Literatur im 17. und 18. Jahrhundert


VIII. Neuorientierung im 18. Jahrhundert

Beginn des 18. Jahrhunderts: Krieg und Uneinigkeit

Auch das achtzehnte Jahrhundert begann für die Republik kriegerisch. Im Jahre 1701 nahm der Spanische Erbfolgekrieg (1701-1714) seinen Anfang, der die Frage klären musste, ob der französische oder österreichische Thronprätendent König von Spanien werden sollte. Für die Republik, die sich seit langem in militärischer Auseinandersetzung mit Frankreich befand, war die Frage eines österreichischen Sieges von Lebensbelang, da ansonsten die Gefahr bestand, dass die spanisch-habsburgischen südlichen Niederlande in französische Hände fallen würden. Einen solchen direkten Nachbarn wollte man jedoch unbedingt vermeiden. Als im Jahre 1713 der Friede von Utrecht geschlossen wurde, hatte die Republik zwar ihre Kriegsziele erreicht, jedoch einen hohen Preis dafür bezahlt. Der Handel hatte unter den militärischen Auseinandersetzungen gelitten, die Staatsverschuldung war in schwindelerregende Höhen getrieben worden und vor den Augen der Welt wurde deutlich, dass die einstige Großmacht nur noch unter Schwierigkeiten mit den aufstrebenden Staaten Frankreich, England, Österreich und Preußen würde konkurrieren können. Obwohl die Republik zunächst eine wohlhabende Handelsmacht blieb, waren die Zeiten der ungestümen Expansion vorbei. Die Zeitgenossen spürten nach der Jahrhundertmitte, die mit dem Österreichischen Erbfolgekrieg von 1740-1748 nochmals teure aber vergebliche militärische Anstrengungen gebracht hatte, einen langsamen, aber stetigen Niedergang ihres Gemeinwesens. Dieses Krisenbewusstsein legte sich in immer stärkerem Maße auf die Seele der Nation.

… und die Auswirkungen auf die Literatur:

Die Diskussionen in der politischen Öffentlichkeit – die als solche auch eine Folge neuer Entwicklungen ist – nehmen an Schärfe zu. In Flugschriften, Zeitschriften und Sachstudien wird der Zustand des Vaterlandes diskutiert und entwickelt sich der Ruf nach einer tiefgreifenden Reform des Gemeinwesens. Das Ideal der Zeit – der mit der Fähigkeit der Soziabilität ausgestattete Bürger – fördert diese Entwicklung. Überall entstehen Klubs und Diskussionsvereinigungen und treten Autoren und Publikum in einen viel stärkeren Dialog, als dies früher der Fall gewesen ist.

Damit eröffnen sich auch für die Literaten ganz neue Möglichkeiten. Obwohl die Ideale der Renaissance – Orientierung an den antiken Quellen und der antiken Rhetorik, Dichten als literarisches Spiel einer geistigen Elite, religiöse und moralische Themen als bedeutende Inhalte der literarischen Werke – ihre Bedeutung nicht verlieren, treten neue Ideen hinzu. In erster Linie wird eine größere Anteilnahme breiterer Bevölkerungsschichten am kulturellen und politischen Leben der Gesellschaft angestrebt. Das Ideal der Aufklärung, den Menschen durch Wissen zu erleuchten und ihn moralisch zu einem tugendhaften, für die Gemeinschaft nützlichen Wesen auszubilden, erweist sich auch für die Niederlande als fruchtbar.

Autorin: Bettina Noak
Erstellt:
August 2004


Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie

Kloek, J. / Mijnhardt, W.: 1800: Blauwdrukken voor een samenleving, Den Haag 2001.

Konst, J.: Fortuna, Fatum en Providentia Dei in de Nederlandse tragedie 1600-1720, Hilversum 2003.

Noak, B.: Politische Auffassungen im niederländischen Drama des siebzehnten Jahrhunderts, Münster u.a. 2002.

Schenkeveld-van der Dussen, M.A. (Hrsg.): Nederlandse literatuur, een geschiedenis, Groningen 1993.

Schenkeveld-van der Dussen, M.A. (Hrsg.): Nederlandse literatuur in de tijd van Rembrandt, Utrecht 1994.

Smits-Veldt, M.B.: Het Nederlandse renaissancetoneel, Utrecht 1991.

Stipriaan, R. van: Het volle leven. Nederlandse literatuur en cultuur ten tijde van de Republiek, Amsterdam 2002.

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Weitere Informationen in unserem Dossier Geschichte der Niederlande im 16. bis 18. Jahrhundert


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