Literatur im 17. und 18. Jahrhundert


XIII. Im Dienst des Vaterlandes

Rhijnvis Feith
Rhijnvis Feith, Quelle: Willem Bartel van der Kooi

Diese Erziehung gipfelte schließlich im politischen Engagement. Das achtzehnte Jahrhundert war auch für die Niederlande, im Gegensatz zu einer lange vorherrschenden Meinung, keine Zeit der Stagnation unter Schlafmütze oder Perücke. Die zweite Hälfte des Jahrhunderts sieht die Entwicklung ausgesprochen revolutionären Gedankengutes, an der sich führende Literaten beteiligen. Unter dem Stichwort Patrioten bewegung ging eine Tradition demokratischen Denkens in die Geschichte ein, die sich auf die republikanischen Überlieferungen des „Goldenen Zeitalters“ berief. Sie forderte eine wirkliche Mitbestimmung breiter Kreise der bürgerlichen, intellektuellen Elite an der Ausübung der politischen Macht in den Niederlanden. Vor diesem Hintergrund wurde das alte, oligarchische System des städtischen Regentenpatriziats ebenso kritisiert wie die Günstlingswirtschaft des Statthalters Wilhelm V. . Befördert wurde diese kritische Stimmung durch die wirkliche politische, wirtschaftliche und militärische Krise, in die die Republik mit dem Vierten Seekrieg gegen Großbritannien (1780-1784) geraten war.

Die Literatur wurde demnach stark politisiert, kaum ein Schriftsteller konnte sich einer entsprechenden Stellungnahme entziehen. Während etwa J. Bellamy , R. Feith und B. Wolff wie A. Deken auf der Seite der Patrioten standen, wählte ein H. van Alphen die Partei des Statthalters.

Autoren der Patrioten

Es war ein Adliger, Joan Derk van der Capellen tot den Pol (1741-1784), der mit seinem 1781 veröffentlichten Manifest Aan het Volk van Nederland (An das niederländische Volk) den Patrioten ihre Programmschrift gab. In heftigen Worten griff er die jahrhundertealte Herrschaft der Statthalter an, deren Selbstherrlichkeit zur tiefen Krise des Vaterlandes beigetragen habe. Das Volk, so van der Capellen, müsse seine Souveränität zurückgewinnen und wirklich an der Herrschaft beteiligt werden. Die Bürgerbewaffnung solle ein Machtmittel darstellen, um diese gewünschte Freiheit letztendlich zu erlangen.

Von einfacher Herkunft war der bekannte Patriot und vielseitige Autor Gerrit Paape (1752-1803). Nahezu sein gesamtes dichterisches, journalistisches und historiographisches Oeuvre stellte er in den Dienst der gesellschaftlichen Erneuerung in den Niederlanden. Besonders interessant sind vielleicht die Werke, die nach dem Sieg der Batavischen Revolution 1795 einen Rückblick auf die Patriotenbewegung erlauben. In seiner autobiographischen Schrift De onverbloemde geschiedenis van het Bataafsch patriottismus (Die unverblümte Geschichte des Niederländischen Patriotismus, 1798) geht Paape letztlich sehr kritisch mit der Patriotenbewegung ins Gericht. In seiner autobiographischen Schrift "De onverbloemde geschiedenis van het Bataafsch patriottismus" (Die unverblümte Geschichte des Niederländischen Patriotismus, 1798) geht Paape letztlich sehr kritisch mit der Patriotenbewegung ins Gericht. Kleinliches Gezänk und das Gerangel um Posten haben schließlich die ursprünglich hohen Ziele erstickt. Auch für diese Revolution gilt demnach, dass ihr nichts Menschliches fremd blieb.

Autorin: Bettina Noak
Erstellt:
August 2004


Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie

Kloek, J. / Mijnhardt, W.: 1800: Blauwdrukken voor een samenleving, Den Haag 2001.

Konst, J.: Fortuna, Fatum en Providentia Dei in de Nederlandse tragedie 1600-1720, Hilversum 2003.

Noak, B.: Politische Auffassungen im niederländischen Drama des siebzehnten Jahrhunderts, Münster u.a. 2002.

Schenkeveld-van der Dussen, M.A. (Hrsg.): Nederlandse literatuur, een geschiedenis, Groningen 1993.

Schenkeveld-van der Dussen, M.A. (Hrsg.): Nederlandse literatuur in de tijd van Rembrandt, Utrecht 1994.

Smits-Veldt, M.B.: Het Nederlandse renaissancetoneel, Utrecht 1991.

Stipriaan, R. van: Het volle leven. Nederlandse literatuur en cultuur ten tijde van de Republiek, Amsterdam 2002.

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