Kultur - Kurzbeitrag
Gelungenes Kontrastprogramm: Dutch Design-Sommerausstellung im Schloss Oranienbaum
Oranienbaum-Wörlitz ist auf den ersten Blick eine verschlafene Kleinstadt Mitten in Sachsen-Anhalt, die außer vier Kirchen, einem alten Marktplatz und seinem Schloss dem kulturell interessierten Touristen normalerweise nicht viel zu bieten hat. Diesen Sommer allerdings präsentiert die kleine Gemeinde mit Blick auf ihre historische Verbindung mit dem niederländischen Königshaus Oranien in einer hervorragenden Ausstellung junges niederländisches Design, kontrastiert von historischen Objekten und Gemälden.
Von den Wänden blättert die Farbe, an manchen Stellen fehlen sogar große Stücke vom Putz. Schiefgetretene Treppen und schräge Türbalken von denen der Lack bricht: Das Schloss Oranienbaum bedarf in manchen Räumen dringend der Restauration. Doch es ist genau dieser hinfällige Charme, der das perfekte Ambiente für die diesjährige Sommerausstellung auf Schloss Oranienbaum bietet. Moderne Taschen oder glänzendglatte Seidenkleider kommen vor diesen alten Wänden genauso gut zur Geltung wie die alten Gemälde der Oranischen Hofmaler Gerrit van Honthorst und Jan Mijtens.
Die Ausstellung kann sich wirklich sehen lassen: Fast 350 Mode- und Designentwürfe von rund hundert niederländischen Designerinnen und Designern gibt es zu entdecken. Werke bekannter niederländischer (Mode-)Designerinnen und Designer wie Hella Jongerius, Jurgen Bey, Viktor & Rolf und Iris van Herpen bringen die erwartete Extravaganz ins Spiel. Junge, noch eher unbekannte Talente überraschen den Besuchern mit neuen Perspektiven und Kunsthandwerker wie Bernhard Heesen, der die Glasobjekte im Kristallsaal angefertigt hat, sorgen neben dem Glanz für die nötige Bodenhaftung.
Die Handarbeit zieht sich als roter Faden durch all die verschiedenen Werke der Ausstellung. Angefangen bei alten Portraitmalereien über kunsthandwerkliche Objekten aus dem königlichen Hausarchiv in Den Haag bis hin zu zeitgenössischen Möbeln, Schmuckstücken, gläsernen und keramischen Gebrauchsobjekten, Accessoires und handgefertigten Couture-Kleidern breitet sich so eine „Roadmap für exzellentes Kunsthandwerk“ vor dem Besucher aus. Trotz der Gegenüberstellung von „neuer“ und „alter“ Formgebung wirken die historischen Gegenstände nicht antiquiert. Im Gegenteil, sie werden durch den Kontrast zu lebendigem kulturellen Erbe.
Eröffnet hatten diese erstklassige Ausstellung im April dieses Jahres der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck sowie die niederländische Königin Beatrix (NiederlandeNet berichtete). Ein glanzvolles Ereignis für die kleine Stadt, deren Bedeutung dank der Oranier weit über ihre geringe Größe hinausgeht. Die Verbindungen des Königshaus Oranien mit dem Städtchen Oranienbaum reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück. Henriette Catharina von Oranien-Nassau, die Enkelin des großen Wilhelm von Oranien verband durch ihre Heirat mit Fürst Johann Georg II. von Anhalt-Dessau 1659 das Haus Oranien mit dem Fürstentum Anhalt-Dessau. Sie förderte das Dorf Nischwitz, dass 1673 in Erinnerung an ihre Herkunft in Oranienbaum umbenannt wurde, und ließ hier ab 1683 Stadt, Park und Schloss errichten.
Die Ausstellung ist noch bis zum 30. September in Oranienbaum zu sehen.
Mehr erfahren Sie auch auf der Homepage oranienbaumexhibition.com
Autorin: Angelika Fliegner
Erstellt: Juni 2012
Links
Wichtige kulturelle Links finden Sie unter Institutionen
Weitere Informationen zur Eröffnung finden Sie im Nachrichten-Archiv KULTUR: Königin Beatrix eröffnet Ausstellung
Offizielle Homepage zur Ausstellung Dutch Design - Huis van Oranje
Alles über das weltberühmte Dutch Design in unserem Dossier: Dutch Design
Literatur
Alle bibliographischen Angaben im Bereich Kultur finden Sie unter Bibliographie
