Rechtspopulismus am Beispiel der PVV


IV. Islam-Alarmismus

Die PVV betrachtet den Islam als den historischen Erzfeind des Westens. Der Islam gilt nicht als Religion, sondern als totalitäre Ideologie, da er wie der Faschismus und der Kommunismus die Absicht verfolge, das Leben seiner Untertanen vollständig zu bestimmen.

Der Islam dient der PVV als masterframe, d.h. als übergeordnetes Thema, mit dem allerlei unterschiedliche Dinge zu erklären seien. Dabei ist zum Beispiel an Ehrenmorde in türkischen Familien, Bombenattentate im Irak oder somalische Piraten zu denken. Kurzum: Zahlreiche Missstände sind laut der politischen Bewegung von Geert Wilders auf den Islam zurückzuführen. Deshalb tobe der Dschihad auch überall. Nicht nur in Bagdad oder Kabul, sondern auch in niederländischen Städten wie Gouda.

Der Vorsitzende der PVV vertritt darüber hinaus den Standpunkt, dass Moslems drei Strategien anwenden, um Europa zu unterwerfen: „Immigration“, „Missbrauch des Sozialstaates“ und „Taqiyya“.

Anti-Islamismus war jahrelang das Hauptthema der PVV

Immigration

Die Emigration Mohammeds und seiner Jünger in die arabische Stadt Yathrib – die Hidschra – diene den Moslems der Gegenwart als Vorbild. Die dortige jüdische Bevölkerung nahm die Flüchtlinge im Jahre 622 zunächst auf. Dies sollten sie jedoch bereuen, da Letztere in der Folgezeit die Kontrolle über ihre neue Heimat durch eine Politik der Einschüchterung, Gewalt und Plünderung an sich rissen. Bis zum heutigen Tage trägt die Stadt auf der arabischen Halbinsel den Namen Medina (dt. „Die erleuchtete Stadt“). Sie ist nach Mekka zweitwichtigste heilige Stadt des Islam.

Geert Wilders ist der Ansicht, dass das Vorgehen der heutigen Moslems demselben Muster folge. Ihr Ziel sei es, in einem ersten Schritt ganze Viertel in europäischen Städten einzunehmen. Nach dieser Lesart sind muslimische (in den Niederlanden oft marokkanische) Kriminelle keine „normalen“ Kriminellen, sondern „Straßenterroristen“ oder „Dschihad-Soldaten“, die beabsichtigen, den öffentlichen Raum wie einst in Yathrib in Besitz zu nehmen.

Laut Geert Wilders verfolgen Moslems in den Niederlanden zudem das Ziel, den Sozialstaat zu missbrauchen, um möglichst viel Geld in islamische Länder zu transferieren. Dabei handle es sich in den Augen der islamischen Täter um keine Sünde, da der Betrug in diesem Fall ein legitimer Bestandteil des Dschihads sei.

Taqiyya

Geert Wilders konfrontiert erstmals im Jahre 2010 eine breite niederländische Öffentlichkeit mit seiner Lesart des Konzeptes der taqiyya (dt. Furcht/Vorsicht). Demnach dürfen Moslems ihre wahren Absichten im Interesse des Dschihads verbergen. Es sei ihnen auf dieser Grundlage gestattet, sich eine Zeitlang nach außen hin als „normale“ angepasste Bürger zu präsentieren.

Grundlage für das Prinzip der taqiyya ist die Koran-Sure 3:28. Dort heißt es: „Die Gläubigen sollen sich nicht die Ungläubigen anstatt der Gläubigen zu Freunden nehmen. Wer das tut, hat keine Gemeinschaft (mehr) mit Gott. Anders ist es, wenn ihr euch vor ihnen (d.h. den Ungläubigen) wirklich fürchtet.“

Sofern man Wilders’ vorrangig von Islam-Alarmisten geteilte, aber ansonsten weitgehend abgelehnte Sichtweise ernst nimmt, konterkariert das Konzept der taqiyya fraglos sämtliche Bemühungen im Bereich der Integrationspolitik. Auch scheinbar angepasste Moslems sind plötzlich potenzielle Lügner, Betrüger und Dschihadisten. Es lohne sich deshalb nicht, diese zu fördern bzw. als Ansprechpartner zu konsultieren.

Die PVV ist folglich der Ansicht, dass es keinen liberalen Islam gibt. „Der“ Islam müsse zu jeder Zeit sowie an jedem Ort als bösartige, gewalttätige Ideologie eingeordnet werden. Wenn Moslems einen abweichenden Standpunkt vertreten und progressiv anmutende Ansichten äußern, sei entweder taqiyya oder Unwissen im Spiel.

Konsequenz

Geert Wilders gelangt auf Grund der oben genannten Sichtweisen zu der Schlussfolgerung, dass das vorrangige Ziel der Politik darin bestehen müsse, den Islam in den Niederlanden auszuschalten und die Moslems in der Gesellschaft zu marginalisieren. Um dies zu erreichen, hat die PVV in den zurückliegenden Jahren im Rahmen ihrer Wahlprogramme die Durchführung der folgenden Maßnahmen vorgeschlagen:

  • Koran-Verbot
  • Schließung islamischer Schulen
  • Stopp des Baus von Moscheen
  • Dauerhafter Einwanderungsstopp für Menschen aus muslimischen Ländern
  • Keine Subventionen für islamische Medien und Institutionen
  • Kopftuchverbot in verschiedenen Funktionen und öffentlichen Gebäuden
  • Verbot des Koran-Unterrichts in Schulen
  • Kopftuchsteuer
  • Ausweisung von schlecht integrierten Immigranten und Kriminellen mit einer doppelten Staatsbürgerschaft

Auch die Sprache der PVV – „Kopflumpen“ statt Kopftuch, „Hasspalast“ statt Moschee – soll den gläubigen Moslems verdeutlichen, dass sie unerwünschte Fremdkörper in den Niederlanden sind.

Inspirationsquellen

Koen Vossen verweist in seiner oben angeführten Arbeit aus dem Jahre 2013 auf den Umstand, dass Geert Wilders’ Islam-Bild vor allem von drei Personen außerhalb der PVV maßgeblich beeinflusst worden ist: Oriana Fallaci, Bat Ye’or und Hans Jansen.

Die italienische Journalistin Oriana Fallaci (1929 bis 2006) warnte in ihren beiden Büchern Die Wut und der Stolz (2002) sowie Die Kraft der Vernunft (2004) vor einem „umgekehrten Kreuzzug“ des Islam: Das dekadente Europa solle durch eine „Politik der Gebärmutter“ und „Masseneinwanderung“ unterworfen werden. Der Kontinent sei inzwischen so stark „islamisiert“, dass er sich bereits in „Eurabien“, eine islamische Kolonie, verändert habe.

Der Begriff „Eurabien“ geht wiederum auf die britisch-schweizerische Historikerin Bat Ye’or (eigentlich: Gisèle Littman, geboren 1933) zurück. In ihrem Werk Eurabia. The Euro-Arab Axis (2005) entwirft sie eine Theorie, aus welcher hervorgehen soll, weshalb die europäischen Politiker die Islamisierung ihres Kontinents gestattet haben. Bat Ye’or vertritt die Ansicht, dass in den 1970er Jahren auf allerhöchstem Niveau Vereinbarungen zwischen europäischen und arabischen Politikern getroffen worden seien. Europa habe im Tausch für Öl und Frieden seine Tore für muslimische Einwanderer geöffnet. Auch wenn das Buch wie eine wissenschaftliche Arbeit präsentiert wird, fehlen harte Beweise. Deshalb hält die Forschung Eurabia. The Euro-Arab Axis für eine klassische Verschwörungstheorie. Neben Geert Wilders glaubt jedoch unter anderem der niederländische Arabist und Islamwissenschaftler Hans Jansen ebenfalls an Bat Ye’ors Ausführungen.

Jansen (geboren 1942) ist gegenwärtig einer der schärfsten Islamkritiker in den Niederlanden. Er glaubt nicht an einen gemäßigten Islam und denkt, das Verhalten von Moslems vollständig mit dem Koran erklären zu können. Jansen ist davon überzeugt, dass der Islam nicht mit den Normen und Werten des Westens in Einklang zu bringen sei. Die Mehrheit der niederländischen Islamwissenschaftler lehnt dessen Thesen ab. Allerdings tritt Jansen sehr häufig in den niederländischen Medien auf, um seine Sichtweisen zu präsentieren.[1]


[1] Vgl. dazu Fallaci, Oriana: Die Wut und der Stolz, München 2002; Fallaci, Oriana: Die Kraft der Vernunft, Berlin 2004; Jansen, Hans: Mohammed: Eine Biographie, München 2008; Ye'or, Bat: Eurabia. The Euro-Arab Axis, New York 2005.

Autor: André Krause
Erstellt: September 2014


Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie

Fallaci, Oriana: Die Wut und der Stolz, München 2002.

Fallaci, Oriana: Die Kraft der Vernunft, Berlin 2004.

Jansen, Hans: Mohammed: Eine Biographie, München 2008.

Vossen, Koen: Rondom Wilders. Portret van de PVV, Amsterdam 2013.

Ye'or, Bat: Eurabia. The Euro-Arab Axis, New York 2005.

Personen

Informationen zu Personen im Bereich Kultur Personen A-Z

Links

Wichtige kulturelle Links finden Sie unter Institutionen

Website der PVV

Biographie von Geert Wilders

Weitere Informationen in unserem Dossier Vom Poldermodell zum Populismus


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