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Alex van Warmerdam

*Haarlem, 14. August 1952 - Regisseur, Schauspieler, Autor und bildender Künstler

Alex van Warmerdam
Alex van Warmerdam im Jahr 2009, Quelle: Titia Hahne

Alex van Warmerdam ist ein Meister des schwarzen Humors. In seinen Filmen spielen oft unglückliche, unangepasste Menschen die Hauptrolle. Menschen, die verzweifelt ihr Glück suchen und dabei oft in Fettnäpfchen treten. Das Werk von van Warmerdam ist grimmig und bitter. Seit seinem Film Abel (1986) setzt er sich mit den Fragen nach Normalität und dem Sinn des Lebens auseinander. Die Welt seiner Filme ist aschgrau. Liebende machen sich das Leben schwer, Streitigkeiten zwischen normalen Menschen eskalieren in roher Gewalt. Leben heißt für van Warmerdam vor allem Überleben.

Die Filme des 54-jährigen Regisseurs sind aber auch tragikomische Produktionen, Filme zum Lachen. Die Dialoge sind oft absurd und die Personen nicht selten schrullig. Van Warmerdam schuf sich in der niederländischen Filmlandschaft sogar ein eigenes Genre: der „Van Warmerdamfilm“ – die trocken komische Auseinandersetzung mit den Leiden des kleinen Mannes.

Alex van Warmerdam fand 2006 große Beachtung durch seinen Film Ober, der beim Nederlands Filmfestival auch mit einem Gouden Kalf für das beste Drehbuch  ausgezeichnet wurde. Ober ist ein typischer Van Warmerdamfilm und handelt von einem Restaurantkellner, der keine Lust mehr hat, sich von unverschämten Gästen herumkommandieren zu lassen. Der Ober nimmt das Heft in die Hand, meldet sich beim Drehbuchautor des Films und fordert ihn auf, sich eine schönere Geschichte für ihn auszudenken. Warum nicht mal eine schöne Freundin oder nette Nachbarn?

Van Warmerdam wurde 1952 in Haarlem geboren und besuchte die Rietveld-Akademie. 1974 gründete er die Schauspielgesellschaft Orkater. Sechs Jahre später wird er gemeinsam mit seinem Bruder Marc die Theatergesellschaft De Mexicaanse Hond ins Leben rufen. Seine Filmproduktionen halten sich in Grenzen, vor allem weil es ihm oft an Geld mangelt. Van Warmerdam beklagt sich, dass die Filmbranche eine verlogene Bande sei, die keine Absprachen einzuhalten gedenke. Jeder sei nur auf seinen Vorteil aus – gnadenlos. „Wenn man einmal wieder einen Film gemacht hat, dann kommt das große Verlangen auf, sofort einen weiteren Film zu starten, in dem man alles ganz anders machen wird“, so Van Warmerdam in einem Interview mit der Szenezeitschrift Cinema.

Neben seiner Arbeit als Filmschauspieler und Regisseur ist Van Warmerdam ein echtes künstlerisches Multitalent und unter anderem auch als Theatermacher, Roman- und Gedichtschreiber sowie bildender Künstler aktiv. Für sein gesamtkünstlerisches Oeuvre wurde ihm 2010 der niederländische „staatsprijs voor de kunsten“, der Johannes Vermeer Prijs, zuteil. Für die Jury verdiente der Künster die Auszeichnung aufgrund „seines beharrlichen Perfektionismus, seiner nie ausgehenden Energie, seiner unkonventionellen Arbeitsweise, dem unnachahmlichen Blick auf die niederländische Kultur und seiner Art, soziale Verhältnisse auf eindringliche, aber doch oft ironische Weise zu überspitzen“. Mit seinem jüngsten Film Borgman war Van Warmerdam bei den Filmfestspielen in Cannes 2013 für die Goldene Palme nominiert.

Filme von Alex van Warmerdam (Auswahl):

  • Abel, 1986
  • De jurk (dt. Das geheimnisvolle Kleid), 1996
  • Grimm, 2003
  • Ober, 2006
  • De laatste dagen van Emma Blank (engl. The Last Days of Emma Blank), 2009
  • Borgman, 2013

Autor: Andreas Gebbink
Erstellt: Dezember 2006
Aktualisiert: August 2013


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