Religion und Kirche in den Niederlanden
II. Christliche Glaubensgemeinschaften
Die Niederländer haben drei große Glaubensgemeinschaften: die Niederländisch Reformierte Kirche („Nederlandse Hervormde Kerk“), gegründet 1578, die Evangelisch-reformierte Kirche („Gereformeerde Kerken in Nederland“), entstand nach einer Abspaltung in 1886 und die Römisch-Katholische Kirche. Daneben bestehen die Lutherische Kirche im Königreich der Niederlanden („Lutherse Kerk in het Koningrijk der Nederlanden), die Remonstrantische Brüderschaft („Remonstrante Broederschap“), die Mennonitengemeinde („Doopsgezinde Broederschap“) und Glaubensgemeinschaften mit sehr streng konservativer, kalvinistischer Prägung. Dazu zählt die so genannte „Zwartekousenkerk“, was auf die schwarzen Strümpfe der Gemeindemitglieder zurückzuführen ist. Weiterhin gibt es die Pfingstbewegung und eine New-Age-Bewegung. In den Niederlanden gibt es viele Migrantenkirchen u.a. auch mit Ablegern aus anderen Teilen Europas, so ist eine ökumenische deutsche Kirche vertreten, die Anglikanische Kirche und östlich-orthodoxe Gemeinden.

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Orthodoxe Gemeinden
In den Niederlanden gibt es rund 35 östlich-orthodoxe Gemeinden mit rund 10.000 Mitgliedern. Die bekannteste Russisch- orthodoxe Kirche ist die vom heiligen Großfürsten Alexander Nevski in Rotterdam. Die jüngste Gemeinde vom Heiligen Tichon wurde 2004 in Nimwegen gegründet. Die Anzahl der Orthodoxen nimmt vor allem durch die russischen Immigranten zu. Obwohl die Kirchengemeinden bemüht sind an so genannten „Integrationswochenenden“ dem Antieuropäischen und Antisemitischen Tendenzen entgegen zu wirken, bleibt dies ein Hauptkritikpunkt an der russisch-orthodoxen Kirche.
Diese Abkürzung steht für die Vereinigung der rund sechzig Migrantenkirchen in den Niederlanden, „Samen Kerk In Nederland“. Es scheint ein interessantes Phänomen zu sein, dass während die Kirchenbänke in den niederländischen autochthonen Kirchengemeinden Sonntags eher mäßig besucht sind, dass dahingegen die allochtonen Kirchengemeinden hunderte von Gläubigen zählen, die sich Sonntag für Sonntag in den Kirchen treffen. Dazu gehört die Koningskerk in der Amsterdamer Watergraafsmeer. 1992 formierten sich die „alten“ allochtonen protestantischen Kirchen, bestehend vor allem aus Molukkern und Surinamern. Die Kirchenmitglieder kümmerten sich um die frischen Einwanderer und so übernahm die Kirche eine soziale Funktion zur Integration der Neuankömmlinge. Sie erklärten wie, was in den Niederlanden läuft und welche Rolle die Regierung spielt. Die meisten Migrantenkirchen sind nach Ethnie und Sprache organisiert, die wenigsten sind multikulturell. Die religiösen Ausrichtungen sind facettenreich von klassisch- evangelischen Gemeinden bis hin zu evangelistischen Gemeinden, bekannt für das verkünden der Botschaft mit viel Musik, Gesang und Tanz. Wie viele Mitglieder diese Kirchengemeinden haben kann lediglich geschätzt werden, rund 850.000 Gläubige. Allerdings fehlt es den Gemeinden notorisch an Geld und die Auffassungen über Homo-Ehe und Frauen als Prediger sind eher konservativ. Den meisten Gläubigen in den Migrantenkirchen geht es vor allem darum, in ihrer eigenen Muttersprache zu Gott zu beten und zu sprechen. Bedingt durch mangelnde Sprachkenntnisse fühlen sie sich in einer Gemeinde, in der ihre Muttersprache gesprochen wird wohler. Dies gilt zum Beispiel auch für die Pfingstgemeinde aus Ghana und die vietnamesische Gemeinde mit rund 3500 Mitgliedern in den Niederlanden. [1]
PKN
Seit 2004 gibt es eine Wiedervereinigung der protestantischen Glaubensgemeinschaften, die sich jetzt unter dem Dach der „Protestantischen Kerken Nederland“, kurz PKN zusammengeschlossen haben. Ursprünglich sollten alle evangelischen Gemeinden an dem Projekt „samen op weg“ (sich zusammen aufmachen) beteiligt sein. Doch es kam immer wieder zu Kontroversen und so haben sich im Frühjahr 2005 die Hersteld Hervormde Kerk, die als sehr streng geistliches Regiment umschrieben wird, losgesagt von der PKN. Zu ihr zählen sich rund 50.000 Menschen in den Niederlanden. Der Hauptsitz der PKN ist in Utrecht.
[1] Quelle: Trouw, 14.05.2005
Autorin: Andréa Vermeer
Erstellt: Juni 2005
Literatur
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