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Max Velthuijs

*Den Haag, 22. Mai 1923 - †Den Haag, 25. Januar 2005 - Autor, Zeichner

Max Velthuijs
Max Velthuijs, Quelle: Iris de Been

Max Velthuijs ist und war einer der bekanntesten Illustratoren für Kinderbücher in den Niederlanden und hat darüber hinaus während seiner Karriere auch internationale Berühmtheit erlangt. Zu seinen berühmtesten Werken gehören die Bücher mit Geschichten vom Frosch (nl. Kikker) und seinen Freunden. Velthuijs wurde 1923 als Sohn eines Lehrers und Bruder von drei älteren Schwestern in Den Haag geboren. Bereits als kleines Kind entdeckte er seine Liebe zum Zeichnen und dem Erfinden von Geschichten. In der Schule viel der junge Max Velthuijs als besonders brillanter Schüler auf, der sich auf vielen Gebieten gut auskannte.

Durch den Umstand, dass die Familie Velthuijs während des Zweiten Weltkrieges nach Arnheim umziehen musste, absolvierte Max Velthuijs dort an der Akademie für Bildende Künste eine Ausbildung zum Maler und Grafikdesigner. Er genoss die Ausbildung, welche im Jahr 1944 jedoch zu einem abrupten Ende kam, als die Stadt evakuiert werden musste und das Haus seiner Eltern während der „Schlacht um Arnheim“ geräumt wurde. Beruflich war Velthuijs auf mehreren Gebieten aktiv So war er zwischenzeitlich als Büroangestellter oder Verkäufer in einem Hutgeschäft angestellt. Nach dem Ende des Krieges ging er jedoch zurück in seine Heimatstadt Den Haag und war dort lange Zeit in der Werbebranche tätig. Unter anderem machte er dort Reklame, bekam Aufträge zur Gestaltung von Postern und Briefmarken und stellte Zeichentrickfilme und TV-Spots her. Während dieser Zeit entdeckte er nach und nach auch seine wirkliche Profession: die Illustration und das Entwerfen von Büchern, speziell von Kinderbüchern. Von 1964 bis 1987 war Max Velthuijs auch lange Jahre als Dozent an der Königlichen Akademie für Bildende Künste in Den Haag tätig und konzentrierte sich in den 1980er Jahren ganz auf das Zeichnen.

Liebe zu Kinderbüchern

Seine eigentliche Karriere als Kinderbuchautor und -illustrator begann im Jahr 1962, als Velthuijs von einem niederländischen Verlag gefragt wurde, ob er es sich vorstellen könne, die Neuauflage eines Buches mit Kinderreimen zu illustrieren. Velthuijs sagte zu und das Buch wurde derart erfolgreich, dass zwei Jahre später ein zweites Buch mit Illustrationen des ABC folgte. Dieses Buch bedeutete für Velthuijs gleichzeitig auch den ersten Durchbruch auf dem internationalen Markt. So kam er auf der Frankfurter Buchmesse 1965 auch in Kontakt mit dem Schweizer Nord-Süd-Verlag, der schließlich die Buchrechte für zukünftige Werke erwarb. Von diesem Zeitpunkt an wurden von Max Velthuijs eine Vielzahl an Büchern geschrieben und illustriert, die international bis heute in rund 14 Sprachen übersetzt wurden. Max Velthuijs zeichnet in aller Einfachheit. Stilistische Besonderheit seiner Zeichnungen sind dabei die sehr hellen Farben und die kräftig gezeichneten Linien. Sein bekanntestes Geschöpf ist der Frosch Kikker.

In den Büchern vom Frosch und seinen Freunden zeigt Velthuijs seine Liebe zur Natur, zu Tieren und Menschen. Fand der Frosch 1983 zunächst als Nebendarsteller in einem Werk von Max Velthuijs Platz, stieg er sechs Jahre später zur Hauptperson auf. Das erste Frosch-Buch mit dem Titel „Kikker is verliefd“ (dt. „Frosch ist verliebt“) erschien 1989, wurde seitdem in viele Sprachen übersetzt und bedeutete für Velthuijs somit einen zweiten internationalen Durchbruch. Seit 1990, mit der ersten Kikker-Ausgabe, füllten sich die Bücherregale mit dem kleinen, bescheidenen und verlegenen Frosch. Es war ein unvorstellbarer Erfolg. Binnen Wochen fluteten Tassen, Rucksäcke, T-Shirts, Uhren und Memoryspiele die Supermärkte. Der Frosch lauerte überall. Merchandising musste sein, auch wenn es Velthuijs nicht passte.

Die Bücher, in denen der Frosch gemeinsam mit seinen Freunden – dem Schwein, dem Hasen, dem Bären, der Ente und der Maus, die jeweils ihren eigenen Charakter haben – Abenteuer erlebt, sind stets parabelartig aufgebaut. Seine Figur Kikker bewegt sich in einer übersichtlichen Welt. Angesprochen werden dabei teils existentielle Themen wie Angst, Tod, Rassismus, Vorurteile, aber auch Traurigkeit, Freundschaft oder Liebeskummer. In den Geschichten, die zwischen Märchen und Fabel angesiedelt sind, steht immer eine konkrete Aussage, welche als generelle universelle Wahrheit präsentiert wird – das Ende ist durchweg gut und es wird unter den Tieren eine positive Lösung gefunden. Velthuijs zeigte seinen Lesern somit, wie die Welt organisiert ist. Der Frosch ist dabei kein Held, er kann nicht fliegen, keinen Kuchen backen, nicht einmal lesen. Er lässt sich die Welt von seinen Freunden erklären. Velthuijs’ Tiere bleiben dabei aufrecht und natürlich. Dies könnte auch eine mögliche Erklärung für den Erfolg der Figur sein.

Begnadeter Zeichner

Max Velthuijs sah sich bis zu seinem Tod vor allem als Zeichner, nicht als Kinderbuchautor. Gleichwohl hat er als prominenter Illustrator der niederländischen Kinderbuchliteratur einen wichtigen Stempel aufgedrückt. Dem Radiomagazin „kunststoff“ (Radio 1) sagte er: „Ich bin Zeichner. Die Texte setze ich einfach nur drunter. Das geht ganz schnell. Zuerst entsteht das Bild im Kopf. Ich bin ein sehr visueller Mensch. Alles läuft bei mir über die Bildsprache.“ Wer sich mit Max Velthuijs unterhielt, musste sich das „Sie“ schnell abgewöhnen. „Das schafft so viel Abstand“, sagte Velthuijs, dem alles Konventionelle fremd schien. Allüren hatte er keine. Sein Arbeitszimmer glich dem eines nicht erwachsen gewordenen Studenten, dessen Eltern schon lange nicht mehr gesagt haben: „Jung, räum auf!“ Alles lag durcheinander: Bücher, Zeichnungen, Zigaretten. Und Velthuijs mittendrin, ihn scherte es nicht. Für eine Fernsehreportage zum 80. Geburtstag war eigens ein Verlagsmitarbeiter in seine Wohnung gekommen, um sein Arbeitszimmer aufzuräumen. Wichtig waren für Velthuijs vor allem seine Leser, die Kinder. Bis zum Schluss bekam er von ihnen täglich haufenweise Briefe und E-Mails zugeschickt.

Durch den internationalen Erfolg konnte Max Velthuijs während seiner Schaffenszeit viele nationale und internationale Preise einstreichen. Darunter waren unter anderem zweimal der „Gouden Penseel“ (1977 und 1986), im Jahr 1971 der französische „Prix de Treize“ sowie der „Gouden Appel“ der Illustratorenbienale Bratislava und im Jahr 2004 auf dem Gipfel Velthuijs‘ Karriere auch der internationale Hans Christian Andersen-Preis. Im Jahr 2003 – dem Jahr seines 80. Geburtstags – wurde darüber hinaus noch eine Retrospektive zu seinem Werk organisiert. In die mediale Öffentlichkeit wagte sich Velthuijs selbst allerdings nur selten: Interviews mit ihm waren rar, gelegentlich durfte man ihm bei Lesungen zuhören. Nur knapp ein Jahr nach der großen Retrospektive endete die erst sehr spät begonnene internationale Karriere ähnlich schnell wie sie auch begonnen war: Am 25. Januar 2005 verstarb Max Velthuijs mit 81 Jahren nach kurzer Krankheit an Lungenkrebs.

Autor: Andreas Gebbink und Tim Mäkelburg
Erstellt: August 2010


Links

Wichtige kulturelle Links finden Sie unter Institutionen

Niederländische Nationalbibliothek Werksübersicht

Deutsche Nationalbibliothek Werksübersicht

Stiftung zum Gedenken an Max Velthuijs Stiftungs-Website

Webseite mit Kikker-Produkten Online-Shop

Literatur

Alle bibliographischen Angaben im Bereich Kultur finden Sie unter Bibliographie

Linders, Joke: Ik bof dat ik een kikker ben. Leven en werk van Max Velthuijs, Amsterdam 2003.


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