Niederlande-Wissen



Kultur - Personen A-Z



Peter Paul Rubens

*Siegen (Westf.), 28. Juni 1577 - †Antwerpen, 13. Mai 1640 - Maler

Selbstportrait mit seiner Frau Isabella Brant in der Geißblattlaube
Selbstportrait mit Isabella Brant in der Geißblattlaube (um 1609) von Peter Paul Rubens, Quelle: Wikipedia
Peter Paul Rubens, am 28.6. 1577 in Siegen geboren, gilt zusammen mit Rembrandt als berühmtester Vertreter der Malerei des goldenen Zeitalters. Zugleich gilt er aufgrund der Wahl anderer Stilmittel, Maltechniken und Bildthemen als künstlerischer 'Gegenpol' Rembrandts, was jedoch nicht immer zutreffend ist. In jedem Fall aber besetzten die beiden unterschiedliche Nischen innerhalb des Kunstmarktes, so dass die Auftraggeber durchaus in unterschiedlichen Kreisen zu finden sind. Dies schon allein deshalb, weil der eine in Amsterdam und der andere in Antwerpen niedergelassen war. Rubens arbeitet vornehmlich für höfische und adlige Auftraggeber; mit reichen Bürgern hat er weniger zu tun. So erklärt sich auch das Spektrum seiner Sujets: Rubens malt überwiegend sehr großformatige Leinwände mit mythologischen und mit biblischen Themen für öffentliche Gebäude, Kirchen, Rathäuser, aber auch für Paläste; er betätigt sich also hauptsächlich als Historienmaler und widmet sich somit der Bildgattung, die im 17. Jahrhundert das höchste Ansehen genießt. Erst in seinem Spätwerk, in den dreißiger Jahren des 17. Jahrhunderts, wendet er sich 'privateren' Themen zu und malt z.B. Familienportraits und auch Landschaften.

Peter Paul Rubens jedenfalls bewegt sich von Anfang an, d.h. nach Abschluss seiner Ausbildung bei den Malern Van Noort, Verhaecht und Van Veen in Antwerpen in höfischen Kreisen, und zwar zunächst in Italien, genauer, arbeitet er seit etwa 1600 im Dienste des Herzogs von Mantua, Vincenzo Gonzaga. Die Gonzaga schickten Rubens praktisch durch Norditalien, das Veneto und nach Rom, auf dass er die Kunstschätze und Malereien, auch die Wandmalereien Italiens kennenlerne. So kann Rubens die Arbeiten der Carracci, Caravaggios (was für ihn später besonders wichtig ist) und die Meisterwerke der Renaissance von Michelangelo, Raffael, Tizian und Leonardo studieren.


Die Gonzaga entsenden den Maler außerdem in diplomatischer Mission an den spanischen Hof, wo er seinen ersten Auftrag für ein Reiterbildnis erhält (Reiterbildnis des Herzogs von Lerma, 1603). Mit seinen 2,83 m Höhe ist es etwa lebensgroß. Besonders ist, dass Rubens das Pferd nicht mit einem Schreit- oder Galoppmotiv im Profil darstellt, sondern frontal mit einer leichten Vorwärtsbewegung. Dadurch, dass das Pferd beinah auf die untere Bildbegrenzung auftritt und der Landschaftshorizont besonders tief liegt, wird der Eindruck erweckt, als reite der Herzog direkt aus dem Bild heraus auf den Betrachter zu. Das in detailgetreuer Feinarbeit herausgehobene edle Ross, das prächtige Beinkleid sowie der hochpolierte Harnisch des Herzogs lenken das Hauptaugenmerk auf Pferd und Reiter im Vordergrund. Die Landschaft mit dem Palmenbaum und den schwungvoll gebogenen Blättern auf der linken Seite sowie das Schlachtgetümmel im Mittelgrund scheinen mit gedeckteren Farben und raschem Pinselduktus ausgeführt, so dass sie weniger Aufmerksamkeit beanspruchen, sondern vielmehr das Lichtspiel auf dem hellen Pferdekörper betonen. Zusammen mit dem Wolkenband auf der rechten Bildseite bilden die Landschaftsmotive einen unruhigen und dramatischen Rahmen. Allein die Figur des Herzogs erscheint als ruhender Pol in dieser dynamischen Komposition.

Im Escorial hat Rubens überdies erneut Gelegenheit, fremde Kunstwerke zu sehen.
Rubens erhält in Rom und in Mantua einige bedeutende Aufträge für Altäre und Grabkapellen, was gerade in Rom insofern ungewöhnlich ist als dass prestigeträchtige große Aufträge nur höchst selten an Ausländer vergeben wurden. Die Arbeit in Italien verschafft Rubens auch in der Heimat Antwerpen gehöriges Renommee, denn eine erste Fassung des Altargemäldes für die Chiesa Nova in Rom musste aufgrund ungünstiger Lichtverhältnisse in der Kirche verworfen werden, so dass Rubens sie mit nicht unbeträchtlicher Werbewirkung nach Antwerpen schicken konnte. Es entstand schließlich eine zweite Fassung, nunmehr dreiteilig, die im Jahre 1608 fertig gestellt war.

Als Peter Paul Rubens in Italien die Nachricht von der Krankheit seiner Mutter erhält, reist er unverzüglich aus Italien ab und kehrt nie zurück. Dieses abrupte Verlassen Italiens, d.h. seines Auftraggeberkreises, führt zunächst zu einem 'Karriereknick'.

1609 heiratet er Isabella Brant, die Tochter eines Stadtmagistraten; es entsteht das Ehebildnis 'in der Geißblattlaube'. Neuerlicher Erfolg in der Malerei lässt ebenfalls nicht lang auf sich warten, denn in Antwerpen war Rubens der einzige Maler, der sich selbst in Italien ausgebildet hatte; überdies fiel seine Ankunft in Antwerpen mit dem Waffenstillstand von 1609 zusammen, so dass die Wirtschaft allgemein Gelegenheit zu neuer Entfaltung hatte.

Die folgenden Jahre in Antwerpen bringen Rubens zahlreiche Großaufträge ein, so ein Altarbild für die St. Bavo-Kirche (Kreuzabnahme und eine Kreuzaufrichtung), ein Altarbild für die Kathedrale (Maria Himmelfahrt), ein Gemälde für den Rathaussaal anlässlich der Unterzeichnung des Waffenstillstandes (Anbetung der Könige => symbolische Bedeutung: weltliche Mächte unterwerfen sich der Kirche). Die Bilder, die in dieser Zeit entstehen, orientieren sich in der feinmalerischen Technik und in der Farbkomposition häufig an den Werken Caravaggios. Privat jedoch muss Rubens schwere Schicksalsschläge hinnehmen. Seine Frau und seine Tochter werden von der Pest dahin gerafft. Er selbst bekommt seine ersten Gichtanfälle.
Kurz darauf arbeitet er für die höchsten Adelskreise und Regierungshäuser Europas, für die Habsburger und für die Medici und für das englische Königshaus. Für Charles I malt er eine Allegorie auf die gute Regierung, mit der James I, sein Vorgänger, glorifiziert werden sollte. Er bekommt Aufträge für umfangreiche und monumentale Bilderzyklen auch für Tapisserien. Der bekannteste Zyklus ist der Medici-Zyklus (heute in Paris, Louvre), dessen 2 x 24 (geplante) Gemälde die Geschichte und natürlich die Glorifizierung der französischen Regierung zum Thema haben. Besonders Maria de Medici - sie war die Auftraggeberin - wird darin als mythologische Heldin dargestellt, wobei historische und allegorische Szenen und Ebenen miteinander verbunden werden. Die Ölskizzen für diesen zwischen 1622 und 1625 entstandenen Zyklus sind heute in München zu sehen.

Ein solches Auftragsvolumen war natürlich nur mit einer gut funktionierenden Werkstatt zu bewältigen. Rubens beschäftigte zahlreiche Schüler und Gehilfen (darunter Anthonis van Dyck von 1616-1620), sowie selbständige Maler, die in seine Bilder z.B. Blumen, Tiere und Figuren hineinmalten. Rubens war mit den zwanziger und frühen dreißiger Jahren des 17. Jahrhunderts mit allen Bildgattungen der Zeit vertraut. Souverän, dynamisch und schwungvoll gestaltet er Historienbilder, d.h. biblische Szenen oder Motive aus der antiken Mythologie, Portraits, Reiterbildnisse, Landschaften. Man geht heute davon aus, dass etwa 3000 Gemälde aus der Rubens-Werkstatt hervorgegangen sind.

In den letzten zwölf Jahren lässt Rubens überwiegend die Mitglieder seiner Werkstatt arbeiten. Er selbst nimmt nur noch Aufträge an, die ihm eine Herzensangelegenheit sind, wie Portraits befreundeter Familien.

Mit 53 Jahren fällt Rubens noch einmal in einen Jungbrunnen: Er heiratet die 16-jährige Helene Fourment, bekommt 5 Kinder von ihr. Plötzlich ändern sich seine Bildthemen, sie werden deutlich privater: 1636 malt er z.B. eine Landschaft mit dem Landschloss Steen, dem Anwesen, in dem er selbst lebte. Bemerkenswerter noch ist ein Aktbildnis Helene Fourments, 'Das Pelzchen' von etwa 1635, das sich heute in Wien befindet. Die Farbigkeit in diesen späten Bildern ist deutlich zurückgenommen, der Farbauftrag wirkt deutlich spontaner.

Am 13.5.1640 stirbt Peter Paul Rubens als angesehener und wohlhabender, sogar adliger Mann an einem Gichtanfall. Allein sein Können hat ihm einen derartigen gesellschaftlichen Aufstieg ermöglicht. Zeitlebens war er ein einflussreicher Maler, der die Entwicklungen der Barockkunst nördlich der Alpen maßgeblich bestimmte.

Autorin: Beatrix Zumbült
Erstellt: Juni 2005


Links

Wichtige kulturelle Links finden Sie unter Institutionen

Weitere Informationen befinden sich im Dossier Malerei des 17. Jahrhunderts

Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers Malerei des 17. Jahrhunderts finden Sie unter Bibliographie

Gilles, Neret: Peter Paul Rubens, 2005.

White, C.: Peter Paul Rubens, Leben und Kunst, 1988.


  • RSS-Feed
  • Facebook
  • Twitter
  • RSS-Feed

Impressum | © 2015 NiederlandeNet
NiederlandeNet
Alter Steinweg 6/7
· 48143 Münster
Tel.: +49 251 83285-16 · Fax: +49 251 83285-20
E-Mail: