Literatur im 17. und 18. Jahrhundert


I. Einführung

Das „Goldene Zeitalter“

Im Jahre 1600 kommt es Anfang Juli zu einer denkwürdigen Schlacht zwischen den niederländischen und den spanisch-habsburgischen Truppen. In den Seedünen Westflanderns, bei Nieuwpoort, schlägt der in ganz Europa ob seiner Kriegskunst berühmte niederländische Statthalter Moritz von Oranien die Spanier. Der Anführer des spanischen Heeres, Erzherzog Albrecht, muss unter Zurücklassung seines Schimmels fliehen – fortan würde Moritz von Oranien dieses Schlachtross führen. Der spanische General Francisco de Mendoza wird gefangengenommen, fast sechstausend Tote beider Seiten bleiben in den Dünen zurück.

Westfälischer Frieden
Gemälde des Westfälischen Friedens in Münster 1648, Quelle: Gerard ter Borch (II)

Der 80jährige Krieg und der Friede von Münster

Das berühmte Treffen ist nur eine Episode jener Auseinandersetzung, die die Niederländer "De Tachtigjarige Oorlog" – den Achtzigjährigen Krieg – nennen. Er dauert von 1568 bis 1648, verbindet sich in seiner späteren Phase mit dem Dreißigjährigen Krieg und wird im Frieden zu Münster beendet, wo die Republik der Vereinigten Niederlande ihre formelle Selbständigkeit erhält. Fast fünfzig Jahre lang ist das "Goldene Zeitalter" der niederländischen Kultur und Literatur somit geprägt von Krieg- und Kriegsgeschrei. Die Republik erkämpft sich ihre Freiheit gegen die absolutistischen Ansprüche der spanischen Krone: Es ist die Freiheit der Rechte und Privilegien jeder einzelnen Stadt, jedes Gebietes, jeder der sieben in diesem Staat vereinigten Provinzen, eine im besten Sinne ständische Freiheit. Und es ist die Freiheit des Gewissens. Wenn auch die calvinistische Kirche eine bestimmte Vorrangstellung genießt, so können doch Lutheraner, Täufer, Katholiken, irenische Christen und Juden in jenem kleinen Land friedlich zusammenleben. Der stärkste Motor dieser Toleranz ist vielleicht ein pragmatischer Geist – wo Handel getrieben werden soll, ist das blutige Religionsgezänk, das die Geschichte vieler europäischer Staaten in der Frühen Neuzeit bestimmt, Fehl am Platze.

Reichtum: wirtschaftlicher Handel & kulturelle Blüte

Der Handel sollte das Gesicht der Republik prägen. An der Nordsee und der Mündung großer Flüsse – Rhein, Maas, Waal – gelegen, bestimmt der Warenaustausch seit dem späten Mittelalter das Gesicht und die Mentalität dieser Landschaft. Besonders eine Metropole ragt dann im 17. Jahrhundert hervor – Amsterdam, die Kaiserliche Stadt, die ihrer Schwester Antwerpen den Rang abgelaufen hat. Antwerpen, die blühende Metropole an der Schelde, wurde 1585 von den Spaniern erobert. Ein Exodus der protestantischen Elite beginnt. Kaufleute, Bankiers, Humanisten, Drucker ziehen in den Norden und begründen die wirtschaftliche wie kulturelle Blüte der Niederländischen Republik. Berühmte Namen wie der in Gent geborene Humanist Daniel Heinsius oder der Dramatiker Joost van den Vondel sind mit dieser südniederländischen Immigration verbunden.

Von diesen Faktoren wird die Literatur des "Goldenen Zeitalters" bestimmt: Sie öffnet sich den Traditionen des Humanismus, der die antike Bildung in sich aufgenommen hat, sie ist geprägt von der religiösen Vielfalt des Lebens, sie will die Bürger der Republik moralisch belehren, und sie vereint alle diese Merkmale schließlich im Drama, das sie als höchste der klassischen Gattungen auf ihre Bühne bringt.

Autorin: Bettina Noak
Erstellt: August 2004


Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie

Kloek, J. / Mijnhardt, W.: 1800: Blauwdrukken voor een samenleving, Den Haag 2001.

Konst, J.: Fortuna, Fatum en Providentia Dei in de Nederlandse tragedie 1600-1720, Hilversum 2003.

Noak, B.: Politische Auffassungen im niederländischen Drama des siebzehnten Jahrhunderts, Münster u.a. 2002.

Schenkeveld-van der Dussen, M.A. (Hrsg.): Nederlandse literatuur, een geschiedenis, Groningen 1993.

Schenkeveld-van der Dussen, M.A. (Hrsg.): Nederlandse literatuur in de tijd van Rembrandt, Utrecht 1994.

Smits-Veldt, M.B.: Het Nederlandse renaissancetoneel, Utrecht 1991.

Stipriaan, R. van: Het volle leven. Nederlandse literatuur en cultuur ten tijde van de Republiek, Amsterdam 2002.

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Weitere Informationen in unserem Dossier Geschichte der Niederlande im 16. bis 18. Jahrhundert


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