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Iris van Herpen

*05. Juni 1984 in Wamel - Modedesignerin

Iris van Herpen Kreation
Eine Modekreation von Iris van Herpen 2012, Quelle: Christopher Macsurak/cc-by

Innovative Techniken treffen auf ebenso innovatives Material. Sie ergeben futuristische Kleider, nein vielmehr Kunstwerke, aus Plexiglas, Acryl und verschiedenen Plastikmaterialien. Die Modeentwürfe der niederländischen Designerin Iris van Herpen lassen sich mit Worten nur schwer umschreiben. Man muss sie einfach gesehen haben. Neben den niederländischen Designern Victor & Rolf kann man nun auch Iris van Herpen zu den internationalen Größen der Modeszene zählen.

Feines Handwerk und digitale Technologie, ermöglichen es Van Herpen, Kleider zu schaffen, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen. Für Van Herpen bedeutet Mode künstlerischer Ausdruck, demnach verfolgt sie keine kommerziellen Ziele. Sie möchte keine Menschen kleiden, da es ihrer Ansicht nach schon genug Kleidung auf der Welt gibt. Außerdem bleibt durch den schnellen Wandel der kommerziellen Modeindustrie wenig Zeit zum Experimentieren und genau das ist ihre Berufung – experimentieren mit Stoffen, Materialien, Formen und Farben, wie sie in einem Interview mit dem deutschen Wochenblatt Die Zeit 2011 erläuterte. Van Herpen kennt keinen Stillstand. „Wenn ich eine Technik beherrsche oder ein Material kenne, dann denke ich gleich weiter. Ich will dann unbedingt wieder etwas Neues ausprobieren. Das liegt in meiner Natur, ich habe einfach diesen Forscherdrang.“ Aus diesem Grunde erfüllt sie neben der Rolle der Designerin und Künstlerin auch noch die Rolle der experimentierfreudigen Forscherin.

Vor allem die Natur und organische Formen, insbesondere von Mikroorganismen inspirieren sie. So entwarf van Herpen beispielsweise zusammen mit einem Architekten ein „Wasser-Kleid“. Das Ergebnis ist spektakulär; mit Hilfe einer Heißluftpistole und viel Acryl entstand ein wahres Meisterwerk: „Crystallization“ (dt. „Kristallisierung“). Auch ihre Objekte aus Polyamid, die aus dem 3D-Drucker kommen, sind revolutionär. In einem großen Ofen wird mit Hilfe eines Lasers die gewünschte Form Schicht um Schicht zusammengefügt. Dieser Prozess dauert mehrere Tage an. So bestechen ihre Kleider oft durch dreidimensionale Strukturen und skulpturale Effekte. In einem Interview mit der deutschen Zeitung Die Zeit im Jahr 2011, räumte die junge Niederländerin ein, dass nicht gerade alltagstaugliche Mode schneidert: „ Ich weiß, dass manche meiner Kreationen nicht tragbar sind. Sie sind so fragil, dass man in ihnen nicht einmal sitzen kann.“

Aufgewachsen ist van Herpen im Dörfchen Wamel mit 2.400 Einwohnern. Nach dem Studium an der Modeschule ArteZ in Arnheim und mehreren Praktika bei großen Modeschöpfern wie dem inzwischen verstorbenen Alexander McQueen, begann für sie im Jahr 2007 ihre steile Karriere mit der Gründung ihres eigenen Modelabels, Iris van Herpen.

Bei einer kleinen Modeschau im Institut Néerlandais in Paris wurde sie vom Direktor der Haute Couture Wochen entdeckt, wie sie in einem Interview mit der niederländischen Tageszeitung de Volkskrant erklärte. So kam es, das ihre Kunstwerke, zwischen der Mode von bekannten Designermarken wie Dior und Chanel schon zweimal auf den Haute-Couture-Schauen in Paris zu sehen waren. Mittlerweile ist die junge Designerin bei den internationalen Modeschauen nicht mehr wegzudenken. Erst kürzlich zeigte Van Herpen bei der Berliner Fashionweek 2012 ihre neuesten Werke. Die Kreationen, die sie hier vorführte, erschienen wie aus anderen Sphären: Einige Kleider waren dem menschlichen Skelett nachempfunden, schimmerten wie Käferpanzer oder entführten in Unterwasserwelten mit Assoziationen zu Korallenriffs oder Tentakeln.

Nun freut die 27-Jährige sich auf ihre erste eigene Ausstellung im Groninger Museum, wo man ihre Werke, die von 2008 bis 2012 geschaffen hat, vom 24. März 2012 bis zum 23. September 2012. bewundern kann. 2012 ist Iris van Herpen mit ihrem Atelier von Arnheim nach Amsterdam gezogen. Als Wohnung reicht ihr ein zwölf Quadratmeter großes Zimmer aus, wo sie lediglich die Nächte verbringt. Ihre Tage verbringt sie überwiegend in ihrem Atelier, wo sie mit einer ganzen Schar fleißiger Studenten und einer festen Assistentin an ihren neuesten Kreationen arbeitet.

Lediglich in drei Modegeschäften weltweit werden die Kreationen Van Herpens verkauft – in Mailand, Antwerpen und Tokio. Schuhe, die sie zusammen mit dem Designlabel United Nude entwirft, werden weltweit in 20 Läden verkauft. Zu ihren Stammkunden zählen neben zahlreichen Tanzgruppen auch berühmte Künstlerinnen und Musikerinnen wie Björk und Lady Gaga.

Autorin: Rebekka Herzog
Erstellt: März 2012


Links

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Offizielle Homepage Iris van Herpen

Literatur

Alle bibliographischen Angaben im Bereich Kultur finden Sie unter Bibliographie


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