Das Mediensystem der Niederlande


VII. Struktur des öffentlich-rechtlichen Rundfunks

In der europäischen Medienlandschaft nimmt der Öffentliche Rundfunk (dieser umschließt Radio und Fernsehen) der Niederlande einen Sonderstatus ein. Denn er gehört weder dem Staat - wie in Großbritannien - noch der Bevölkerung, sondern Rundfunkvereinen und ihren Mitgliedern, den sogenannten omroepverenigingen. Bis heute ist es jedem Niederländer möglich, seinen eigenen Sender zu gründen, vorausgesetzt, er ist imstande, mindestens 50.000 Mitglieder zu mobilisieren; ein Beispiel ist der Nieuwe Omroep Nùtopia (seit Juni 2005 LLink), dessen Programm sich auf Naturreportagen, Menschenrechtsfragen und nachhaltige Entwicklung konzentriert. Sendestart war der September 2005.

An der Spitze des öffentlichen Rundfunks steht ein dreiköpfiger Verwaltungsrat (Raad van Bestuur), der die Leitlinien entwickelt und für das Gesamtbild verantwortlich zeichnet. Jeder Fernsehsender (Nederland 1 - 3) und jede Radiowelle (Radio 1,2,4, 5 sowie 3FM), auch das Internet und der Kindersender Z@ppelin haben einen Netzkoordinator, der das Profil des eigenen Programms bestimmt.

Die Rundfunkvereine können über den Aufsichtsrat Netzwerkkoordinatoren und die finanzielle Planung mit beeinflussen.

Die Rundfunkvereine produzieren ihre Sendungen für bestimmte Sendestrecken auf Nederland 1, 2 oder 3 bzw Radio 1-5. Je mehr Mitglieder ein Sendeverein hat, desto höher ist sein Anteil an Sendezeit und sein Budget. Die Aufteilung regelt der A,B oder C-Status plus des Aspirantenstatus.

  • 300.000 Mitglieder und mehr: A-Status
  • 150.000 - 300.000 Mitglieder: B-Status
  • 100.000 - 150.000 Mitglieder: C-Status
  • mindestens 50.000 Mitglieder: Aspirantenstatus

Da sie im politischen Auftrag senden, brauchen NOS, NPS und der Wereldomroep keine Mitglieder für eine Sendekonzession. Zu den Vereinen ohne Mitglieder gehören auch die 39f-omroepen. Der Name leitet sich ab vom Artikel 39f des Mediengesetzes, das ihnen einen Vertretungsanspruch aufgrund ihrer Lebensanschauung garantiert. Zu ihnen gehören u.a. der Nederlandse Mosilim Omroep (NMO) oder die Rooms-Katholieke Kerkgenootschap (RKK).

Natürlich steht es den Vereinen frei, durch gezielte Werbung mehr Mitglieder zu werben. Mitglied wird man durch freiwillige Anmeldung - früher geschah dies automatisch, wenn man eine Rundfunkzeitschrift abonnierte. Insgesamt haben die acht großen Sendervereine ca. 3,5 Mio Mitglieder. Inzwischen haben die Vereine mit schrumpfenden Mitgliederzahlen zu kämpfen, auch die Konkurrenz durch die Privatsender macht ihnen das Leben schwer.

Radio gAnders als zum Beispiel in Deutschland oder Großbritannien hat es aufgrund der besonderen Organisationsstruktur sowie der Versäulung kaum Regionalisierungstendenzen gegeben. Sämtliche landesweiten TV- und Radiostationen senden aus der Kleinstadt Hilversum, davon die meisten im Mediapark, einem riesigen Areal mit Studios, Redaktionsgebäuden, Archiven und Verwaltung. Dass sich der öffentliche Rundfunk ausgerechnet hier angesiedelt hat, liegt daran, dass die Firma NSF, die die ersten Radiosendungen möglich machte, hier ihren Sitz hatte.

Die Regional- und Lokalsender arbeiten in ihrer Organisation und Finanzierung von ihnen völlig unabhängig. Obwohl diese sich vor allem bei der älteren Bevölkerung wachsender Beliebtheit erfreuen, hat es in diesem Bereich in den letzten Jahren vermehrt Fusionen und Konzentrationen gegeben - weniger Werbeeinnahmen sind auch hier der Grund für rote Zahlen.

Autoren: Silke Merten und Online-Redaktion
Erstellt:
August 2005
Aktualisiert: Juni 2008


Links

Wichtige kulturelle Links finden Sie unter Institutionen

Nld. Medienaufsichtsbehörde Commissariaat voor de Media

Nld. öffentliche Rundfunkgesellschaft Nederlands Publiek Omroep

Zuständig für Werbung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk Stichting Ether Reclame (STER)

Nld. Rundfunkfond Mediafonds

Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie

Bardoel, J. : Media in Nederland. Feiten en structuren. Groningen 1997.

Personen

Informationen zu Personen im Bereich Kultur Personen A-Z


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