Literatur - Personen A-Z


Hendrik van Veldeke

* vor 1150 – † zwischen 1190 und 1200 - Dichter und Schriftsteller

Hendrik Van Veldeke
Heinrich von Veldig im Codex Manesse, um 1300, Quelle: Wikimedia Commons/gemeinfrei

„Hendrik van Veldeke, Vader der Nederlandse dichters“, lautet die Inschrift des Gedenksteins am Giebel der alten Veldeker Wassermühle bei der belgischen Ortschaft Hasselt. Hier soll er zur Welt gekommen sein: Hendrik van Veldeke, der erste Dichter der niederländischen Literatur, den man mit Namen kennt und der mit seinen Werken die Grundlagen für die moderne niederländische Sprache legte. [1]

Doch van Veldeke ist nicht nur der ‚Vater der niederländischen Dichter‘: Er wird  auch der deutschen Literatur zugerechnet, weil er im Grenzgebiet der beiden Sprachräume lebte und arbeitete.[2] Im Mittelhochdeutschen hieß der Dichter Heinrich von Veldig, auf Limburgisch Heinric van Veldeke und auf Niederländisch Hendrik van Veldeke Die Sprache, die damals in der Region gesprochen wurde, bezeichnet man als Diets. Die Inschrift an der Hendrik van Veldeke-Statue in Hasselt, die 1928 errichtet wurde, lautet deshalb auch „Vader der dietsche dichters“.[3]

Über van Veldekes Leben ist nur sehr wenig bekannt, seine biographischen Daten sind nur sehr ungenau und über die Jahrhunderte zum Großteil in Vergessenheit geraten. „Wenig Gesichtertes, viele Vermutungen“, so Literaturwissenschaftler Jef Janssens in seinem Buch In de schaduw van de keizer. Hendrik van Veldelke en zijn tijd (2007). Allgemein wird angenommen, dass van Veldeke vor oder um 1150 geboren wurde, weil er ab den frühen 1170er Jahren literarisch aktiv war. Gestorben ist er vermutlich zwischen 1184 und 1205.[4]

Van Veldeke war adlig und entstammte einem nach einem nach der belgischen Ortschaft Veldeke benannten Ministerialengeschlecht. Aufgrund der Tatsache, dass er Latein , Französisch und Deutsch konnte – er übertrug die Servatius-Legende aus dem Lateinischen und übersetzte traditionelle nordfranzösische Sagen, Minnelieder und Gedichte – wird vermutet, dass er vielleicht zum Kleriker ausgebildet worden war.

Er zog dann aber auf jeden Fall den Hofdienst im Dienste der Grafen von Loon und Rieneck vor. Gräfin Agnes von Metz, die Gattin von Lodewijk I von Loon, gab die Sint Servaes-Legende in Auftrag.[5] Die Handschrift auf Mittelniederländisch blieb erhalten und wird heute in der Bibliothek der Universität Leiden aufbewahrt. Eine Online-Version findet sich auf den Seiten der digitale bibliotheek voor de Nederlandse Letteren (PDF)

Van Veldeke wechselte später an den Klever Hof und begann seinen Eneas-Roman (auch Eneit oder Eneide genannt), der sich auf die griechische Troja-Sage stützt. Mit ihm sollte van Veldeke zum Begründer des mittelhochdeutschen höfischen Romans werden. Doch im Jahr 1174 wurde das damals zu zwei Dritteln fertige Romanmanuskript zunächst gestohlen. Neun Jahre später tauchte der Text in Thüringen wieder auf und van Veldeke konnte die Arbeit abschließen. [6]

Noch heute beschäftigt Van Veldeke (Lokal-)Historiker, Literaturwissenschaftler und Literaten. 2007 publizierte die Organisation Erfgoedcel Hasselt, die lokale Traditionen und Geschichte in und um Hasselt lebendig erhalten will, mehrere Unterrichtsmaterialien zu van Veldeke. Das geschah im Rahmen des Projekts Viva Veldeke, das auch Ausstellungen, Lesungen, Poesie, Theateraufführungen, Konzerte und touristische Routen beinhaltete. 


[1] Koopmans, Joop W./ Huusen, Arend H.: Historical Dictionary oft he Netherlands, Lanham/Toronto/Plymouth 2007, S. 70.
[2] Iven, Joris: Minneliederen Hendrik van Veldeke, Demer Uitgeverij 2010, S. 5.
[3] Erfgoedcel Hasselt (Hrsg.): Viva Veldeke. Reis met een dichter. Hendrik van Veldeke en de Middeleeuwen, Hasselt 2007, S. 14, Onlineversion (PDF)
[4] Iven, Joris: Minneliederen Hendrik van Veldeke, Demer Uitgeverij 2010, S. 5.
[5] Ebd., S. 6.
[6] Erfgoedcel Hasselt (Hrsg.): Viva Veldeke. Reis met een dichter. Tentoonstelling ‚Peren op de beuken‘, Hasselt 2007, S. 9, Onlineversion (PDF)

Autor: Justus Kemper
Erstellt: November 2015


Literatur

Alle bibliographischen Angaben zum Thema Literatur finden Sie unter Bibliographie

Droogmans, Jozef: Hendrik van Veldeke. De Eerste Dietsche Dichter. Zijn Leven en Zijn Werk, Tongeren 1928.

Janssens, Jozef D.: In de schaduw van de keizer. Hendrik van Veldeke en zijn tijd (1130-1230), Zutphen 2007.

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