ESSEN IN DEN NIEDERLANDEN


VIII. Essverhalten und Gesundheit

Das Ernährungszentrum

Das Ernährungszentrum ist eine unabhängige Stiftung, die von der niederländischen Regierung finanziert wird. Das Zentrum versteht sich als eine Art ‚sechsten Sinn’ in Ernährungsangelegenheiten, um vor allem bei Ereignissen wie BSE, Salmonellen, genetische Veränderungen an Nahrungsstoffen und biologischem Anbau Aufklärungsarbeit zu leisten. Hauptziel ist es, für den Konsumenten eine transparente Plattform zu bieten, um sich über die Sicherheit und Qualitätskontrolle von Nahrungsmittel und Lebensmittelprodukten zu informieren.

Studien zur Ernährung in den Niederlanden

Gemüsestand
Gemüsestand, Quelle: Michiel Thomas

Das Institut für Volksgesundheit und Umwelt, Rijksinstituut voor Volksgezondheid en Milieu, schreibt Berichte im Auftrag des Ministeriums für Volksgesundheit, Wohlbefinden und Sport. Im Vordergrund stehen die Sicherheit und Qualitätskontrolle von Lebensmitteln. Ziel der Berichte ist es nicht nur, das Bewusstsein über die eigene Ernährung zu schärfen, sondern vor allem auf die Konsequenzen für die Gesundheit und die später damit verbundenen medizinischen Versorgungskosten hinzuweisen. Die Grundkritik am niederländischen Verbraucher ist deutlich: Wir Niederländer essen zu viel und verkehrt!

Auch in Deutschland haben Studien des Gesundheitsministeriums festgestellt, dass zwar einerseits die Lebenserwartungen höher geworden sind, da die Ernährung gesünder und die Lebensmittel sicherer geworden sind, andrerseits sich aber die Niederländer und Deutschen schlechter ernähren und vor allem dicker werden. In den Niederlanden stellte man in einer Studie von 2004 fest, dass die Anzahl der übergewichtigen Menschen sich in den vergangenen 25 Jahren mehr als verdoppelt hat, so dass rund 10% der niederländischen Erwachsenen zu viel wiegen. Hauptursache hierfür, so die Studie, sei eine ungünstige Kombination von zu energiereicher Ernährung und zu wenig körperliche Aktivitäten.

Beunruhigend für Niederländer wie für Deutsche ist die anwachsende Zahl der übergewichtigen Kinder. Langfristig kann es für beide Länder massive Auswirkungen auf den Gesundheitssektor haben. In den Niederlanden hat man festgestellt, dass eine unausgewogene Ernährung und Übergewicht jährlich zu rund 40.000 neuen Fällen von Altersdiabetes, Herz- und Gefäßkrankheiten und Krebs führen. Untersuchungen zeigen, dass eine unausgewogene Ernährung zwei Mal so häufig als Übergewicht zum Tode führt. Die Ernährung wird nach dem sogenannten DALY Maßstab gemessen: Disability Adjusted Life Years. Hier werden die Auswirkungen der Ernährung auf Krankheit und Sterblichkeit untersucht und beobachtet welchen gegenseitigen Einfluss diese nehmen können.

Die niederländische Regierung bemüht sich über Aufklärungskampagnen einen bewußteren Umgang mit der eigenen Ernährung schon bei Kindern und Jugendlichen anzuregen. Schijf van vijf oder die Fünfer Gesundheitsscheibe ist eine Aktion in diesem Zusammenhang. Zusätzlich gibt es die sogenannten specifieke gezondheidsbevorderende voedingsmiddelen (SGV’s) en voedingssupplementen. Diese Nahrungsergänzung soll allerdings nur bei bereits Kranken oder zur Risikogruppe gehörenden Menschen sinnvoll eingesetzt werden. Wer sich an die Richtlijnen Goede Voeding, also die Richtlinien zur guten Ernährung hält, braucht keine künstlich produzierten Ergänzungsmittel, wie zum Beispiel Vitaminpräparate.

Schijf van vijf oder die Fünfer Gesundheitsscheibe

Die Niederländer essen zwar gerne, aber haben auch gleichzeitig den Anspruch sich gesund zu ernähren. Wer schon im 17. Jahrhundert Kochbücher zur gesunden Ernährung hat, der muss sich im neuen Jahrtausend etwas einfallen lassen, um der globalisierten Küche und den modernen Eßgewohnheiten wie Fastfood entgegenzuwirken. So gibt es eine Homepage des Ernährungszentrums www.voedingcentrum.nl. Hier kann jeder und jede die wichtigsten Regeln für eine gesunde Ernährung nachlesen. Dazu wurde eine Scheibe entwickelt, die kurz und bündig 5 Regeln für alle vorstellt, die sich gerne gesund ernähren möchten:

1. Eet gevarieerd  

Hier folgt dann der Hinweis, dass es kein Lebensmittelprodukt gibt, welches alle für den Menschen wichtigen Ernährungsstoffe beinhaltet. Daher solle man abwechslungsreich essen und könne auch das Risiko verteilen, schädliche Stoffe zu sich zu nehmen.

2. Niet te veel en beweeg      

Hier wird auf das Gewicht angespielt. Ebenso wie in Deutschland kam es in den Niederlanden nach verschiedenen Studien zur Erkenntnis, dass die Niederländer dicker werden und vor allem Kinder betroffen sind. Die zweite Regel soll daran erinnern nicht zu viele Kalorien zu sich zu nehmen und das Körpergewicht durch viel Bewegung in einen optimalen Zustand zu halten. Übergewichtige Menschen bekommen eher Herzinfarkte. Gleichzeitig wird betont, dass Menschen mit einer ungesunden Ernährung generell ein viel größeres Risiko hätten, um krank zu werden. Pädagogisch wird besonders der Alkoholkonsum und der Gebrauch von Salz erwähnt.

3. Minder verzadigd vet      

Diese Regel erscheint etwas abstrakter und es wird dem Laien nicht erklärt, was denn jetzt genau der Unterschied zwischen gesättigten und ungesättigten Fetten ist. So kommt der Tipp lieber Produkte mit ungesättigten Fetten zu gebrauchen. Abschließend dann die Aufforderung ein bis zwei Mal die Woche Fisch zu essen, da dieser sehr gesunde Fischfettsäuren enthielte. Dies ist auch eine Anspielung darauf, dass obwohl man in den Niederlanden hohe Fischfangquoten hat, der heimische Markt vergleichsweise wenig konsumiert.

4. Veel groente, fruit en brood      

Die Niederländer sollen viel Gemüse, Obst und Brot essen, da es reichhaltige Nahrungsmittel sind, die im Verhältnis zu ihrem Volumen wenig Kalorien aber viele Nährstoffe beinhalten. So würde man nicht so viel davon auf einmal essen können und dies sei wichtig für ein gesundes Gewicht. Auch hier folgt wieder der Hinweis, dass eine Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Brot verhindere, dass man krank wird.

5. Veilig  

Die letzte Regel geht auf das Thema der Qualitätssicherheit und -kontrolle bei Lebensmittel ein. Die Verbraucher werden auf das Risiko von ungesunden Inhaltsstoffen in Lebensmittel hingewiesen und auf Bakterien. Hier wird deutlich an die Eigenverantwortung appelliert, denn es gäbe zwar schon eine gute Überwachung, aber die Konsumenten sollten immer darauf achten, dass sie Infektionen oder Lebensmittelvergiftungen vorbeugen. Dazu müsse man lediglich einfache Regeln, die dann leider nicht genannt werden, berücksichtigen.

Auf einer weiteren Website des Ernährungszentrums kann man seine Größe angeben und sein Gewicht, sofort erscheint ein Kommentar zum eigenen Gewicht, ob man vielleicht übergewichtig ist oder noch im Toleranzbereich seiner Größe.

Autorin: Andréa Vermeer
Erstellt:
Juni 2009


Links

Wichtige kulturelle Links finden Sie unter Institutionen

Der nld. nationale Volksgesundheitskompass gibt Auskunft über den Gesundheitszustand des Landes. Eine Initative des Gesundheitsministeriums Nationaal Kompas Volksgezondheid

Institut für Volksgesundheit und Umwelt (RIVM) Rijksinstituut voor Volksgezondheit en Milieu (RIVM)

Stiftung Nahrungsmittelzentrum Niederlande Voedingscentrum

Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie

Born, Wina: Het volkomen vleesboek, Amsterdam 1969.

Communicatie Bureau Hoep & Partners/ RIVM: Ons eten gemeten, Gezonde voeding en veilig voedsel in Nederland, Bilthoven 2004. Onlineversion

Venetië, Mariska van: Alles wat u beslist over Nederland moet weten, Amsterdam 2004.

Personen

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