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Ellen ten Damme

* Warnsveld, 7. Oktober 1967 – Schauspielerin, Sängerin

Ellen Ten Damme
Ellen ten Damme 2009 beim Zeeheldenfestival in Den Haag, Quelle: Niels/cc-by-nc-sa

Vor laufenden Kameras küsst sie innig Schauspielkollegin Katja Schuurman. In Rotterdam nimmt sie das Befreiungsfestival wörtlich, indem sie sich vor großem Publikum bis auf die Brustwarzen entblößt. Auf der Bühne rockt sie mit Udo Lindenberg. Um Haaresbreite hätte sie Deutschland (Deutschland wohlgemerkt!) beim Eurovision Song Contest mit dem zensierten Lindenberg-Titel „Plattgeliebt“ vertreten. Auch Lieder von Nina Hagen zählen zu ihrem Repertoire. Es gibt nur eine Erklärung für so viel Spaß an der Provokation: An der Wiege von Ellen ten Damme muss das Motto „Lebe wild und gefährlich“ Pate gestanden haben.

Am 7. Oktober 1967 wurde die niederländische Sängerin und Schauspielerin in Warnsveld, nahe der deutschen Grenze geboren. Nach der Schule, in der sie sich als hervorragende Turnerin erwies, studierte sie zunächst Niederlandistik in Groningen, bevor sie an das Hilversumer Musikkonservatorium wechselte, um sich dort dem Klavier-, Gitarren- und Geigenspiel zu widmen. Ihren Abschluss machte sie schließlich an der Kleinkunstakademie in Amsterdam. 1991 debütierte Ten Damme als Schauspielerin in dem als Musical angelegten Kurzfilm De Tranen van Maria Machita (dt. Die Tränen der Maria Machita) von Paul Ruven und wurde prompt für den niederländischen Filmpreis „Goldenes Kalb“ nominiert. Danach war sie in zahlreichen weiteren Filmen und Fernsehserien zu sehen, so in der beliebten Anwaltsserie Pleidooi, All Stars oder im Kassenschlager Volle maan (dt. Vollmond).

Karriere in Deutschland

Auch das deutsche Fernsehen fand bald Gefallen an der akzentfrei Deutsch sprechenden Schauspielerin. 1995 spielte sie in dem Heimatfilm Wilder Westerwald neben Claudia Michelsen eine der beiden Hauptrollen. Einem größeren Publikum bekannt wurde sie ein Jahr später als Femme Fatale in der Gaunerkomödie Die Musterknaben (1996), die erfolgreich in den Kinos lief. Weitere Filme wie Herzlos, Der Himmel kann warten oder das HIV-Rührstück Fickende Fische folgten. In Das Paar des Jahres (1997) lernte sie den deutschen Schauspieler Markus Knüfken kennen und lieben. Die beiden heirateten nur ein Jahr später. Bis zu ihrer Scheidung im Jahr 2004 spielte Ten Damme noch in dem Kinofilm Bang Boom Bang (1999) und in einer Tatort-Folge des RBB, Filmriss (2002). Einen Rückschlag ganz anderer Art musste sie nur ein Jahr später hinnehmen, als die Ärzte bei ihr Brustkrebs diagnostizierten. Ellen nahm sich eine Auszeit, überstand Operation und Chemotherapie und meldete sich zurück bei Bühne und Film. Auf der Bühne reüssierte sie 2007 mit einer Theatershow, bei der sie auch Lieder von Bert Brecht, Kurt Weill und Marlene Dietrich zum Besten gab. Beim Film begeisterte sie in dem Drama Das Leuchten der Sterne im gleichen Jahr an der Seite von Michael Fitz in der Rolle der etwas schrägen, sich aufopfernden Mutter eines todkranken, behinderten Jungen.

Multitalent

Trotz ihrer vielen Fernseh- und Kinoausflüge blieb Ellen ten Damme ihrer eigentlichen Leidenschaft, der Musik, treu. Innerhalb von 17 Jahren produzierte sie fünf Alben: Kill Your Darlings (1995), I Am Here (2001), Impossible Girl (2007), Durf jij? (2009) und zuletzt Het Regende Zon (2012). Für Durf jij? (dt. Traust du dich?), dem ersten auf Niederländisch erschienenen Album, das in Zusammenarbeit mit dem Dichter Ilja Leonard Pfeijffer entstand, bekam sie Ende 2010 Gold-Status. Wenige Monate zuvor hatte sie bereits den „Goldenen Nussknacker“ aus den Händen von Künstlerkollegen erhalten, die damit ihre Theatertournee Durf jij? und die eigens für sie arrangierte, spektakuläre Zirkusshow Cirque Stiletto auszeichneten.
Auch die aktuelle Scheibe – für die sie die Musik komponiert hat - enthält wieder Texte von Ilja Leonard Pfeijffer, aber ebenso von Harry Mulisch, Remco Campert und Ellen ten Damme selbst. Het Regende Zon (dt. Es regnete Sonne), handelt von Liebe, missglückten Beziehungen, Einsamkeit und unerfülltem Verlangen – eine für das Energiebündel Ten Damme ungewöhnlich melancholisch-ruhige CD.

Normalerweise liebt sie es, über die Bretter zu wirbeln, die die Welt bedeuten. Als drahtige Rockröhre, die – dank ihrer Turnerqualitäten – schon mal mit einem Handstand oder Spagat auf der Bühne überrascht, ist sie mit eigenen Konzerten unterwegs, aber auch auf Festivals vor allem in den Niederlanden und Deutschland vertreten. 2002, 2004 und 2008 tourte sie als Muse von Udo Lindenberg durch die Lande. Offensichtlich hatte es die sexy Lady dem alten Herrn des deutschen Rock so angetan, dass sie 2005 mit dem von ihm komponierten Song „Plattgefickt“ an der Vorentscheidung des Eurovision Song Contest teilnahm. Der Titel, der sich inhaltlich eigentlich als Anti-Kriegs-Lied gegen Bushs Irakpolitik entpuppt, musste entschärft werden und wurde in „Plattgeliebt“ abgeändert. Geholfen hat es nicht, das Lied kam nicht in die Endausscheidung. Die „Community“ aber gab sich entzückt, wie ein Kommentar auf YouTube zeigte: „Mit der würden wir echt auffallen beim Song Contest [...] die macht Europa heiß und Deutschland zum Grand Prix Sieger“.

Die ihr auf ihrer eigenen Website zugeschriebene Haltung, bei aller Vielseitigkeit nur das zu tun, woran sie selber glaubt, beschreibt sie sehr gut. Ob Schauspielerin, Musikerin, Zirkusartistin, Komponistin oder Pippi Langstrumpf: Das, was sie macht, macht sie mit Begeisterung und Überzeugung. Die Werbekampagne des Albstädter Wäscheherstellers Mey, für die sie 2010 die Hüllen fallen ließ, gehörte ebenso dazu, wie temperamentvolle Bühnenshows – ab Herbst 2012 tourt sie erneut mit Spitz!, einer gemeinsam mit dem Scapino Ballet Rotterdam arrangierten Show – oder die (musikalische) Stellungnahme gegen Ungerechtigkeit, Krieg und Artenschutz. Kein Zufall also, dass sie seit 2011 auch noch für die niederländische Sektion des World Wide Fund (WWF) im Einsatz ist.

Autorin: Cornelia Ganitta
Erstellt: Oktober 2012


Links

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Offizielle Homepage Ellen ten Damme

Literatur

Alle bibliographischen Angaben im Bereich Kultur finden Sie unter Bibliographie


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