Niederlande-Wissen



Kultur - Personen A-Z


André Léon Marie Nicolas Rieu

*Maastricht, 1. Oktober 1949 – Walzerkönig, Musikproduzent, Orchesterleiter

André Rieu
André Rieu im Jahr 2010, Quelle: Karl-Heinz Meurer/cc by-sa

André Rieu polarisiert. Fans lieben seine modernen Interpretationen. Andere nennen seine Potpourris ein Vergehen an der klassischen Musik. Dennoch zählt der niederländische Violinist André Rieu zu den aktuell populärsten Geigern der Welt. Zu seinen bekanntesten Titeln gehören unter anderem „Love Theme - From Romeo And Juliet“, „And The Waltz Goes On“ und „Hava Nagila“.

André Rieu wurde am 1. Oktober 1949 in Maastricht geboren. Ermutigt von seinem Vater, dem damaligen Chefdirigenten des Limburger Sinfonieorchesters, begann André schon im Alter von fünf Jahren Geigenunterricht zu nehmen. Er hörte Mozart, Beethoven und Wagner. Die Beatles, so Rieu, gingen an ihm vorbei. Auch während der Schulzeit blieb sein Interesse an der klassischen Musik bestehen. So entschloss er sich 1967 für ein Musikstudium am Konservatorium in Lüttich. Dort entwickelte er seine Vorliebe für den Dreivierteltakt. Nach einigen Jahren in Lüttich folgten Studienaufenthalte in Maastricht (bis 1973) und Brüssel, wo er 1975 seine große Liebe Marjorie heiratete und sein Studium mit dem Erhalt der höchsten Auszeichnung „Premier Prix“ abschloss.

Nach seinem erfolgreichen Abschluss gründete Rieu das Maastrichter Salonorchester, mit dem er in den Niederlanden und Deutschland erste Bekanntheit erlangte. Zudem spielte er als Geiger im Limburger Sinfonieorchester. 1987 stellte André Rieu das „Johann-Strauss-Orchester“ zusammen und gründete mit seiner Frau die Firma „André Rieu Productions“. Das Orchester zählte anfangs nur zwölf Mitglieder, später sollte es aus bis zu 50 Mitgliedern bestehen.

Mit dem Album „Strauss & Co“ gelang Rieu 1994 der Durchbruch in den Niederlanden. Sehr beliebt war der Titel „Second Waltz“. Das Album hielt sich über ein Jahr in den Top 10 der niederländischen Albumcharts. Nach mehreren Auftritten im Fernsehen sowie in der Hamburger Musikhalle stürmte Rieu auch die deutschen Charts. Mehrfache Auszeichnungen mit Gold und Platin folgten. 1995 veröffentlichte Rieu die Alben „Wiener Melange“ und „André Rieu in Concert“. Beide Alben fanden sich in den Hitlisten vieler europäischer Länder wieder. Im gleichen Jahr wurde Rieu mit dem World Music Award in Monte Carlo ausgezeichnet. Die Medien feierten ihn als „Walzerkönig der Modernen“.

In den folgenden Jahren trieb er seine Karriere mit Konzerten rund um den Globus weiter voran. Der Erfolg schien kein Ende zu nehmen, Rieu füllte immer größere Konzerthallen. Dennoch hatte er immer wieder große finanzielle Sorgen. Schon 2003 standen Schulden im zweistelligen Millionenbereich im Raum. Die Krise war schnell überwunden, einige Jahre später folgte jedoch die nächste. Denn 2009 belief sich der neue Schuldenberg auf 34 Millionen Euro, nachdem er sich mit den Kosten für ein Bühnendesign für ein Konzert in Australien verschätzt hatte: „Ich wollte vor der Kulisse von Schloss Schönbrunn spielen, auf der ganzen Welt. Also habe ich es nachbauen lassen, in Originalgröße, mit echten Brunnen, Pferdekutschen, Ballett, Debütanten. Damit haben wir in den Stadien gespielt“, erklärte Rieu. „Es war absolut fantastisch, aber leider zu teuer.“ Zudem musste André Rieu wegen einer Viruserkrankung zwei internationale Tourneen absagen. Letztendlich konnte er sowohl die Schulden als auch seine Krankheit überwinden und wieder auftreten.

Anno 2015 tourt Rieu auch wieder durch Deutschland. Seine Auftritte erfolgen im Tagesrhythmus. Für die erfolgreiche Umsetzung beschäftigt er 130 Mitarbeiter. Neben den 40 Musikern des Orchesters ist zudem immer ein eigenes großes Transport- und Versorgungssystem mit Bühnenelementen, Beleuchtern, Toningenieuren und mehreren Köchen dabei. Instrumente und Kulisse sind in dreifacher Ausfertigung vorhanden. Rieu legt während seiner Konzerte viel Wert auf große Bühneneffekte.

Viele Freunde klassischer Musik sehen seine Interpretationen kritisch. Aus ihrer Sicht würde Rieu gerade die wichtigen, anspruchsvollen Teile einer Sinfonie herausnehmen. Auf die Frage, ob er auch mal eine ganze Beethoven-Sinfonie spielen würde, antwortete er in einem Interview mit der Nürnberger Zeitung im Januar 2014: „eine ganze Sinfonie nicht, das würde mich langweilen. Ich nehme den schönsten Teil daraus, wenn ich das machen würde. Ich würde einen Satz aus der Sinfonie nehmen, den kürzen und dann einen Hit draus machen“. Seine Stücke kommen auf jeden Fall gut an. Dafür sprechen über 35 Millionen verkaufte CDs und DVDs, 411 Platin- und 171 Gold-Auszeichnungen sowie jährlich eine Million Konzertbesucher.

Im Privatleben kann es sich André Rieu daher gut gehen lassen. Er wohnt in seinem eigenes Schloss in Maastricht, wo der Musketier D'Artagnan laut Überlieferung einstmals sein letztes Frühstück eingenommen hatte. Auf die Frage, was er im Leben noch erreichen wolle, antwortete Rieu: „Ich würde gerne einmal auf dem Mond spielen!"

Autor: Paul Hegers
Erstellt:
Februar 2015


Literatur

Alle bibliographischen Angaben im Bereich Kultur finden Sie unter Bibliographie

Links

Wichtige kulturelle Links finden Sie unter Institutionen

Offizielle Homepage: André Rieu


  • RSS-Feed
  • Facebook
  • Twitter
  • RSS-Feed

Impressum | © 2015 NiederlandeNet
NiederlandeNet
Alter Steinweg 6/7
· 48143 Münster
Tel.: +49 251 83285-16 · Fax: +49 251 83285-20
E-Mail: