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Marten Toonder

*Rotterdam, 02. Mai 1912 -  †Laren, 27. Juli 2005 - Comiczeichner

Marten Toonder
Marten Toonder im Jahr 1951, Quelle: NA (092-0768)

Marten Toonder zeichnete sich ins Herz der Holländer. Der "Sucher, der einen Teil der Wahrheit sah".

Marten Toonder hatte etwas Geniales. Er war ein wunderbarer Sprachschöpfer und Zeichenkünstler, er hat die niederländische Sprache mit seinen Wörtern bereichert. Seine beiden Figuren Heer Bommel und Tom Poes sind Leseklassiker für Jung und Alt. Henk Arens wird schnell überschwänglich, wenn er über Marten Toonder spricht. "Sein Werk", so sagt er, "ist meine Leidenschaft geworden." Der Mann aus Zoetermeer sammelt alles, was der Feder des Zeichners entsprungen ist. Das ist eine ganze Menge. Die Figuren des 93 Jahre alt gewordenen Toonder kennt in Holland jedes Kind.

43 Jahre lang hat Toonder gezeichnet und geschrieben. Mit seinen Figuren "Heer Bommel en Tom Poes" hielt er der niederländischen Gesellschaft den Spiegel vor. Denn was in den 40er Jahren als einfache Zeichnungen für Kinder gedacht war, entwickelte sich zu einer wunderbaren Fabelwelt für Erwachsene: "Die Figur Heer Bommel gehört heute zu den Legenden unseres Landes", sagt Arens. Er ist Vorsitzender eines Toondervereines mit 800 Mitgliedern. Toonders langjähriger Freund Dick Matena möchte Olivier B. Bommel, den gutmütigen Bären, und die Katze Tom Poes, die stille Heldin der Abenteuergeschichten, gar nur mit Figuren wie Don Quichotte oder den Charakteren von Charles Dickens vergleichen: "Seine Arbeiten sind für die Niederlande einmalig".

Mit kritischem Blick zum Erfolg

Marten Toonder begann 1941 bei der Zeitung De Telegraaf. Jeden Tag zeichnete er drei Bilder und schrieb dazu eine Kurzgeschichte. Mit seinem Comic verbuchte er schnell großen Erfolg. Bereits 1946 erschienen seine Zeichnungen in 50 verschiedenen Zeitungen im In- und Ausland.

Anfangs profitierte Toonder indirekt von der deutschen Besatzungsmacht. Denn beim Telegraaf wurde Mickey Mouse verboten und durch die Bommelgeschichten ersetzt. Kultstatus erreichte Toonder erst mit seinen Arbeiten für die Abendzeitung NRC in Rotterdam. Hier veröffentlichte er zwischen 1947 und 1986 jeden Tag seine Kurzgeschichten - über 177 "Bommelverhalen". Sie schufen eine neue Gattung: Comicfeuilleton. Die Welt des gutmütigen Bären Olivier B. Bommel ist voller Gefahren und unsichtbarer Mächte. Wunderbar, die Geschichte "De Bovenbazen": Hier regieren Industrielle über das Weltkapital und teilen es untereinander auf: "Wenn Du mir ein Viertel von Deinem Petroleum gibst, bekommst Du alle Fahrräder". Der gute Herr Bommel deckt mit Tom Poes die geheimen Machenschaften auf.

Alles gesehen, keinen verurteilt

Mit spitzer Feder begleitete Toonder die Entwicklungen in seinem Heimatland. "Es gibt kaum eine gesellschaftlich wichtige Entwicklung, die nicht in Toonders Zeichnungen zur Sprache gekommen sind", sagt Arens. Toonder habe die Probleme der Zeit beim Namen genannt, ohne dabei Menschen zu verurteilen: "In jedem schlechten Menschen, gibt es auch gute Seiten. In den Bommelgeschichten setzt sich Toonder mit Krieg und Korruption, Drogensucht und Hausbesetzungen, Immigration und Massentourismus auseinander.

Hierfür schuf er 14 Figuren mit stark überzeichneten Charakteren. Etwa Bürgermeister Dickerdack von Rommeldam - das Entenhausen der Niederlande. Dickerdack, ein fieser Magistrat, der nach unten tritt und nach oben schleimt - eine unmissverständliche Satire auf die Rotterdamer Kommunalpolitiker. Der eigentliche Held der Toondergeschichten ist die Katze Tom Poes, die den behäbigen Herrn Bommel ein ums andere Mal aus der Klemme hilft.
Im Sprachgebrauch

Schlägt man den "großen Van Dale" - den niederländischen Duden - auf, finden sich viele Wörter und Ausdrücke, die auf Marten Toonder zurückzuführen sind. Die Wörter "Minkukkel" (Dummkopf), "denkraam" (Denkfähigkeit) oder "zielknijper" (Psychologe) gehören dazu, auch "kommer en kwel" (Kummer und Sorge) ist zu einem feststehenden Ausdruck geworden oder die Phrase "Als U begrijpt wat ik bedoel" (Wenn Sie verstehen, was ich meine).

Die Bommelgeschichten wurden auch ins Deutsche übersetzt. Allerdings nie mit großem Erfolg. "Sein Sprachwitz lässt sich nur schwer übersetzen", sagt Pim Oosterheert, der ein Bommelmuseum in Zouterwoude leitet. Aus dem Film "Als u begrijpt wat ik bedoel" wurde im deutschen Kino: "Oglu und das freche Drachenmonster".

Ein Leben als Suchender

Marten Toonder lebte zwischen 1965 und 2001 im irischen Eyrefield. Nach dem Tod seiner Frau Phiny kehrte er in die Niederlande zurück. Die letzten Jahre verbrachte er im "Rosa Spierhuis", einem Altenheim für Künstler. In Interviews hat er immer wieder zu verstehen gegeben, dass er nicht länger leben wolle - Toonder überlebte drei seiner vier Kinder und hatte gesundheitliche Probleme. In seinem letzten Interview für das niederländische Fernsehen sagte er, dass er später einmal als ein "Sucher" gesehen werden möchte: "Ein Sucher, der einen Teil der Wahrheit sah."

Autor: Andreas Gebbink
Erstellt: November 2006


Links

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Private Homepage mit vielen Informationen über die niederländische Comickultur vom 19. Jahrhundert bis heute Nederlandse Stripgeschiedenis

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Literatur

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