Museen in den Niederlanden


II. Kunst

Obama-amsterdam

US-Präsident Barack Obama und der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte bei der gemeinsamen Pressekonferenz vor Rembrandts Gemälde "Die Nachtwache" im Rijksmuseum in Amsterdam. Quelle: Minister-president Rutte/cc-by

„Das ist mein erster Besuch in Amsterdam und in Den Haag und in den Niederlanden”, erklärte US-Präsident Barack Obama am 24. März 2014 während er neben dem niederländischen Premier Mark Rutte vor dem meterhohen Gemälde Die Nachtwache von Rembrandt stand. „Von all den Pressekonferenzen, die ich gegeben habe, hat diese hier den beeindruckendsten Hintergrund”, scherzte er.

Der erste Besuch in den Niederlanden führte Barack Obama also direkt ins Amsterdamer Rijksmuseum. Hierfür war der gesamte Museumplein abgesperrt worden. Der US-Präsident, der eigentlich aufgrund des International Security Summits in Den Haag war, wurde per Helikopter eingeflogen und im gepanzerten Fahrzeug bis zum Museumseingang gefahren. Viele hunderte Polizisten waren im Einsatz, S-Bahn- und Buslinien wurden für mehrere Stunden umgelenkt, viele hunderte Journalisten und Fotografen begleiteten das Ereignis. Genau wie viele Amsterdamer, die vor dem Absperrzaun standen und einen Blick auf Obama erhaschen wollten. Dieser ganze Aufwand für ein paar Minuten im Rijksmuseum? Lohnt sich das?

Rijksmuseum Amsterdam

Die Antwort lautet „Ja“. Wer in Amsterdam ist, sollte sich dieses niederländische Nationalmuseum einfach nicht entgehen lassen. Highlights sind die bereits erwähnte Nachtwache von Rembrandt, aber auch Gemälde anderer großer Meister des 17. Jahrhunderts wie die Milchmagd von Jan Vermeer, oder der bedrohte Schwan von Jan Asselijn. Auch die Architektur des Gebäudes ist meisterlich. Sowohl von außen als auch von innen. Der Eingangsbereich ist ein lichtdurchflutetes Atrium mit dem hohen Glasdach, im zweiten Stock beeindruckt die Vorhalle mit dem neuausgelegten Fußbodenmosaik und der detailreichen Glasmalerei in den hohen Fenstern. Die Ehrengallerie, die in kleinen Seitenkabinetten die Spitzenwerke der großen Meister aus dem 17. Jahrhundert zeigt, führt schnurstracks zum Rembrandtsaal und der Nachtwache.

Smartphone-Besitzer sollten ihre Kopfhörer nicht vergessen (für 1,50 Euro kann man sich aber auch welche ausleihen). Eine frei herunterladbare App führt den Besucher – auch in deutscher Sprache – an den wichtigsten Ausstellungsstücken entlang. Für sehr eilige Besucher gibt es eine 45-minütige Tour, für Leute mit mehr Zeit eine 90-minütige Führung. Auch zum Thema Goldenes Zeitalter und zur Architektur des Gebäudes gibt es eine kürzere und eine längere geführte Tour. Wer einfach selbst auf Entdeckungsreise gehen und zum ein oder anderen Objekt eine Erklärung hören will, kann dies auch. Bei Erklärungsbedarf einfach die dreistellige Nummer, die neben dem Objekt ausgewiesen ist, eingegeben und zuhören. Aber Achtung: Vorher den Akku laden – die App zieht ordentlich Strom. Wer selbst kein Smartphone hat, kann sich an der Information für 5 Euro auch einen iPod Touch ausleihen.

Mehr über den Umbau des Rijksmuseum erfahren Sie auch in unserem archivierten Dossier zur niederländischen Museumslandschaft.

Museum Adresse Website App
Rijksmuseum Museumstraat 1, Amsterdam rijksmuseum.nl iOs
Android
Van Gogh Museum Stadhouderskade 55, Amsterdam vangoghmuseum.nl iOs
Adroid
Stedelijk Museum Amsterdam Museumplein 10, Amsterdam stedelijk.nl iOs
Het Rembrandthuis Jodenbreestraat 4, Amsterdam rembrandthuis.nl iOs
Hermitage Amsterdam Amstel 51, Amsterdam hermitage.nl
Frans Hals Museum Groot Heiligland 62, Haarlem franshalsmuseum.nl iOs
Android
Mauritshuis Plein 29, Den Haag mauritshuis.nl iOs
Android
Cobra Museum Sandbergplein 1, Amstelveen cobramuseum.nl iOs
Android
Van Abbemuseum Bilderdijklaan 10, Eindhoven vanabbemuseum.nl iOs
Android
Mondriaanhuis Kortegracht 11, Amersfoort mondriaanhuis.nl
Kröller-Müller-Museum Houtkampweg 6, Otterlo krollermuller.nl iOs

Stedelijk Museum Amsterdam

Ebenfalls gleich am Museumplein in Amsterdam gelegen sind das Van Gogh Museum und das Stedelijk Museum Amsterdam. Während ersteres die weltweit größte Sammlung von Werken Vincent Van Goghs beherbergt – unter anderem berühmte Blumen-Stillleben und Selbstportraits – stellt das Stedelijk moderne und zeitgenössische Kunst aus. Zur ständigen Ausstellung gehören beispielsweise abstrakte Aquarelle Wassily Kandinskys, eins von Jackson Pollocks Tropfbildern, Collagen von Robert Rauschenberg und mehrere (natürlich auch blaue) Gemälde von Yves Klein. Um beispielhaft zwei der jüngsten Wechselausstellungen zu nennen: Im Frühjahr 2015 gab es eine Übersichtsausstellung zum Werk Henri Matisses zu sehen, im Juni 2014 zeigten die Kuratoren eine Ausstellung zum Thema 100 Jahre niederländische Formgebung.

Mehr über die ständige Design-Ausstellung im Stedelijk finden Sie in Kapitel IV Design.
Mehr über das Stedelijk vor dem Umbau erfahren Sie in unserem archivierten Dossier zur niederländischen Museumslandschaft.

Van Gogh Museum, Amsterdam

Wer mit Kindern Kunst erleben will, ist mit dem Van Gogh Museum vermutlich besser beraten. Das Museum ist auf Schnitzeljagden, interaktive Rundgänge für Kinder mit „Vincents Koffer“ und sogar auf Kindergeburtstag eingestellt. Auch recht verspielt ist die App Touch van Gogh (siehe obige Tabelle), die Van Goghs Bilder sozusagen röntgt und tiefere Farbschichten zeigt.

Wer für 2015 einen Trip nach Amsterdam plant, kommt um Vincent Van Gogh sowieso nicht herum, denn im 125. Jahr seines Todes, gedenkt das ganze Land dem Künstler.

Donnerstagnachmittags können immer 15 Teilnehmer an einer halbständigen Gratis-Führung durch das Van Gogh Museum teilnehmen. Die niederländische Führung startet um 14.30 Uhr, die englische Führung eine Stunde später. Für die Führung einschreiben kann man sich am Tag selbst beim Informationsschalter in der zentralen Eingangshalle. An Freitagabenden ist das Van Gogh Museum bis 22.00 Uhr geöffnet. Neben Malworkshops kann man auch einfach bei einem Singer-Songwriter-Konzert entspannt ins Wochenende starten.

Hermitage Amsterdam

Ein weiteres sehenswertes Kunstmuseum in Amsterdam ist die Hermitage Amsterdam. Wer sich selbst auf dem Weg noch mit Kunst beschäftigen will, kann sich von der Gratis-App Van Gogh Mile auf dem Spaziergang vom Van Gogh-Museum dorthin begleiten lassen.

Die Eremitage Amsterdam selbst ermöglicht eine kleine Reise nach Russland, ist sie doch ein Ableger der Eremitage im russischen St. Petersburg. 2004 begann man mit kleinen Ausstellungen in einem Gebäude an der Nieuwe Herengracht, seit 2009 ist die Eremitage im Amstelhof untergebracht, einem ehemaligen Altenheim. Ein Saal widmet sich der Geschichte des Gebäudes, in einem anderen kleinen Saal ist eine weitere ständige Ausstellung über die russisch-niederländischen Beziehungen und die Eremitage in St. Petersburg zu sehen. Ansonsten wechseln die Ausstellungen. Die bis März 2015 laufende Ausstellung mit dem Titel Dining with the Tsars zeigte acht Geschirrservices bestehend aus insgesamt über 1.000 Teilen aus der Eremitage St. Petersburg.

Museum Het Rembrandthuis, Amsterdam

Von der Eremitage sind es auch nur 10 Minuten zu Fuß bis zum Museum Het Rembrandthuis. Das Rembrandthaus war von 1639 bis 1658 das Wohnhaus Rembrandt Harmenszoon van Rijns. 1906 kaufte die Stadt Amsterdam das abbruchreife Haus und übergab es 1907 der neugegründeten Stiftung Rembrandthuis, die es restaurierte.

Heute ist das Gebäude zum Teil mit Möbeln und Objekten aus dem 17. Jahrhundert eingerichtet. Neben dem hellen Atelier (Grote Schildercaemer) sieht man auch eine komplett eingerichtete Küche und Rembrandts Schlafzimmer. Wechselausstellung von Zeitgenossen Rembrandts tragen zum Gefühl, eine kleine „Zeitreise“ zu machen, bei. Die ständige Sammlung des Museums umfasst viele hunderte Radierungen Rembrandts – darunter bekannte Selbstportraits – sowie Gemälde von Künstlern, die Rembrandt als Vorbild dienten. Zudem ist das von Rembrandt gemalte Portrait des Eleazar Swalmius noch bis 31. Dezember 2015 im Rembrandthuis ausgestellt. Wer nach dem Besuch des Museums noch nicht genug von Rembrandt hat, kann mit der iOs-App Rembrandt Hotspots die Orte in Amsterdam besuchen, die es bereits zu Rembrandts Zeiten gab.

Frans Hals Museum, Haarlem

Noch mehr Kunst aus dem Goldenen Zeitalter kann man im nicht weit von Amsterdam entfernten Städtchen Haarlem bestaunen. Das Frans Hals Museum hat die weltweit größte Sammlung an Gemälden des berühmten Portraitmalers Frans Hals.

Cobra Museum voor Moderne Kunst, Amstelveen

Moderne Malerei findet man hingegen im Cobra Museum voor Moderne Kunst in Amstelveen. Von Amsterdam aus ist Amstelveen gut mit der Tram, dem Bus oder der Metro zu erreichen. Doch beinahe genauso schnell ist man mit dem Fahrrad da. Das Cobra-Museum bietet sogar eine Landkarte mit eingezeichneter Cultural Bike Tour vom Museumplein Amsterdam bis zum Cobra Museum in Amstelveen zum Download (PDF) an.

Die ständige Ausstellung umfasst unter anderem Werke von Künstlern, die der Gruppe CoBrA angehörten: Karel Appel, Constant und Corneille. Auch ein paar Werke deutscher Künstler wie Jörg Immendorff, Max Ernst und Max Beckmann findet man in Amstelveen.

Van Abbemuseum, Eindhoven

Mehr moderne und zeitgenössische Kunst findet man im Van Abbemuseum in Eindhoven. „Eine erstklassige Sammlung“ habe das Museum zu bieten, so der Dumont Reiseführer Holland aus dem Jahr 2002. Tatsächlich findet man in Eindhoven Werke bekannter Größen wie Francis Bacon, Man Ray, Marcel Duchamp oder Kurt Schwitters . Es gibt abstrakte Werke wie Sigmar Polkes Höhere Wesen befahlen:rechte obere Ecke schwarz malen!, aber auch figürlich-realistische Darstellungen wie ein Frauenportrait des niederländischen Malers Jan Sluijters aus dem Jahr 1929. Letzteres ist eine Schenkung des Industriellen und Kunstsammlers Henri van Abbe an das von ihm ins Leben gerufene und 1936 eröffnete Museum. Das ursprüngliche Gebäude wurde 2003 renoviert und um einen modernen Neubau ergänzt.

Seit Mai 2014 hat das Museum auch eine Luisterroute-App. Für zwei Euro kann eine einstündige Hör-Tour im App-Store gekauft werden. Neben Erklärungen zu den Kunstwerken erfährt der Besucher auch Anekdoten über das Museum.

Mehr zum Van Abbe-Museum in unserem archivierten Dossier zur niederländischen Museumslandschaft.

Mondriaanhuis, Amersfoort

Im Geburtshaus des weltbekannten Künstlers Piet Mondriaan in der Altstadt Amersfoorts befindet sich seit 2001 das Museum voor Constructieve en Concrete Kunst. Ausgangspunkt der Sammlung ist der berühmte Namensgeber: In der sogenannten Schatzkammer findet der Besucher frühe (figürliche) Werke von Mondriaan. Die typische abstrakt-geometrische Kunst, für die Mondriaan berühmt wurde und die viele Kunstschaffende nach ihm inspirierte, findet man im oberen Stockwerk.

Mauritshuis, Den Haag

Wie das Rijksmuseum und das Stedelijk Museum in Amsterdam wurde auch das Mauritshuis in Den Haag unlängst renoviert – allerdings dauerte das Ganze nur zwei Jahre lang. Am 27. Juni 2014 öffnete das Museum, das direkt neben dem Parlamentsgebäude steht, mit viel Tamtam und in Anwesenheit von König Willem-Alexander wieder seine Pforten. Neu ist der Royal Dutch Shell-Flügel, mit dem das Mauritshuis unterirdisch verbunden ist. Hier sollen ab sofort wechselnde Ausstellungen stattfinden. Die ständige Sammlung bleibt an gewohntem Ort. Bekannte Werke der Sammlung sind unter anderen die Anatomie des Dr. Tulp von Rembrandt, der Stier von Paulus Potter und das Mädchen mit dem Perlenohrring von Jan Vermeer.

Kröller-Müller-Museum, Otterloo

Wer den Osten der Niederlande bereist, findet bei Otterloo, nordwestlich von Arnheim die zweitgrößte Van Gogh-Sammlung der Welt nach dem Van Gogh Museum in Amsterdam. Berühmte Werke wie die Kartoffelesser, das Portrait von Joseph Roulin oder die Caféterrasse am Abend gehören zur Sammlung. Vom 25. April bis zum 27. September 2015 bietet das Museum eine Van Gogh-Sonderausstellung und zeigt Werke des Malers zusammen mit Werken berühmter Zeitgenossen wie z. B. Paul Cézanne, Odilon Redon und Henri Fantin-Latour.

Auch Naturliebhaber kommen hier auf ihre Kosten: Das Kröller-Müller-Museum, das aus der Kunstsammlung der deutschstämmigen Helene Kröller-Müller hervorgegangen ist, liegt im Naturschutzpark De Hoge Veluwe: Heidefelder, Flugsandlandschaften sowie Laub- und Nadelwälder laden zum Radeln, Reiten und Wandern ein. Eine Hoge Veluwe-App – bisher nur für’s iPhone – sorgt mit Kartenmaterial dafür, dass man nicht verloren geht.

Ein weiteres Plus: Anfang der 1960er Jahre wurde die Gemäldesammlung um einen Skulpturengarten erweitert. Dieser misst inzwischen rund 25 Hektar und zeigt Werke von unter anderem Auguste Rodin, Henry Moore, Gerrit Rietveld, Henry van de Velde, Jean Dubuffet und Christo.

Autorin: Angelika Fliegner
Erstellt: August 2015


Links

Kunsthistorisches Hintergrundwissen finden Sie in unserem Dossier zur niederländischen Malerei im 17. Jahrhundert

Deutschsprachige Museumsbesucher informieren sich vorab am besten auf der Seite holland.com

Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie

Lessing, Erich: Die Niederlande. Die Geschichte in den Bildern ihrer Maler. Mit Beiträgen von Karl Schütz und Georg Kugler, München 1985.

Ausstellungskatalog: Von Frans Hals bis Vermeer, Meisterwerke holländischer Genremalerei, Gemäldegalerie Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1984.

Lyotard, Jean François: Karel Appel: Ein Farbgestus. Essay zur Kunst Karel Appels, Bern–Berlin 1998.

Bois, Y.-A. / Janssen, H. / Joosten, J. / Zander A.: Piet Mondriaan. 1872-1944, Zwolle 1994.

Dom, R.: De wereld van Vincent van Gogh. Portretten en selfportretten, Zwolle 2000.

Schwartz, G.: De grote Rembrandt, Zwolle 2006.

Gilles, Neret: Peter Paul Rubens, 2005.


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