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Fons Rademakers

*05. September 1920 in Roosendaal - †22. Februar 2007 in Genf - Filmregisseur, Produzent und Schauspieler

Rademakers
Empfang für den Oscar-Gewinner Fons Rademakers: Rademakers (Mitte) Harry Mulisch (links) und der Amsterdamer Bürgermeister Ed van Thijn im Jahr 1987, Quelle: NA (933-9957)

Im Gegensatz zu seinem Freund und Kollegen Paul Verhoeven ist der Regisseur, Produzent und Filmschauspieler Alphonse Marie Rademakers außerhalb der Niederlande nahezu unbekannt. Dabei schaffte er, was dem selbst in Hollywood erfolgreichen Verhoeven bis heute verwehrt blieb: Den Gewinn des begehrten Academy Awards (besser bekannt als Oscar) in der Haupt-Kategorie: Bester fremdsprachiger Film.

Geboren als Sohn eines Roosendaaler Gemeindesekretärs erlernte Rademakers in seiner Jugend zunächst das Handwerk eines Bühnenregisseurs und Schauspielers. 1955 – zu einem Zeitpunkt, als es in den Niederlanden noch keine akademische Ausbildung für Regisseure gab – erhielt er vom niederländischen Staat etwas Geld um sich im Ausland weiterbilden zu können. So wurde Rademakers Assistent bei Filmproduktionen von weltberühmten und wegweisenden Regisseuren wie Vittorio de Sica (Fahrraddiebe, Das Wunder von Mailand, Rom - Stazione Termini) und Jean Renoir (Die große Illusion, Bestie Mensch). Nach seiner Rückkehr in die Niederlande gab er 1958 sein Leinwanddebüt mit dem Spielfilm Dorp aan de revier (Village by the river), der als erster niederländischer Film überhaupt eine Oscarnominierung erhielt. Im Mittelpunkt des Films steht ein Dorfarzt, dessen unkonventionelle Methoden ihm Probleme mit der örtlichen Obrigkeit aber auch die Anerkennung der einfachen Bevölkerung einbringen.  

Im weiteren Verlauf seiner Karriere widmete Rademakers sich immer wieder Literaturverfilmungen. 1963 entstand Als twee druppels water auf Grundlade des in den Niederlanden sehr bekannten Weltkriegs-Romans De donkere kamer van Damokles (dt. Die Dunkelkammer des Damokles) des niederländischen Autors Willem Frederik Hermans. Der Film schildert eine Episode aus der Besatzungszeit im Spannungsfeld von Kollaboration, Widerstand und persönlicher Verantwortung und war bei den Filmfestspielen von Cannes für die Goldene Palme (Beste Regie) nominiert. 1966 folgte das Ehedrama Der Tanz der Reiher/Feuer auf der Haut (De dans van de reiger) nach einem Bühnenstück des flämischen Autors Hugo Claus. 1971 folgte mit dem Drama Mira ein außerordentlicher Publikumserfolg „mit künstlerischem Tiefgang“ (Paul Verhoeven) der, nach Meinung von Filmkennern, eine Blütezeit des niederländischen Films einläutete. Nach einem kurzen Ausflug ins Krimigenre (C.A.T.S.) im Jahr 1973 lieferte Rademakers 1976 eine aufwendige, in Indonesien und den Niederlanden gedrehte Filmversion des Multatuli-Klassikers Max Havelaaar ab. Die Geschichte aus der niederländischen Kolonialzeit in Indonesien fand auch international einige Beachtung, kam jedoch, aufgrund der mitunter überaus plastischen Darstellungen der kolonialen Gewaltherrschaft, in vielen ehemaligen kolonisierten und auch europäischen Kolonialländern erst wesentlich später in die Kinos. Der Film gewann Preise auf Filmfestspielen in Teheran, Neapel und Kopenhagen. Kameramann Jan de Bont feierte später als Kameramann (Stirb langsam, Jagd auf Roter Oktober, Lethal Weapon 2) und Regisseur (Speed, Das Geisterschloss, Tomb Raider – Lara Croft) beachtliche Erfolge in Hollywood.

Zehn Jahre – 1986 – später gelang Rademakers sein wohl größter Erfolg: Die Verfilmung des gleichnamigen Harry-Mulisch-Romans De Aanslag. Die Lebensgeschichte des Anton Steenwijk, dessen Familie von den deutschen Besatzern als Repressalie für den Anschlag auf einen niederländischen Nationalsozialisten, an dem sie nicht beteiligt waren, ermordet wurde, spiegelt gleichzeitig die Phasen und Facetten der Aufarbeitung der niederländischen Besatzungszeit zwischen 1945 und 1980. Neben zahlreichen niederländischen Preisen gewann der Film 1987 nicht nur den Golden Globe sondern auch einen Oscar in der Kategorie ‚Bester fremdsprachiger Film‘. Sein letzter Regiebeitrag war die 1989 gedrehte internationale Produktion The Rosegarden mit Maximilian Schell, Peter Fonda und Liv Ullmann.  

Zu Beginn der 90er Jahre zog sich Rademakers aus dem Filmgeschäft zurück und verbrachte die restlichen 17 Jahre seines Lebens in Rom, Frankreich und der Schweiz. Er starb am 22. Februar 2007 86jährig in einem Genfer Klinikum an den Folgen eines Lungenemphysems.

Autor: Christian Kuck
Erstellt:
August 2011


Literatur

Alle bibliographischen Angaben im Bereich Kultur finden Sie unter Bibliographie

Bernink, Mieke: Fons Rademakers. Scènes uit leven en werk, Abcoude 2003.

Claus, Hugo: Ode aan Fons Rademakers, Amstelveen 1989.

Hermans, Willem Frederik: Fons Rademakers. Literatuur als film, Utrecht 1984.

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