Essen in den Niederlanden


IV. Koloniale Geschmacksverstärker


Einfluss der indonesischen Kochkunst

Es ist die Frage, ob es so etwas wie einen kollektiven Geschmack geben kann. „Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht!“ Dies stellt man auch in den Niederlanden fest. Ebenfalls steht fest, dass der Geschmack sich im Laufe der Zeiten verändert. Gerade ein Vergleich mit alten und neuen Kochbüchern zeigt deutlich, ob neue Gewürzkombinationen hinzu gekommen sind, oder welche Klassiker sich immer noch größter Beliebtheit erfreuen. Viele Niederländer mögen keinen Knoblauch und erzählen, dass er nicht zu ihrer Kultur gehört. Dabei vergessen sie aber, dass es im 17. und 18. Jahrhundert Mode war Knoblauch zu essen und er als Gewürz bei keinem Gericht fehlen durfte. Globalisierung gab es schon immer und dies galt auch für die Eßgewohnheiten. Eine prägende Geschmacksnote hat die Kolonialzeit der Niederländer hinterlassen.

Sate-Spieß
Saté: Grillgericht mit indonesischem Ursprung, Quelle: Jon Sullivan

Viele holländische Regierungsbeamte lebten damals mit ihren Familien im heutigen Indonesien und brachten bei ihrer Rückkehr auch die Gerichte mit. Die ursprüngliche niederländische Küche benutzte eigentlich keine scharfen Gewürze. Doch heutzutage gehört in jeden Haushalt ein Gläschen Sambal (scharfes Gewürz aus Chilischoten) in den verschiedenen Geschmackrichtungen: manis ist süßlich, olek ist scharf, badjak ist herb gesüßt etc. Auch die obligatorische Flasche mit Soja Sauce fehlt nicht mehr. Der gelbe Atjar Tjampoer Krautsalat und die Krabbenchips Kroepoek sind ein fester Bestandteil der niederländischen Küche geworden. Ein beliebtes und schnell gekochtes Gericht ist gebratener Reis oder Nudeln, Bami bzw. Nasi Goreng (goreng kommt aus dem Bahasa Indonesia und bedeutet gebraten).

In jedem Supermarkt findet man für die Zubereitung die praktisch abgepackten Gewürzmischungen. Oft hört man an den Wochenenden, wenn die vielen berufstätigen Holländerinnen einmal ihre Ruhe genießen wollen, laß uns was beim „Chinesen“ holen. Im Zweifelsfall zieht dann der Ehegatte mit den Kindern auf dem Fahrrad los. Mit chinesisch sind dann alle asiatischen Geschmacksrichtungen gemeint. Kip Saté ist ein Favorit für alle, die nicht gegen Erdnüsse allergisch sind, das geröstete Hühnerfleisch wird in eine dickflüssige Erdnuss-Sauce getaucht. Die Erdnuss hat den niederländischen Markt nicht nur in Form von Saté Saucen erobert, (die Erdnuss-Sauce ist dem traditionellen indonesischen gado gado entlehnt), sondern auch als Brotaufstrich pindakaas, von den Amerikanern übernommen.

Amsterdam ist eine Weltmetropole und so verwundert es auch nicht, dass es gerade hier eine variantenreiche „World Cuisine“ gibt. Typisch niederländische Essen sucht der Besucher hier vergebens, aber dafür gibt es zahlreiche surinamische, karibische, indonesische und afrikanische Restaurants. Die surinamische Küche wird als eine holländische und vor allem Amsterdamer Spezialität angesehen. Ein gutes Zeichen der Integration. Die Surinamer wiederum verbinden viele Einflüsse in ihrer Küche: karibische, afrikanische, asiatische, lateinamerikanische, libanesische und jüdische, später dann auch chinesische und javanische.

Es gab in den letzten Jahren der Kolonialzeit nicht nur einen regen Reiseverkehr niederländischer Kolonialherren nach Indonesien und Surinam, sondern auch Javaner wanderten nach Surinam aus. Die Anzahl der Surinamer in Amsterdam wird auf rund 75.000 geschätzt (2005) und zu ihren Lieblingsspeisen gehört Huhn in allen Facetten. Moksi Meti ist ein Gericht mit Reis und gebratenem Huhn, sowie Rindfleisch mit grünen und schwarzen Bohnen. Es wird scharf gewürzt. Ähnlich wie in asiatischen Gerichten sind Currys sehr beliebt. Es ist nicht genau zu klären, wessen Küche sich welchem Einfluss angepasst hat, aber auch die surinamische Küche bietet Eintöpfe mit Fisch, Fleisch und Gemüse, hier wird im Gegensatz zur ursprünglich niederländischen Kochweise sehr scharf und kräftig gewürzt. Weitere schmackhafte und populäre Speisen sind: roti, Gemüse mit Huhn oder Fleisch im herzhaften Pfannekuchen, welches gerne auf der Hand gegessen wird, sowie pom, eine Kasserole aus Huhn und Gemüse, überdeckt mit einem Püree aus Tajerrüben.

Die Surinamer führten verschiedenen Gemüsesorten in die Niederlande ein, so gibt es die rund 40 Zentimeter langen surinamischen Bohnen, sie werden von den Niederländern kouseband (Strumpfhalter) genannt. Ebenso amsoy, eine Endivienart, die übrigens nicht als Salat sondern auch in typisch niederländischen Gerichten als warmes Gemüse zubereitet wird. Anstelle der traditionellen Kartoffel wird gerne auch die cassave, eine Süßkartoffel, verwendet. Auch in Surinam wird gerne genascht, so gibt es also auch in der surinamischen Küche ein Dessert, dafür werden häufig Kokosnuss und Kokosmilch in allen Varianten zubereitet. In Amsterdam gibt es im Stadtviertel De Pijp viele surinamische Abhol-Restaurants, die warung genannt werden.

Autorin: Andréa Vermeer
Erstellt: Juni 2009


Links

Wichtige kulturelle Links finden Sie unter Institutionen

„Essen und Trinken“ in den Niederlanden. Dossier basiert auf „Twintig Eeuwen Nederland en de Nederlanders“ des Waanders-Verlags 20 Eeuwen Nederland

Offizielle Homepage von Amsterdam Oud-Zuid

Auswahl an niederländischen Rezepten Rezeptewiki.org

Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie

Communicatie Bureau Hoep & Partners/RIVM: Ons eten gemeten, Gezonde voeding en veilig voedsel in Nederland, Bilthoven 2004. Onlineversion

Venetië, Mariska van: Alles wat u beslist over Nederland moet weten, Amsterdam 2004.

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