Literatur im 17. und 18. Jahrhundert


X. Literatur für Kinder

Hiëronymus van Alphen
H. van Alphen, Quelle: H.J. Backer

Das allgemeine Interesse des aufgeklärten Zeitalters für die Bildung des Menschen brachte auch eine eigene Kinderliteratur hervor. Obwohl es bereits im siebzehnten Jahrhundert für jüngere Leser verfasste Bücher gab, brach die große Zeit der Kinderlektüre jedoch erst im achtzehnten Jahrhundert an. Dies hängt mit dem Erziehungsideal der Aufklärung zusammen, das sich unter anderem auf eine Neuentdeckung der Kindheit als besonderer Lebensphase des Menschen und der Kinder als spezifische, mit eigenen Bedürfnissen ausgestattete Erziehungsobjekte, richtete. Unter dem Einfluss bedeutender Schriften zur Erziehung, wie etwa J.J. Rousseaus (1712-1778) "Émile, ou De ’l éducation" (Émile, oder Über die Erziehung, 1762) wurden neue Konzepte pädagogischer Methoden entwickelt. Spielen und Anregung der Phantasie, Gespräche mit den Erwachsenen, selbständige Lektüre, familiäre Geselligkeit, Liebe und Geborgenheit in der Familie sowie die Erweckung vaterländischer Tugenden waren einige dieser Ideale. Denn die Unterweisung der Kinder richtete sich darauf, sie nicht nur zu klugen und mitleidsfähigen Menschen, sondern auch zu guten Bürgern auszubilden. Spezielle Lesebücher sollten ihnen diese Gedanken einpflanzen. In den Niederlanden ist in diesem Zusammenhang beispielsweise J.H. Swildens (1745-1809) " Vaderlandsch A.B. Boek voor de Nederlandsche Jeugd" (1781) zu nennen, das zu jedem Buchstaben die entsprechenden Lehren der Tugend und Vaterlandsliebe bereithielt.

Hieronymus van Alphen

Eine neue Kinderliteratur nahm viel mehr Rücksicht auf die Bedürfnisse der jungen Leser. In seiner "Proeve van kleine gedigten voor kinderen" (Versuch kleiner Gedichte für Kinder , 1778) gelang es Hieronymus van Alphen (1746-1803), diese neuen Anforderungen umzusetzen. Inspirieren ließ er sich dabei von seinen eigenen drei kleinen Söhnen, denen er die Verse vorlas, gespannt ihre Reaktion erwartend. Die Gedichte zeigen das neue Verhältnis zwischen Erzieher und Kind als ein Beziehung von Freundschaft und Vertrauen:

Mijn vader is mijn beste vrind;
Hij noemt mij steeds zijn lieve kind.
'k Ontzie hem, zonder bang te vreezen.
En ga ik hupplend aan zijn zij',
Ook dan vermaakt en leert hij mij;
Er kan geen beter vader wezen!
(Mein Vater ist mein bester Freund / Er nennt mich stets sein liebes Kind / Ich achte ihn, ohne Angst vor ihm zu haben. / Wenn ich hüpfend an seiner Seite gehe / Dann unterhält und belehrt er mich auch, / Es kann keinen besseren Vater geben.)

Kindliche Emotionen, wie Jantjes berühmets Verlangen nach den schönen Pfläumchen, die er aus Gehorsamkeit aber doch nicht pflückt (Jantje zag eens pruimen hangen), die Freude am Lernen (Mijn speelen is leeren, mijn leeren is speelen) oder die Trauer des kleinen Willem über sein jüngst gestorbenes Schwesterchen (Ach! mijn zusjen is gestorven, / nog maar veertien maanden oud ) werden aufgegriffen und mit der nötigen moralischen Belehrung versehen. Wie sehr van Alphen damit den Nerv seiner kindlichen (und erwachsenen) Leser getroffen hatte, beweist die große Popularität der Sammlung, deren Gedichte bis heute zum kollektiven Gedächtnis des niederländischen Volkes gehören.

Autorin: Bettina Noak
Erstellt:
August 2004


Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie

Kloek, J. / Mijnhardt, W.: 1800: Blauwdrukken voor een samenleving, Den Haag 2001.

Konst, J.: Fortuna, Fatum en Providentia Dei in de Nederlandse tragedie 1600-1720, Hilversum 2003.

Noak, B.: Politische Auffassungen im niederländischen Drama des siebzehnten Jahrhunderts, Münster u.a. 2002.

Schenkeveld-van der Dussen, M.A. (Hrsg.): Nederlandse literatuur, een geschiedenis, Groningen 1993.

Schenkeveld-van der Dussen, M.A. (Hrsg.): Nederlandse literatuur in de tijd van Rembrandt, Utrecht 1994.

Smits-Veldt, M.B.: Het Nederlandse renaissancetoneel, Utrecht 1991.

Stipriaan, R. van: Het volle leven. Nederlandse literatuur en cultuur ten tijde van de Republiek, Amsterdam 2002.

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Weitere Informationen in unserem Dossier Geschichte der Niederlande im 16. bis 18. Jahrhundert


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