ARCHIV - Niederländische Museenlandschaft
I. Einführung
Die bildende Kunst blüht. Museen, Ateliers und Galerien besitzen umfangreiche Sammlungen mit einer hervorragenden Qualität. Auch die Kulturfonds zur Förderung der bildenden Kunst, darunter der Fonds voor Beeldende Kunsten und die Mondriaanstichting , leisten nach Auffassung des Raad voor Cultuur gute Arbeit. Eine Kursänderung sei nicht nötig. Auch Staatssekretärin van der Laan ist voll des Lobes: „Im Bereich der bildenden Künste mangelt es nicht an Qualität und Ambitionen.“ Gleichwohl mangelt es nach Auffassung des Raad voor Cultuur an Zusammenarbeit. Der Sektor sei zu sehr auf sich selbst gerichtet, statt auf den Markt oder das Publikum. Ein Wirrwarr an Subventionsströmen und Regelgebungen fördern die Abhängigkeit vom Staat und stehen einer Profilierung der Bildenden Künste im Weg. Die Staatssekretärin will daher die Vergabe von staatlichen Geldern transparenter gestalten und besser abstimmen, um Dopplungen zu vermeiden. Sie möchte den Sektor stärker zum Markt führen und einem breiteren Publikum öffnen.
Für Künstler gibt es viele Möglichkeiten, sich nach dem Studium zu betätigen. Es gibt einen großen Markt an Galerien, privaten Kunstsammlern und Kulturbetrieben. In den Niederlanden gibt es 900 Museen. Vor allem die Kunstmuseen sind sehr beliebt. Fast ein Drittel aller Museumsbesucher gehen in eine Kunstausstellung. Zwischen 1997 und 2001 haben sich die Besucherzahlen verdoppelt, von drei auf sechs Millionen. Ein Drittel aller Niederländer besucht jährlich ein Museum. So weit die Erfolgsstory.
Die Kehrseite der Medaille ist die Qualitätssicherung. In Zeiten knapper Kassen wird jeder Euro zweimal umgedreht, bevor er ausgegeben wird. Kunst muss rentabel sein. Und Kunst muss billig sein. Janneke Wesseling vom NRC Handelsblad erkennt bereits einen „Terror der Quantität“, der sich überall zeige.
Die beeindruckenden Besucherzahlen spiegeln nur die halbe Wahrheit wider. Denn nur 38 große Museen verzeichnen Zulauf. Alle anderen Museen werden stets seltener besucht. Ferner ist zu erwähnen, dass es sich bei den Besuchern oft um „Ersttäter“ handelt. Also ein Publikum, das eigentlich nie ins Museum geht und durch eine spezielle Aktion – eine Museumsnacht oder ähnliches – angelockt wurde. Ziel sollte es aber sein, ein neues Publikum zu fördern, das öfter ins Museum geht.
Damit tun sich die Museen schwer. Sie konkurrieren mit einem großen Freizeitangebot und es wundert nicht, dass die Event-Kultur auch bei den Museen Einzug gehalten hat. „Die niederländische Museumspolitik hat sich in den vergangenen Jahren sehr verflacht und unterscheidet sich gelegentlich nicht vom flüchtigen Entertainment“, so Janneke Wesseling. Auch von bildenden Künstlern wird viel verlangt. Sie sollen sich dem Markt stellen und als wirtschaftlich denkende Unternehmer handeln. Die Politik verlangt Effektivität und Ertrag. Gleichwohl schreibt Staatssekretärin van der Laan: „Kunst ist keine Kostenstelle, sondern eine Bereicherung der Ökonomie.“ Eine Investition, die sich doppelt und dreifach rechne. Dennoch haben Künstler, die keinen Erfolg auf dem Markt haben, es ungleich schwerer an staatliche Subventionen zu gelangen.
Autor: Andreas Gebbink
Erstellt: Januar 2005
Links
Wichtige kulturelle Links finden Sie unter Institutionen
Weitere Informationen in unserem Dossier Kulturpolitik
Weitere Informationen in unserem Dossier Malerei des 17. Jahrhunderts
Nld. Kulturministerium zum Thema Museen Ministerie van Onderwijs, Cultuur en Wetenschappen (OCW)
Oberstes Beratungsgremium der nld. Regierung in Sachen Kultur Raad voor Cultuur
Literatur
Alle bibliographischen Angaben im Bereich Kultur finden Sie unter Bibliographie
Personen
Informationen zu Personen im Bereich Kultur Personen A-Z
