Monarchie - Kurzbeitrag



Voller Terminkalender: Die niederländische Königin auf Staatsbesuch


Königin sein bedeutet, einen Fulltime-Job zu haben. Nicht immer, besonders aber auf Staatsbesuchen wie jenem, auf dem die niederländische Königin vom 12. bis zum 15. April einen Besuch an Deutschland anbrachte (NiederlandeNet berichtete). Das Programm für den Aufenthalt war straff geplant – innerhalb von vier Tagen galt es in drei Bundesländern viele Hände zu schütteln, Museen zu besuchen, an Konferenzen teilzunehmen, Reden zu halten, Unternehmen zu besichtigen, mit Schülern zu sprechen und nicht zuletzt, sich von den Monarchie-begeisterten Deutschen bejubeln und fotografieren zu lassen.


Bei einem solch vollen Terminkalender blieb für das niederländische Staatsoberhaupt und das sie begleitende Kronprinzenpaar Willem-Alexander und Máxima keine Zeit für private Dinge – nicht einmal Zeit zum Shoppen hatte Prinzessin Máxima gefunden, was sie selbst sehr bedauerte (NiederlandeNet berichtete). Zu allem Stress kam noch, dass das Wetter zu Beginn des viertägigen Aufenthalts der Monarchin in Deutschland alles andere als königlich war: Am ersten Tag in Berlin flogen Regenschirme und Hüte fast weg, am zweiten Tag fiel der Spaziergang durch das Brandenburger Tor wegen strömenden Regens wortwörtlich ins Wasser und auch am dritten Tag sah die königliche Gesellschaft Dresden nur durch einen grauen Schleier. Erst bis zum vierten und letzten Tag sollte es dauern, bis Königin Beatrix auf ihrem Staatsbesuch in Deutschland einen Tag ohne Regenschirm erleben durfte.

Abschluss des Staatsbesuches in Nordrhein-Westfalen

Am vierten und letzten Tag ihres Besuchs im „neuen Deutschland“ führte es die königliche Gesellschaft in das grenznahe Nordrhein-Westfalen. Ein derartiger Staatsbesuch bedeutet ein straffes Programm und eine ebenso straffe Planung. Die Vorbereitungen für den Staatsbesuch liefen deshalb auch bereits Wochen vorher auf Hochtouren. So begannen auch am letzten Tag des königlichen Besuches die Vorbereitungen lange bevor das Flugzeug der niederländischen Regierung auf nordrhein-westfälischem Boden aufsetzte: Straßen wurden abgesperrt, Absperrzäune aufgestellt, die roten Teppiche auf ihre Position gelegt und alles auf Hochglanz gebracht – es kommt schließlich nicht jeden Tag eine Königin zu Besuch.

Bevor die orange-blau-weiße Fokker 70 der niederländischen Regierung aus Dresden kommend bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein gegen 10 Uhr am Freitagmorgen in Nordrhein-Westfalen landete, waren auch am Flughafen Düsseldorf alle notwendigen Vorbereitungen abgeschlossen. Für den Besuch war ein spezieller Teil des Rollfeldes abgesperrt worden, wobei der rote Teppich aufgerollt in die ungefähre Parkposition der Maschine gebracht worden war. Für Fotografen und Kameraleute stand eine Art Tribüne aus zwei Flugzeugtreppen in einem extra abgesperrten Pressebereich zur Verfügung. Die Polizistinnen und Polizisten der Bundespolizei, welche das Ehrenspalier für das niederländische Staatsoberhaupt bildeten, standen in Zweierreihen aufgestellt und warteten auf die Ankunft des königlichen Besuches. Das Empfangskommando der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft mit rund zehn Staatskarossen, einer 17-köpfigen Motorradeskorte und weiteren Dienstwagen der Polizei hatte unterdessen Position in einem nahe gelegenen Hangar bezogen und wartete auf das Eintreffen der königliche Maschine. Am Düsseldorfer Flughafen gehören Staatsbesuche zur wiederkehrenden Routine des Teams, wie Udo Seidler vom Flughafen Düsseldorf berichtete: „Es handelt sich um eine Standardprozedur. Wir sind auf alles eingestellt“, so Seidler. Trotz alledem sei ein königlicher Besuch immer wieder etwas Besonderes. Mit jenem der britischen Monarchin vor sieben Jahren sei dieser jedoch nur bedingt zu vergleichen. Damals galt die höchste Sicherheitsstufe und auch bei den Pressevertretern hatten sich deutlich mehr als die etwa 25 des jetzigen Staatsbesuches beim Flughafen akkreditieren lassen. Vollkommene Routine war der königliche Besuch aber längst nicht für alle Beteiligten am Flughafen: Den etwa 25 Frauen und Männern der Bundespolizei war die Anspannung im Vorhinein merklich anzusehen: „Wir machen das maximal einmal pro Jahr, das letzte Mal beim Besuch von König Harald 2007“, so ein Sprecher der Polizei. Am Ende klappt es dann aber auch dort mit dem Gleichschritt.

Fahrzeugkarawane mit Staatskarossen und Limousinen

Trotz aller Anspannung – und obwohl noch in letzter Sekunde bevor die Fahrzeugkarawane vorfuhr der rote Teppich glatt gezogen werden musste – lief die Ankunft vollkommen nach Plan: Die Maschine parkte auf dem Rollfeld, während die Polizeieskorte der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft vorfuhr. Kraft stieg aus, positionierte sich anschließend auf dem roten Teppich und nahm Königin Beatrix sowie Kronprinz Willem-Alexander und Prinzessin Máxima, die in dieser Reihenfolge die Fokker verließen, mit orangefarbenen Blumensträußen in Empfang. Die Ministerpräsidentin trug ein graues Kostüm, rote Schuhe sowie einen farblich abgestimmten großen Hut und machte damit der Königin, die eine fliederfarbene Kopfbedeckung trug, direkte Konkurrenz. Prinzessin Máxima war in einen beigefarbenen Hosenanzug gekleidet und trug einen dezenten Haarschmuck. Willem-Alexander war in einen dunklen Anzug mit hellblauem Hemd und roter Krawatte erschienen. Wie sich später herausstellen sollte, würde die Königsfamilie diese Garderobe im Laufe des Tages noch einmal komplett wechseln.

Noch auf dem Düsseldorfer Rollfeld schritten die Königin, das Kronprinzenpaar sowie die Ministerpräsidentin mitsamt dem königlichen Gefolge den 30 Meter langen roten Teppich ab und begaben sich anschließend in die bereitstehenden Autos – eine gepanzerte dunkle Mercedes-Limousine für die Königsfamilie sowie ein silberner Audi für Ministerpräsidentin Kraft. In einer langen Kolonne reihten sich anschließend alle Fahrzeuge hinter der Motorradeskorte der Polizei, welche die Königin und ihre Entourage den gesamten Tag begleiten sollten, ein, und setzen sich in Richtung Essen in Bewegung, wo die nächsten Tagespunkte des Staatsbesuches auf dem Programm standen.

Besuch des „neuen Deutschlands“

Den ersten Tagestermin der Königin, welche sich selbst einen Besuch in Nordrhein-Westfalen gewünscht hatte, bildete in Essen ab kurz vor 11 Uhr das dortige Weltkulturerbe Zeche Zollverein, wo die königliche Familie nochmals offiziell von Hannelore Kraft begrüßt wurde und sich später auch in das Stahlbuch der Stadt Essen eintrug. Übergreifendes Thema in Essen war – ganz im Zeichen des Staatsbesuchsthemas „Das neue Deutschland“ (NiederlandeNet berichtete) – der Strukturwandel im Ruhrgebiet. Auf der ehemaligen Zeche stand dazu ein Besuch des im vergangenen Jahr neu eröffneten Ruhrmuseums sowie eine Besichtigung des red rot Designmuseums auf dem Programm. Auf einem dort stattfinden Architektenseminar zum Thema „building on and off the water“ hielt Prinz Willem-Alexander in seiner Funktion als niederländischer sowie UN-Wasserbotschafter eine Rede zum Thema Wasser. Gegen kurz nach 13 Uhr machte sich die Gesellschaft dann auf dem Weg zum nahe gelegenen extra eingerichteten Bahnsteig, wo bereits ein Sonderzug der Deutschen Bahn bereitstand und die Gesellschaft durch eine musikalische Darbietung des Bergmannschors und Essens Oberbürgermeister Reinhard Paß verabschiedet wurde.

In dem Zug wiederfuhr der königlichen Familie eine wundersame Verwandlung: Als der Intercity-Sonderzug an Gleis 1 im Bahnhof der Grenzstadt Herzogenrath zum Stoppen kam, hatte die königliche Familie plötzlich komplett ihre Garderobe gewechselt. Königin Beatrix trug nun ein rot-braunes Kostüm mit passendem Hut und Máxima war jetzt ganz in Rosa und Pink gekleidet. Willem-Alexander hingegen hatte lediglich seine Krawatte von einer roten in eine orangefarbene getauscht. Gemeinsam mit der äußerlich unveränderten Hannelore Kraft wurde die Delegation am ausgerollten roten Teppich durch den Herzogenrather Bürgermeister Christoph von den Driesch und seinem Kollegen Jos Som aus dem benachbarten niederländischen Grenzort Kerkrade begrüßt. Herzlich winkten Ihre Majestäten anschließend den versammelten Schaulustigen wie den Pressevertretern zu. Eine Kapelle spielte „Long Street Dixie“ – ein Wunsch des Königshauses –, bevor die gesamte Gesellschaft wieder in ihren bereitstehenden Limousinen Platz nahm und sich auf den Weg Richtung Süd-Westen begab.

Gespräche zum Thema grenzüberschreitende Zusammenarbeit

Ziel der kurzen Fahrt war das Eurode Business Center (EBC), ein in seiner Form einmaliges deutsch-niederländisches Dienstleistungszentrum direkt auf der Landesgrenze zwischen Herzogenrath und Kerkrade. Auch hier erwartete die königliche Gesellschaft, welche mit ihrer Fahrzeugkolonne über die Neustraße/Nieuwstraat (wo auf der rechten Seite deutsche und auf der linken Seite Niederländische Häuser stehen) gradewegs auf das EBC zurollte, auf beiden Seiten der Grenze viele Schaulustige mit orangefarbenen Accessoires, Blumengeschenken und Fähnchen mit beiden Nationalflaggen. Die königliche Limousine stoppte anschließend an der gegenüberliegenden Ausfahrt des großen Kreisverkehrs vor dem Dienstleistungsgebäude und neben den jubelnden Schaulustigen. Vorbei an den wartenden Fotografen und Kameraleuten der deutschen und niederländischen Medien sowie entlang an weit über 100 Schülerinnen und Schülern aus dem Gymnasium sowie der Europaschule in Herzogenrath lief die königliche Gesellschaft in Begleitung von Ministerpräsidentin Kraft und Bürgermeister Von den Driesch samt ihres Gefolges im einem Halbkreis über den Kreisverkehr. Für einen stimmungsvollen Empfang sorgten ein niederländisches wie ein deutsches Polizeiorchester, die sich jeweils auf ihrer Seite der Grenze neben dem Eingang zum EBC und den Schülern postiert hatten und gemeinsam musizierten. Ganze drei Minuten konnte man hier einen Blick auf die Königin werfen, die sich anschließend mitsamt der kompletten Entourage für knapp 75 Minuten in das EBC-Gebäude begab. Hier standen Informationsveranstaltungen zum Thema „Zusammenarbeit im Grenzgebiet“ auf dem Plan, bei denen die royalen Gäste mit vielen Menschen über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Schule, Wissenschaft oder bei der Polizei sprachen und die Königin sich in das Goldene Buch der Stadt Herzogenrath eintrug.

In der im EBC angesiedelten binationalen Polizeiwache ging es in einem etwa 40-minütigen Tischgespräch um die alltäglichen Aufgabenstellungen und Erfahrungen des Polizeidienstes an der Grenze. Unter anderem erläuterten Jac de Bruijn von der niederländischen und Achim Blenz von der deutschen Polizei an vielen konkreten Beispielen, wie sie den Bürgern täglich mit Rat und Tat zur Seite stehen. In weiteren Gesprächen wurde über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit der niederländischen Nachbarstadt Kerkrade gesprochen. Weiterhin informierten zwei Wissenschaftler aus dem Forschungszentrum Jülich und der Universität Maastricht in einem kurzen Vortrag über ihre grenzüberschreitende Arbeit im Bereich der Hirnforschung.

Wenige Minuten hatte das Protokoll im EBC auch für eine Begegnung mit Schülern aus der Grenzregion eingeplant. Vier Jungen und Mädchen von Herzogenrather Schulen – unter anderem auch der Europaschule – konnten ganz dicht an die Königsfamilie heran und sich mit den Hoheiten unterhalten. Teresa (Jahrgangsstufe 12) und Niko (Jahrgangsstufe 6) von der Europaschule trugen beispielsweise einen vorher bedachten Dialog vor, in dem sie darüber diskutierten, warum es sich lohnt, Niederländisch in der Schule zu lernen. Auf der deutschen Seite der Grenze ist die Europaschule weit und breit die Einzige ihrer Art, auf der man durchgängig von der 5. bis zur 13. Klasse Niederländischunterricht angeboten bekommt. Die Königsfamilie zeigte sich deutlich amüsiert und nahm sich mehr Zeit für die Schüler, als es das Protokoll eigentlich vorgesehen hatte.

Ende einer kurzen aber keineswegs langweiligen Reise

Letztendlich verließ die Gesellschaft mit über 20-minütiger Verspätung gegen 17 Uhr das EBC-Gebäude und bestieg die bereits vorgefahrenen Limousinen. Die Polizeiorchester spielten noch einmal ein gemeinsames Lied, die Schaulustigen konnten noch einen letzten Blick erhaschen und dann war der Tross auch schon wieder weg zur nächsten und letzten Station des Staatsbesuches. Über niederländisches Staatsgebiet fuhr man zur nahegelegenen NATO-Airbase im deutschen Geilenkirchen-Teveren, wo die Regierungsmaschine, welche die Delegation am Morgen in Düsseldorf abgesetzt hatte, wieder bereit stand. Wie Wilko ter Horst von der Airbase gegenüber einem niederländischen Regionalsender verkündete, waren die Sicherheitsvorkehrungen auf dem NATO-Gelände an diesem Tag „auf 200 Prozent“ angehoben wurden. Trotzdem war es vielen Schaulustigen – wenn diese auch ausschließlich aus dem niederländischen Kontingent der Airbase stammten – erlaubt worden, nur wenige Meter vom roten Teppich entfernt Abschied vom niederländischen Staatsoberhaupt zu nehmen. Ein letztes Mal hieß es dann noch einmal Hände zu schütteln und zu winken. So bedankte sich Kronprinz Willem-Alexander etwa per Handschlag bei der Sicherheitsbeamtin, welche die Königsfamilie den ganzen Staatsbesuch über begleitet hatte. Königin Beatrix dankte zudem den Polizisten der Motoradeskorte. Prinzessin Máxima nahm ein Bild und einen Blumenstrauß in Empfang, den sie anschließend ihrer Schwiegermutter überreichte. Auf die Frage, ob alles gut gelaufen war, antwortete Willem-Alexander in Richtung der Schaulustigen: „Alles mooi. Het was fantastisch mooi.“ (dt. „Alles schön. Es war phantastisch schön.“)

Und so schnell, wie die königliche Familie da war, war sie auch schon wieder weg. Nach der offiziellen Verabschiedung durch NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und die Basiskommandanten der NATO-Airbase stieg die Regierungs-Fokker wieder in die Luft. Für die niederländische Delegation galt es sodann erst einmal, von der Ruhe der Abgeschiedenheit zu genießen. So ein Staatsbesuch ist und bleibt auch für sie nichts Alltägliches. Hannelore Kraft zog nach dem Ende des Staatsbesuches eine sehr positive Bilanz und lobte Königin Beatrix ausdrücklich: „Das ist eine sehr nette Dame und wir haben uns wirklich exzellent unterhalten. Sie ist gut informiert und gut vorbereitet.“ Gesprochen haben beide nach Aussage Krafts vor allem über den Strukturwandel in der Region sowie über die große Nähe und das große Potential der Zusammenarbeit zwischen den Niederlanden und Nordrhein-Westfalen. „Es war eine große Freude ihr Nordrhein-Westfalen ein Stückchen zu zeigen, insbesondere hier Zollverein, das Weltkulturerbe und ich glaube, sie hat eine Menge guter Eindrücke mitgenommen“, so Kraft im Anschluss.

Autoren: Agnes Sieland und Tim Mäkelburg
Erstellt: April 2011


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