Das Mediensystem der Niederlande


VI. Presselandschaft heute: Monoplisierung und Meinungsvielfalt


Inzwischen teilen sich drei große Medienkonzerne (PCM Uitgevers NV, NV Holdingmaatschappij De Telegraaf und Wegener NV) 90% des Zeitungsmarktes (Quelle: Cebuco). PCM gehören vier von sechs landesweiten Tageszeitungen: De Volkskrant, Trouw, NRC Handelsblad und Algemeen Dagblad. De Telegraaf gehört zum Telegraaf-Konzern, Het Parool hat seit Januar 2003 seine Unabhängigkeit zurück, hat aber mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Wegener verfügt über den Großteil der regionalen Zeitungen, u.a. das Utrechts Nieuwsblad und das Brabants Dagblad. Die niederländischen Verlagshäuser konzentrieren sich zunehmend auf den professionellen Infomarkt, z.B. Fachzeitschriften und Datenbanken für bestimmte Berufsgruppen. Lange Zeit bestand unter den Verlagshäusern eine informelle Absprache: keines von ihnen sollte mehr als ein Drittel des Marktes beherrschen. Sie wurden darin von der Regierung unterstützt.

Seit dem ersten September 2005 sind PCM Uitgevers und Wegener Eigentümer der AD NieuwsMedia, einem Joint-Venture Tageszeitungsverlag. PCM brachte damals die Tochtergesellschaft Algemene Media Group (AMG) und Wegener die Utrechts Nieuwsblad/Haagsche Courant (UN/HC) mit ein. Somit war die AD NieuwsMedia quasi über Nacht der größte Tageszeitungsverlag in der Randstad. 2005 brachte man ein komplett neues Zeitungskonzept ein und stieg auf seichte Regenbogenpresse um. Gleichzeitig wurden 8 neue Zeitungen eingeführt, wobei 18 dieser Editionen für den regionalen und nur eine Ausgabe für den nationalen Raum vorgesehen waren.Ob dies der Sanierung dienen wird, ist unsicher. Medienexperten warnen vor der Entfremdung der Leser, insbesondere von ihrer Regionalzeitung. Eine Zeitung mit Regionalausgaben und einer landesweiten Ausgabe wie die neue Randstad-Zeitung könnte ein Flop werden - aber vielleicht auch die neue Strategie für Zeitungsverlage sein.

Die Entwicklung mag bedenklich stimmen, ist aber der Tatsache geschuldet, dass der Absatz auf dem Zeitungsmarkt stagniert, zumal Medien wie das Internet und das Fernsehen den Printmedien Leser entziehen und die Werbeeinnahmen zurückgehen. Ausnahmen sind die Gratiszeitungen Metro und Sp!ts, die bei Jugendlichen sehr beliebt sind.

Die Regierung Balkenende hat bisher nicht angekündigt, diesem Trend entgegensteuern zu wollen. Anders als beim öffentlichen Rundfunk hat die niederländische Politik sich in Sachen Presse immer mehr auf die Seite der Unternehmer als die von Redaktionen und Lesern geschlagen. Ihr einziges Zugeständnis an die Meinungsvielfalt war der Bedrijfsfonds voor de Pers. Doch da die Fusion von PCM Uitgevers und Wegener in breiten Schichten kritisiert wurde, ist es möglich, dass doch noch Bewegung in die Pressepolitik kommt.

Autoren: Silke Merten und Online-Redaktion
Erstellt:
August 2005
Aktualisiert: Juni 2008


Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie

Bardoel, J. : Media in Nederland. Feiten en structuren. Groningen 1997.

Baschwitz, K.: De krant door alle tijden. Amsterdam 1949.

Schneider, M.: De Nederlandse krant. van ‚nieuwstydinghe’ tot dagblad. Barn 1978.

Links

Wichtige kulturelle Links finden Sie unter Institutionen

Personen

Informationen zu Personen im Bereich Kultur Personen A-Z


  • RSS-Feed
  • Facebook
  • Twitter
  • RSS-Feed

Impressum | © 2013 NiederlandeNet
NiederlandeNet
Alter Steinweg 6/7
· 48143 Münster
Tel.: +49 251 83285-16 · Fax: +49 251 83285-20
E-Mail: nlnet@uni-muenster.de