Niederländischer Film


I. Einführung

Der niederländische Film ist wieder im Kommen – wenigstens im eigenen Land. So galten im ersten Quartal 2011 30 Prozent aller Kinobesuche der heimischen Filmproduktion. Im vergangenen Jahr lag dieser Marktanteil noch bei 16 Prozent. Zweifelsohne ist diese Verdopplung besonders den beiden Filmen New Kids Turbo und Gooische Vrouwen zu verdanken, die Ende 2010 bzw. im März 2011 an den Start gingen: Während ersterer am Premierenabend (9. Dezember) bereits 37.000 Besucher in die Kinos lockte, wurde er von letzterem sogar noch getoppt: 100.000 Besucher zog es bei Erscheinen des Films am 10. März vor die Leinwand. Bis September des Jahres waren es zwei Millionen. Im Juni hatte der Film schon 14,7 Millionen Euro in die Kasse gespült. Für niederländische Verhältnisse gigantische Zahlen.

Bioscoop Amsterdam
Niederländischer Film in traditionsreichem Ambiente: Das Pathé Tuschinski in Amsterdam, Quelle: Fabio Bruna/cc-by-sa

Kulturpolitik

Dieser Höhenflug könnte jedoch eine Ausnahme bleiben. Denn im Juni des Jahres wurden seitens des Kulturministeriums für 2012 als Folge der ökonomischen Krise und der Milliarden, die in die Ökonomie bzw. die Rettung der Banken gepumpt wurden, dramatische Kürzungen für den kulturellen Sektor angekündigt. Neben einer Erhöhung der Mehrwertsteuer von heute sechs auf dann 19 Prozent, müssen im Filmsektor 22,5 Prozent eingespart werden. 70 Prozent von diesen Einsparungen muss der Niederländische Filmfonds aufbringen, der für die Verteilung der staatlichen Subventionen zuständig ist. Der Filmfonds nennt diese Einsparungen unverantwortlich und fürchtet, dass ein Marktanteil des niederländischen Films von minimal 16 Prozent so nicht mehr zu erreichen ist. Das Produktionskapital von 90 Millionen Euro soll laut Filmfonds um 24 Millionen Euro sinken. Das hat verheerende, noch unabsehbare Folgen für die heimische Filmproduktion.

Im internationalen Vergleich spielt der niederländische Film bis heute keine bedeutende Rolle, sowohl in Bezug auf Arthaus-Produktionen, als auch beim kommerziellen Spielfilm. Bei den Filmfestivals von Venedig, Cannes und Berlin gab es bisher nur wenige niederländische Produktionen, die offiziell an den Wettbewerb teilgenommen oder gar eine Auszeichnung erhalten haben. Bei den kommerziellen Filmen brachten es nur einige herausragende Beispiele (Turks Fruit, De Aanslag, De Tweeling, Karakter, Antonia) zu Weltruhm. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Zum einen liegt es sicherlich an dem über Jahrzehnte hinweg gepflegten kleinen Themenspektrum (siehe Kapitel 3 und 6). Zum anderen liegt es an der Tatsache, dass in den Niederlanden vergleichsweise wenig Filme pro Jahr produziert wurden. Zum Dritten sind auch die schwierigen Produktionsbedingungen im eigenen Land – sowohl räumlich, als auch finanziell – daran schuld. Ein Grund, der seinerzeit die besten Regisseure des Landes dazu veranlasste, die Niederlande gegen die Traumfabrik Hollywood einzutauschen (siehe Kapitel II).

Niederländische Filme werden selten für den internationalen Markt gemacht, was die Chancen eines Exports in andere Länder erschwert. Dazu gehört der Umstand, dass Spielfilme oft in niederländischer Sprache produziert werden, was für den internationalen Vertrieb eher hinderlich ist. Der Direktor der Kasander Film Company hat dieses Problem beizeiten erkannt. Seine Filme produziert er – mit Firmensitzen in Rotterdam und England – sowohl auf Niederländisch, als auch auf Englisch. So wurde Ben Sombogaarts Film Crusade in Jeans (2006) wegen der hohen Produktionskosten von elf Millionen Euro zunächst auf Englisch produziert, bevor er eine niederländische Version als Kruistocht in spijkerbroek erhielt. „Wenn du die ganze Welt hast, warum solltest du dich dann nur auf einen Markt von 15 Millionen beschränken? Das gilt für Regisseure, die Finanzierung und auch für das Casting“, ist Kees Kasander überzeugt.

Bei der Finanzierung ist es wichtiger denn je (siehe Kulturpolitik oben), künftig mehr auf internationale Co-Produktionen zu setzen, wie es bei der niederländisch-luxemburgischen Zusammenarbeit von Bride Flight der Fall war. Auch die romantische Komödie Atomium wird vom Niederländischen Filmfonds gemeinsam mit dem Flämischen Audiovisuellen Fonds finanziert. Der Film unter der Regie von Norbert ter Hall basiert auf dem Roman Fremdkörper von Oscar van den Boogaard und handelt von einer Dreiecksgeschichte, die rund um die EU-Einrichtungen in Brüssel und Straßburg angesiedelt ist. Generell kann man sagen, dass Verfilmungen nach literarischen Vorlagen und Jugendbüchern immer noch sehr populär sind. Festzustellen ist aber auch, dass Liebesdramen, feel good movies und multikulturelle Themen (siehe Kapitel VIII) in den letzten Jahren zugenommen haben. Für überschwängliche Besucherzahlen allerdings, sorgten diese Filme nicht.

Den größten kommerziellen Erfolg konnten – wie eingangs erwähnt – die beiden Spielfilme verbuchen, die auf Fernsehserien zurückgehen: Gooische Vrouwen und die Sozialkomödie New Kids Turbo (siehe Kapitel Kapitel IX). Offensichtlich treffen diese Filme, die nah am Alltag sind und eine junge (Migranten-)Klientel ansprechen, den Nerv der Zeit.

Autorin: Cornelia Ganitta
Erstellt:
Oktober 2011


Links

Wichtige kulturelle Links finden Sie unter Institutionen

Weitere Informationen in unserem Dossier Kulturpolitik

Nld. Filmdatenbank von Volkskrant, VPRO und NPO Cinema.nl

Nld. Filmfond FilmFonds

Nationales Filminstitut EYE Filmmuseum EYE

Homepage über nld. Filme Holland Film

Nld. Kulturministerium zum Thema Film Ministerie van Onderwijs, Cultuur en Wetenschappen (OCW)

Nld. Filminstitut Nederlands Filminstituut (NFI)

Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie

Graveland, Mariska/Jong, Fritz de/Bankersen, Leo: De broertjes van Zusje, De nieuwe Nederlandse film 1995-2005, Amsterdam 2006.

Hendriks, Annemieke: De pioniers, Interviews met 14 wegbereiders van de Nederlandse cinema, Amsterdam 2006.

Hofstede, Bart: Nederlandse cinema wereldwijd, De internationale positie van de Nederlandse film, Amsterdam 2000 (zgl. Dissertation Rotterdam 2000).


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