Niederländischer Film


X. Festivals und Preise

Festivals

Cinekid – Het internationale film, televisie en nieuwe media festival voor de jeugd

Cinekid ist ein internationales Festival für kleine Fernsehzuschauer und Cineasten. Von einem bescheidenen Filmfestival für Kinder in den Herbstferien ist Cinekid inzwischen zu einer Einrichtung geworden, die das ganze Jahr über Aktivitäten anbietet rund um die Themen Film, Fernsehen und Neue Medien. Cinekid hat einen pädagogischen Anspruch: neueste Erkenntnisse über Produktentwicklungen der Film- und Spielebranche sowie Erziehungsmethoden fließen in die Arbeit ein und tragen so zu einem besseren Bewusstsein im Umgang mit den Neuen Medien bei. Ziel ist es eine Medienkompetenz zu schaffen, die besonders das Sehverhalten der 4-14-Jährigen vor Augen hat. Während des Festivals werden Filmvorführungen im ganzen Land gezeigt: Cinekid op Locatie (Cinekid vor Ort) in 31 Städten an 15 Tagen. 
Für den Cinekid Nieuwe Media Award reichen rund 40 Betriebe aus der Unterhaltungsindustrie ihre besten Produkte des vergangenen Jahres ein. Dabei werden sowohl Spielekonsolen, interaktive Websites, Online-Spiele von kommerziellen Unternehmen und unabhängigen Anbietern berücksichtigt. Eine Jury aus Professionals trifft daraus – je nach Qualität, Erneuerungswert, Zugänglichkeit, Ästhetik und erzieherischem Nutzen – eine Auswahl für den Cinekid Award.

Film by the Sea

Film by the Sea Poster
Film by the Sea: Poster des 13. Festivals 2011 . Quelle: Pressematerial Film by the Sea Festival

Film by the Sea ist ein Festival für Film und Literatur, das alljährlich im Herbst in Vlissingen auf der Insel Zeeland stattfindet. 2011 kommt mit Terneuzen (holländische Küste) ein weiterer Austragungsort hinzu. Zwölf nationale und internationale Buchverfilmungen werden durch eine jährlich wechselnde Fach- und Kinderjury beurteilt. Die Kombination aus Film und Literatur macht dieses Festival einzigartig in Europa.

Bei der 13. Auflage im September 2011 wurden insgesamt 120 Filme gezeigt. Zur Jury zählen niederländische oder flämische Schauspieler, Schriftsteller und Regisseure. In 2011 waren dies unter anderem Paul Verhoeven (Türkische Früchte, Basic Instinct) und Maria Peters (Sonny Boy). Woody Allens Midnight in Paris eröffnete das Festival.

Innerhalb des Begleitprogramms kann man an Schreibworkshops, Filmschulen und anderen Kursen teilnehmen. Außerdem werden ein Kinderprogramm und Themenfilme (film and food) präsentiert. Die Stiftung Collectieve Propaganda van het Nederlandse Boek (CPNB), die die Arbeit niederländischer Organisationen rund um das Buch fördert wie z. B. Manuscripta, Nederland Leest und die nationale Boekenweek (Bücherwoche) schreibt zusätzlich den CPNB Film- und Literatur-Publikumspreis aus. So gibt es am letzten Sonntag des Festivals vier CPNB Film- und Literaturrouten, wobei sich das Publikum drei besondere Buchverfilmungen aus dem Wettbewerb ansehen kann.

NFF Logo
Nederlands Film Festival: Logo. Quelle: Pressematerial Nederlands Film Festival 

Nederlands Filmfestival (NFF)

Das Nederlands Filmfestival (NFF) ist das wichtigste Filmspektakel in den Niederlanden. In Utrecht werden zehn Tage von Ende September bis Anfang Oktober viele neue niederländische Spielfilme, Dokumentationen, Kurzfilme und TV-Produktionen gezeigt. Während des Festivals werden auch zahlreiche Seminare, Talkshows und Diskussionen organisiert. Höhepunkt des NFF ist natürlich die Verleihung des Gouden Kalf (siehe unten).

1981 startete das Filmfestival unter dem Namen Nederlandse Filmdagen. In seiner Geschichte gab es viele Höhepunkte und Tiefen. So kam 1984 der amerikanische Filmstar Robert de Niro nach Utrecht, um ein Gouden Kalf zu überreichen. De Niro  soll – so die Szenezeitschrift Cinema - unmittelbar nach der Zeremonie nach Amsterdam geflüchtet sein, wo er nach einem Coffeeshopbesuch schlafend in einem Auto gefunden wurde. 1985 sorgte ein Festivalplakat für Aufsehen. Darauf abgebildet war Königin Beatrix, die in neun Aufnahmen zu Marilyn Monroe mutierte. Der Rijksvoorlichtingsdienst wurde eingeschaltet.

Bei der Eröffnungsrede 2011 ging NFF-Direktorin Willemien van Aalst vor allem auf die staatlichen Einsparungen im Bereich Kunst und Kultur (NiederlandeNet berichtete) ein. Sie verglich dieses Vorgehen mit einem „zerstörerischen Tornado, der die niederländische Kulturlandschaft in den kommenden Jahren dramatisch verändern wird."

Rotterdams Filmfestival

Iffr Logo
Logo des Internationalen Filmfestivals Rotterdam. Quelle:

IFFR Press Office

Zu den größten Filmfestveranstaltungen des Landes zählt das Internationale Filmfestival Rotterdam (IFFR). Zehn Tage lang werden in der Hafenstadt hunderte Filme gezeigt. Im Congrescentrum De Doelen verkehren jährlich tausende Besucher, die Kinoatmosphäre genießen möchten. Das Filmfestival wurde 1972 von Huub Bals unter dem Namen Film International gegründet und hat zum Ziel, den unabhängigen, persönlichen Film zu fördern. Junge und weniger kommerzielle Regisseure erhalten in Rotterdam ein Podium und werden unter anderem mit dem Hubert Bals Fonds finanziell unterschützt. Der Fonds unterstützt zudem zwei Mal im Jahr ungefähr 25 Filmprojekte aus Entwicklungsländern. 

Unter der Leitung der Direktorinnen und Direktoren  Anne Head (1989), Marco Müller (1990-1991), Emile Fallaux (1992-1996), Simon Field (1996-2004), Sandra den Hamer (2000-2007) und aktuell Rutger Wolfson wuchs das IFFR zu einem der größten Filmfestivals für die Öffentlichkeit der Welt. 2011 besuchten 340.000 Menschen das Filmfestival.  Höhepunkt  ist jedes Mal die Vergabe der Tiger Awards. Für diesen Preis kommen ausschließlich Debütanten und junge Regisseure in die Auswahl. Die Filmwelt schaut schon ganz genau nach Rotterdam, denn hier kann man die Stars von morgen sehen. Der Raad voor Cultuur urteilt, dass das Festival „eine bedeutende Rolle in der niederländischen Filmlandschaft“ spielt.

Filmpreise

Bert Haanstra Oeuvrepreis

Bert Haanstra
Filmmacher Beert Haanstra: Nach ihm ist der Filmpreis des Nederlands Fonds voor de Film benannt. Quelle: RVU/Haanstra Archief Beeld en Geluid, Katalognr. 89543, Fotonr.4/cc-by-sa 

Der Bert Haanstra Oeuvrepreis wurde 1996 vom Nederlands Fonds voor de Film (NFF) eingeführt. Filmmacher Bert Haanstra hat den Preis 1996 als erster in Empfang nehmen dürfen. Die Auszeichnung wird allein an verdiente Filmproduzenten und Regisseure vergeben. Das Preisgeld beträgt 45.000 Euro. Bert Haanstra wurde durch seine Filme Fanfare (1958), Bij de beesten af (1972) und Dokter Pulder zaait papavers (1975) bekannt. Für seine Dokumentation Glas bekam er 1958 einen Oscar.

Den zweiten Oeuvrepreis nahm Fons Rademakers 1998 entgegen. Zwei Jahre später ging die Ehrung an Johan van der Keuken. Bei der Preisverleihung an Paul Verhoeven im Jahr 2004 kam es zu einem kleinen Eklat. Während der Preisübergabe verlas der Juryvorsitzende Hans van Mierlo die Begründung. Während der Rede klatschte Paul Verhoeven plötzlich lauten Beifall – ganz allein, mitten in der Rede. Verhoeven hatte sich geärgert über Van Mierlo: „Ich bekomme einen Preis für mein Lebenswerk und da vorne steht jemand und spricht über meine Produktionsfehler und über die Zweifel, die in der Jury aufkamen, bevor sie mich wählten. Van Mierlo machte auf mich den Eindruck eines Gymnasiallehrers, der nach einer Prüfung die Noten verteilt“, sagte Verhoeven später gegenüber der Zeitung de Volkskrant. „An einem Abend, der ganz im Zeichen meiner Auszeichnung stand, wurde noch einmal akzentuiert, welche Probleme die Jury mit meiner Wahl hatte und welche Unzulänglichkeiten meine Arbeiten aufweisen.“ Paul Verhoeven nahm zwar den Preis entgegen, aber das Verhältnis zu Hans van Mierlo ist bis heute nicht gekittet.

Gouden Kalf

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Der höchste niederländische Filmpreis: Das goldene Kalb. Quelle: Felix Kalkmann/Pressematerial Nederlands Film Festival 

Nach langen Anlaufschwierigkeiten hat sich das Gouden Kalf als der größte Filmpreis in den Niederlanden etabliert. Der Preis wird jedes Jahr zum Niederländischen Film Festival in Utrecht feierlich überreicht, erstmals 1981. Ausgezeichnet werden niederländische Filmproduzenten, Autoren, Regisseure und Schauspieler. Wie bei jedem Filmpreis ranken sich auch um das Gouden Kalf wunderbare Anekdoten. So soll 1995 der Schauspieler Rijk de Gooyer sein Gouden Kalf aus dem Fenster seines Taxis geworfen haben. De Gooyer war der Meinung, dass dieser Preis sowieso nichts wert sei.

Festivaldirektor Michiel Berkel hat lange  für das Image seiner Auszeichnung kämpfen müssen: „Ich ärgere mich tot über Leute, die meinen, dass das Gouden Kalf ein unwichtiger Preis sei.“ Selbst Festivaldirektor Michiel Berkel gibt zu, dass der Bekanntheitsgrad der Auszeichnung noch zu wünschen übrig lässt: „Sobald ich am Telefon den Namen Nederlands Film Festival fallen lasse, setzt eine große Stille ein. 'Sind sie vom Songfestival?' heißt es dann. 'Nee, ich bin der Mann mit den Kälbchen'. Die kennt mittlerweile wohl jeder und die Leute lachen dann. Scheinbar ist der niederländische Film zum Lachen.“ Kritische Töne über den Preis gibt es zuhauf – meist von nicht-nominierten Schauspielern und Produzenten. So nannte Produzent Burny Bos die Spielfilmjury eine „Scheißjury“, weil diese 2002 seinen Film Ja zuster, nee zuster nicht berücksichtigt hatte. Dennoch schaut die niederländische Filmwelt jedes Jahr mit Spannung nach Utrecht. Denn hier trifft sich die kleine Filmszene, verabredet sich, macht Geschäfte und knüpft Kontakte.

2011 gewann Nasrdin Dchar das Goldene Kalb als bester Hauptdarsteller für seine Darstellung des Nadirs in dem Film Rabat – ein Roadmovie der Regisseure Jim Taihuttu und Victor Ponten über drei Freunde, die auf der Reise von Amsterdam nach Rabat (Marokko) sich sowohl gegenseitig als auch selbst besser kennenlernen (NiederlandeNet berichtete). Die Independent-Produktion war ebenfalls für den besten Film und das beste Szenenbild nominiert, unterlag jedoch in beiden Kategorien der Konkurrenz. Das Goldene Kalb für den besten Spielfilm gewann Black Butterflies von Regisseurin Paula van der Oest, die Verfilmung des Lebens von Ingrid Jonker, einer südafrikanischen Dichterin. Hauptdarstellerin Carice van Houten – dem deutschen Publikum vor allem aus dem Film Blackbook bekannt – gewann mit ihrer Darstellung der Ingrid Jonker das fünfte Goldene Kalb ihrer Karriere. Zwei Goldene Kälber für die beste Regie und das beste Szenenbild gingen an das Beziehungsdrama Brownian Movement von Nanouk Leopold. Den Preis der Nederlandse Filmkritiek gewann der Film Curaςao von Sarah Vos und Sander Snoep.

Autoren:  Cornelia Ganitta, Andreas Gebbink  und Online-Redaktion
Erstellt:
2006
Aktualisiert: Oktober 2011


Links

Wichtige kulturelle Links finden Sie unter Institutionen

Weitere Informationen in unserem Dossier Kulturpolitik

Nld. Filmdatenbank von Volkskrant, VPRO und NPO Cinema.nl

Nld. Filmfond FilmFonds

Website des Jugend-Filmfestivals Cinekid

Website des Filmfestivals Film by the Sea

Website des Niederländischen Filmfestivals Nederlands Film Festival

Website des IFFR International Film Festival Rotterdam

Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie


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