Rechtspopulismus am Beispiel der PVV


II. Stand der Forschung

In den vergangenen Jahren hat sich die Frage, mit welchem Etikett die PVV zu versehen sei, in den Niederlanden zu einem „nationalen Gesellschaftsspiel“ (Koen Vossen) entwickelt.[1] Aus diesem Grund lohnt es sich, einen Blick in Publikationen zu werfen, die sich mit diesem Thema beschäftigen, denn zahlreiche Autoren stufen Geert Wilders beziehungsweise dessen politische Bewegung in den Jahren 2009 bis 2012 mit bisweilen abweichenden Wertungen vorwiegend als „populistisch“ ein.[2]

Wilders versuchte vor der Europawahl 2014 andere europäische (Rechts-)opulisten wie Marine Le Pen zu einer Zusammenarbeit zu bewegen

Paul Lucardie schlussfolgerte im Jahr 2009, dass die PVV „als rechts, liberal-nationalistisch und populistisch, aber nicht als rechtsextremistisch betrachtet werden“ müsse.[3] Koen Vossen unterschied bei seiner Etikettierung des ehemaligen VVD-Politikers 2011 zwischen einer liberalen (1990 bis 2002), einer neokonservativen (2002 bis 2006) und einer nationalpopulistischen Phase (seit 2006).[4] Zum letztgenannten Etikett „nationalpopulistisch“ ist jedoch ergänzend anzumerken, dass derselbe Autor Wilders’ Politik 2009 noch als „halben Populismus“ bezeichnet hatte.[5]

Paul Lucardie und Gerrit Voerman legten 2012 ähnlich wie auch Koen Vossen Nachdruck auf die programmatische Entwicklung des Vorsitzenden der PVV: Wilders habe sich im Laufe der Jahre „von einem konservativ-liberalen Parlamentarier auf der rechten Seite der VVD zu einem nationalpopulistischen Führer einer eigenen Partei“[6] entwickelt. Auf den Politikfeldern „Immigration“ und „Verbrechensbekämpfung“ sei er konservativ, „in seinem Streben nach Steuersenkungen und einer Begrenzung des Staatsapparates, aber auch in ethischen Fragen wie der Homo-Emanzipation und der Euthanasie“[7] müsse er jedoch als „liberal“ eingestuft werden.[8]

In drei Studien, die von Forschern der Anne Frank Stiftung sowie den Universitäten Leiden und Tilburg durchgeführt worden sind, wird die PVV in den Jahren 2008 beziehungsweise 2010 der rechtsextremen Parteienfamilie zugeordnet und mit den Etiketten „neu-rechtsradikal“ sowie „neu-rechtsextrem“ versehen. Diese Autoren stufen Geert Wilders und die PVV in diesen Untersuchungen allerdings an keiner Stelle als „populistisch“ ein.[9]

Im Ganzen gesehen ist zu konstatieren, dass aktuelle Forschungsarbeiten und politische Essays fast ausnahmslos auf den populistischen Charakter der PVV verweisen. Allerdings beinhalten sie eine bemerkenswerte Bandbreite an möglichen Titulierungen, die in den Augen der jeweiligen Autoren zumindest in bestimmten Phasen oder in einzelnen Politikfeldern zutreffend sind. Generell gilt: Wenn das Etikett „populistisch“ als angemessen betrachtet wird, ist die Verwendung anderer Bezeichnungen zur Charakterisierung des Gedankengutes der politischen Bewegung von Geert Wilders keineswegs ausgeschlossen. Dies liegt nicht zuletzt an dem Umstand, dass der Populismus mitunter nicht als Ideologie wie der Liberalismus oder der Sozialismus, sondern nur als ein bestimmter Politikstil oder als eine „Mentalität“[10] aufgefasst wird.


[1] Zur Etikettendiskussion vgl. auch Vossen, Koen: Rondom Wilders. Portret van de PVV, Amsterdam 2013.
[2] Zijderveld, Anton C.: Populisme als politiek drijfzand, Amsterdam 2009; Fennema, Meindert: Geert Wilders. Tovenaarsleerling, Amsterdam 2010; Rossem, Maarten van: Waarom is de burger boos? Over hedendaags populisme, Amsterdam 2010; Mul, Jos de: Paniek in de polder. Polytiek en populisme in Nederland, Zoetermeer 2011; Pels, Dick: Het volk bestaat niet. Leiderschap en populisme in de mediademocratie, Amsterdam 2011; Reybrouck, David Van: Pleidooi voor populisme, Amsterdam 2011; Slaa, Robin te: Is Wilders een fascist?, Amsterdam 2012; Wielenga, Friso: Geschichte der Niederlande, Stuttgart 2012.
[3] Lucardie, A.P.M. et al.: Rechts-extremisme, populisme of democratisch patriotisme? Opmerkingen over de politieke plaatsbepaling van de Partij voor de Vrijheid en Trots op Nederland, in: Jaarboek Documentatiecentrum Nederlandse Politieke Partijen 2007, Groningen 2007, S. 185.
[4] Vossen, Koen: Vom konservativen Liberalen zum Nationalpopulisten. Die ideologische Entwicklung des Geert Wilders, in: Wielenga, Friso/Hartleb, Florian (Hrsg.): Populismus in der modernen Demokratie. Die Niederlande und Deutschland im Vergleich, Münster 2011, S. 77–103.
[5] Vossen, Koen: Hoe populistisch zijn Geert Wilders en Rita Verdonk? Verschillen en overeenkomsten in politieke stijl van twee politici, in: Res Publica. Politiek wetenschappelijk tijd schrift voor de Lage Landen, Jg. 51 (2009), S. 457.
[6] Lucardie, Paul/Voerman, Gerrit: Populisten in de polder, Meppel 2012.
[7] Ebd.
[8] Vgl. dazu auch Otjes, Simon Pieter: Imitating the newcomer. How, when and why established political parties imitate the policy positions and issue attention of new political parties in the electoral and parliamentary arena: the case of the Netherlands, Leiden 2012, S. 155-157.
[9] Donslaar, Jaap van/Rodrigues, Peter R. (Hrsg.): Monitor Racisme & Extremisme, Achtste Rapportage, Amsterdam 2008, S. 190f., Onlineversion; Moors, H. et al. (Hrsg.): Polarisatie en radicalisering in Nederland. Een verkenning van de stand van zaken in 2009, Tilburg 2010, S. 97 und Rodrigues, Peter R./Donselaar, Jaap van (Hrsg.): Monitor Racisme & Extremisme, Negende Rapportage, Leiden 2010, S. 63f. und S. 79, Onlineversion.
[10] Rossem, Maarten van: Waarom is de burger boos? Over hedendaags populisme, Amsterdam 2010, S. 28. In diesem Zusammenhang ist auch auf Tim Houwen zu verweisen, der Populismus nicht als eine Ideologie, sondern als Kombination von ideologischen Elementen („Ideologeme“) definiert, zitiert nach Lucardie, Paul: Populismus: begriffshistorische und theoretische Bemerkungen, in: Wielenga, Friso/Hartleb, Florian (Hrsg.): Populismus in der modernen Demokratie. Die Niederlande und Deutschland im Vergleich, Münster 2011, S. 20.

Autor: André Krause
Erstellt: September 2014


Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie

Aalberts, Chris: Achter de PVV. Waarom burgers op Geert Wilders stemmen, Delft 2012.

Fennema, Meindert: Geert Wilders. Tovenaarsleerling, Amsterdam 2010.

Vossen, Koen: Rondom Wilders. Portret van de PVV, Amsterdam 2013.

Wielenga, Friso/Hartleb, Florian (Hrsg.): Populismus in der modernen Demokratie. Die Niederlande und Deutschland im Vergleich, Münster 2011.

Personen

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Links

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Website der PVV

Biographie von Geert Wilders

Weitere Informationen in unserem Dossier Vom Poldermodell zum Populismus


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