Niederländische Kulturpolitik
II. Das neue Kulturfördersystem
Medy van der Laan ließ kein gutes Haar an der alten Kulturförderung: „Ein verschrobenes, bürokratisches und entseeltes Verfahren.“ Die ehemalige Kulturstaatssekretärin fasste anno 2006 das ausgediente System prägnant zusammen. Hunderte Anfragen - von der kleinen Theatergruppe bis zum ehrwürdigen Rijksmuseum - landeten auf dem Tisch des Raad voor Cultuur – jeweils mit der Bitte um eine staatliche Förderung. Jedes Jahr nahmen die Anfragen zu. Gerade noch wurde die Cultuurnota für vier Jahre beschlossen, da begann auch schon die Vorbereitung für die kommenden vier Jahre. Eine enorme Bürokratie hatte sich verselbstständigt, ein starres Gebilde war entstanden, in dem Newcomer kaum eine Chance bekamen.
Damit sollte Schluss sein. Medy van der Laan ließ ein neues System ausarbeiten, welches den gestandenen Kultureinrichtungen des Landes, wie dem Concertgebouworchest oder dem Van Gogh Museum, gerecht wird, aber auch neuen Initiativen und jungen Künstlern entgegen kommt. Die Skepsis in der Politik war groß, ob dieser Coup noch bis zum Jahr 2009 gelingen würde. Zwei Kabinettskrisen gab es in jenen Jahren und auch der Kultursektor war nicht gerade froh über neue Subventionsregelungen. Trotzdem hat sich Van der Laan durchgesetzt. Ihr Amtsnachfolger Roland Plasterk kann zum 1. Januar 2009 die neue Kulturförderung aus der Taufe heben. Ein System, das alles umgekrempelt hat, aber nicht minder bürokratisch geworden ist.
Drei Fördertöpfe
Grundsätzlich gibt es drei Fördertöpfe. In Topf A werden all jene Einrichtungen berücksichtigt, die mit einer langjährigen Förderung rechnen dürfen, die auch über vier Jahre hinaus geht. Diese 54 Einrichtungen, darunter etwa Theater Instituut Nederland oder das Rotterdams Philharmonisch Orkest, müssen fortan nicht alle vier Jahre neue Subventionsanträge stellen, sondern vom Ministerium werden nur noch ihre inhaltlichen Arbeiten geprüft. Ihr Geld erhalten sie direkt vom Ministerium.
Im Topf B wird das so genannte künstlerische Mittelsegment bedient. Es muss Anfragen fortan an eine der Kulturfonds (etwa Fonds voor de Film, Fonds voor de Podiumkunsten+) richten. In diesen Topf fallen etwa Ensembles, Theatergesellschaften, Produktionshäuser. Die Fonds vergeben Subventionen sowohl für vier Jahre als auch projektbezogen. Folgende Fonds werden vom Staat eingebunden: Nederlands Fonds voor de Podiumkunsten+ (59 Mio.), Programmafonds Cultuurparticipatie, Fonds Beeldende Kunst, Vormgeving en Bouwkunst (22 Mio.), Nederlands Literatuur Productie- en Vertalingenfonds (3 Mio.), Fonds voor de Letteren (6 Mio.), Mondriaanstichting (17 Mio.), Stimuleringsfonds voor Architectuur (2 Mio.), Nederlands Fonds voor de Film (35 Mio.).
Zu guter Letzt werden im Topf C all jene Kultureinrichtungen berücksichtigt, die nach wie vor für vier Jahre unterstützt werden. Die Beurteilung wird wie bisher der Raad voor Cultuur vornehmen. Zu dieser Kategorie gehören zum Beispiel Theatergesellschaften. Der Raad voor Cultuur wacht darüber, dass es in jeder Region des Landes Theatergesellschaften, Opern, Jugendtheater oder Tanztheater gehobener Qualität gibt.
Eine größere Bedeutung kommt dem neu gegründeten „Superfonds“ Podiumkunsten+ zu. Das Ministerium stellt dem Fonds 50 Millionen Euro für die Förderung von Musik, Theater und Tanz zur Verfügung. Der Fonds entscheidet selbst, wer mit Subventionen rechnen darf.
Verteilung der Subventionen
Im Jahr 2009 erhalten 205 Kultureinrichtungen und acht Fonds Zuwendungen in Höhe von 530 Millionen Euro. Das sind 60 Millionen mehr, als vorher zur Verfügung standen. Die meisten Einrichtungen bekommen die gleichen Mittel wie vorher, viele bekommen sogar mehr Geld. Ein Großteil des Extrageldes ist für die Kulturförderung in der Region bestimmt.
| Quelle: Andreas Gebbink | ||||
| 2009 |
2010 |
2011 |
2012 |
|
| Mooier Nederland |
6 |
10,2 |
12 |
|
| Kirchen |
2 |
3,1 |
4 |
6 |
| Archäologie/Denkmäler |
3,1 |
4 |
4 |
|
| Antillen |
2 |
2 |
2 |
|
| Architectuurnota |
2 |
2 |
2 |
2 |
| Partizipation |
31,5 |
41,5 |
50,5 |
50,5 |
| Nationaal Historisch Museum |
3 |
5 |
12 |
12 |
| Gratis Museum Kinder |
5 |
5 |
5 |
5 |
| Kultur u. Brede School |
2 |
3 |
5 |
5 |
| Fonds Kulturpartizipation |
15,7 |
22,2 |
22,2 |
22,2 |
| Kulturkarte | 4,3 |
4,3 |
4,3 |
4,3 |
| Leseförderung |
1 |
1,5 |
1,5 |
1,5 |
| Fonds Antillen |
0,5 |
0,5 |
0,5 |
0,5 |
| Starker Sektor |
13,3 |
18,9 |
18,7 |
18,7 |
| Cultuurprofijt-machting |
10 |
10 |
10 |
|
| Cultuurprofijt-Verwaltung |
5 |
5 |
5 |
5 |
| Internationale Förderung |
3 |
3 |
3 |
3 |
| Vermeerpreis |
0,2 |
0,2 |
0,2 |
0,2 |
| Verwaltung |
5,1 |
0,7 |
0,5 |
0,5 |
| Summe der Investitionen |
50,8 |
70,6 |
81,2 |
81,2 |
Mit dem neuen System soll eine „Basisinfrastruktur“ an kultureller Förderung in den Niederlanden aufgebaut werden. „Dieses neue System bietet nur einer begrenzten Anzahl von Einrichtungen mit spezifisch umschriebenen Funktionen Raum“, schreibt der Raad voor Cultuur in seinem Gutachten über die „BIS 1.0“ im Mai 2008. Der Raad beschreibt in diesem Gutachten die Konsequenzen des neuen Systems und schlägt jene Einrichtungen vor, die in dem neuen Subventionsgefüge Platz haben sollen. Für den Neustart und den Umbruch des Systems riet der Raad voor Cultuur, zusätzliche Gelder in Höhe von 26,6 Millionen Euro locker zu machen. Minister Plasterk erhöhte den Etat letztlich nur um 10 Millionen Euro.
Autor: Andreas Gebbink
Erstellt: November 2008
Links
Wichtige kulturelle Links finden Sie unter Institutionen
Nld. Kulturministerium und Fondsverwaltung Cultuursubsidie
Nld. Kulturministerium zum Thema Finanzierung von Kultureinrichtungen Financiering Cultuurinstellingen
Oberstes Beratungsgremium der nld. Regierung in Sachen Kultur Raad voor Cultuur
Literatur
Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie
Akkermans, H.J.M. et al. (Hrsg.): Handboek Cultuurbeleid, Den Haag 1989.
Minocw (Hrsg.): Subsidieplan Kunst van Leven 2009-2012, Den Haag 2008. Onlineversion
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