämpfung in den Niederlanden
X. Chronologie der Kilometergebühr
X.
Ihre Idee, für das Autofahren
zu zahlen und nicht für den Autobesitz, lebte weiter. Denn zehn Jahre
später lässt sich Eurlings für einen ähnlichen Ansatz feiern. Was
Netelenbos damals forderte, ist lange und intensiv in vielen Gremien
besprochen worden. Unter dem Motto „Anders betalen voor mobiliteit“
wurde 2003 unter Ministerin Karla Peijs ein neuer Versuch gestartet,
den „Kilometerprijs“ dem Autofahrervolk schmackhaft zu machen.
Peijs
rief zusammen mit dem ANWB-Präsidenten Guido van Woerkom und dem
Arbeitgeberpräsidenten Jacques Schraven am Nikolausabend 2004 einen
runden Tisch ein, gemeinsam mit Transport en Logistiek Nederland und
der Stiftung Natuur en Milieu. Schon ein Jahr später rieten die
Organisationen gemeinsam zur Einführung der kilometerbezogenen
Autogebühr. Die Leitung der „Platform van weggebruikers“ hatte der
ehemalige ANWB-Vorsitzende Paul Nouwen inne. Angesichts der
verheerenden Zustände auf den niederländischen Straßen war allen klar,
dass es so nicht weiter gehen könne. „Im Jahr 2013 bewegt sich sonst
gar nichts mehr. Und zwar nicht nur zur Rushhour, sondern auch zu den
weniger intensiven Stunden. Wir mussten etwas unternehmen“, erklärte
Ministerin Peijs damals. Immer mehr Straßen bauen ist in den
dichtbevölkerten Niederlanden ein teures Unterfangen. Allein die sieben
Kilometer Autobahn zwischen Delft und Schiedam kosten den Steuerzahler
880 Millionen Euro. Die kilometerbezogene Autosteuer schien auf einmal
nicht mehr länger Teufelswerk zu sein, sondern durchaus eine Option,
mit der man sich anfreunden könnte – wenn denn sichergestellt wird,
dass der Autofahrer nicht stärker belastet wird.
Bereits in
den Koalitionsgesprächen zum Kabinett Balkenende IV im Jahr 2007 wurde
die Einführung des neuen Systems von allen drei Regierungsparteien
(CDA, PvdA und ChristenUnie) gestützt. Camiel Eurlings sollte als
Verkehrsminister das System vorbereiten und einführen. Für den jungen,
ambitionierten Politiker eine gefährliche Aufgabe, denn die Chance zu
scheitern war groß. Kein Wunder, dass er bei Antritt seines Amtes im
Jahr 2007 die Erwartungen dämpfte und versicherte, dass die Einführung
des neuen Systems sicherlich nicht innerhalb einer Kabinettsperiode
über die Bühne zu bringen sei.
Wegen der kilometerbezogenen
Gebühren gibt es in der Bevölkerung und unter Politikern eine große
Unsicherheit. Viele Bürger denken, dass die Gebühr nur für Autobahnen
gilt oder nur für Lkw. Viele Politiker haben Angst vor einer
emotionalen, irrationalen Debatte. PvdA-Abgeordnete Lia Roefs: „Wenn
wir nicht aufpassen, dann entsteht das Bild: Als Autofahrer bezahl ich
schon so viel fürs Benzin und jetzt kommt das auch noch obendrauf.“ Die
Befürworter des neuen Systems haben die starke Befürchtung, dass der
Zorn des Autofahrers zuschlägt und die Regierungsparteien abstraft.
Nicht umsonst vermeiden es die Politiker von einer Kilometersteuer zu
sprechen, sondern haben den neuen Begriff „Kilometerpreis“ eingeführt.
Camiel
Eurlings ist der erste Minister, der einen konkreten Gesetzestext
vorstellt, nachdem die große Poldermaschine angelaufen war: Unzählige
Gespräche zwischen ANWB, Arbeitgebervertretern, Gewerkschaften und
Umweltorganisationen haben letztlich zu diesem Ergebnis geführt.
Autor: Andreas Gebbink
Erstellt: Dezember 2009
Links
Wichtige Links im Bereich Umwelt finden Sie unter Institutionen
Beratungsinstitut innerhalb des VenW, das Untersuchungen zur Infrastruktur in NL durchführt Kennisinstituut voor Mobiliteitsbeleid (KiM)
Nld. Verkehrsministerium Ministerie van Verkeer en Waterstaat (VenW)
Dossier über Staubekämpfung des nld. Verkehrsministerium Ministerie van Verkeer en Waterstaat (VenW)
Dossier über den Kilometerpreis des nld. Verkehrsministerium Ministerie van Verkeer en Waterstaat (VenW)
Literatur
Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie
Centraal Planbureau (Hrsg.): Effecten van omzetting van de aanschafbelasting op personenauto’s in een kilometerprijs, Den Haag 2008
Ministerie van Verkeer en Waterstaat (VenW) (Hrsg.): Brief. Anders Betalen voor Mobiliteit, 30. November 2007, VENW/DGP-2007/6277, Den Haag 2007.
Directie Algemene Fiscale Politiek: Brief. Fiscale aspecten Anders Betalen voor Mobiliteit, AFP 2008-00410, Den Haag o.D.
Ministerie van Verkeer en Waterstaat (VenW) / Project Anders Betalen voor Mobiliteit (Hrsg.): Effecten vormgeving kilometerprijs bij variabilisatie van BPM, MRB en Eurovignet, Rotterdam 2007.
Ministerie van Verkeer en Waterstaat, Hoofddirectie juridische zaken: Brief aan konigin. Wetvoorstel Kilometerprijs, 13. November 2009, CEND/HDJZ-2009/1351, Den Haag 2009.
Ministerie van Verkeer en Waterstaat, Hoofddirectie juridische zaken: Wetvoorstel Kilometerprijs, 13. November 2009, CEND/HDJZ-2009/1351, Den Haag 2009.
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