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Sylvie Meis

*Breda, 13. April 1978 - Fernsehmoderatorin, Model und ehemalige „Spielerfrau“

SylviemeisSylvie Meis im Oktober 2012, Quelle: Michael Schilling/cc-by-sa

Sylvie Meis hat schon sehr früh verstanden, wie Medien funktionieren und wie man sie geschickt für sich nutzt. Im Februar 2015 schaffte sie es etwa dadurch auf die Titelseiten des Boulevards, indem sie ohne Einladung zu einer der glamourösen Oscar-Partys nach Hollywood reiste und sich zeitlich passend vor dem wohl berühmtesten Schriftzug der Welt fotografieren ließ. „Ich würde gerne auch schauspielern“, sagte sie kurz darauf in einem ihrer vielen Videos. Später erschienen Fotos, die sie mit einem angeblichen Produzenten zeigen. Und dank guter Kontakte schritt sie beim etwas weniger bedeutenden Independent Spirit Award dann auch noch über den roten Teppich. Weitere Fotos folgten, die Gerüchteküche war entfacht. „Ist Sylvie zu sexy für Hollywood?“, titelte die Bild-Zeitung in ihrer Online-Ausgabe. Andere Medien spekulierten über mögliche Rollen und was dies für ihre Engagements in Europa bedeuten würde. Aus Sicht der jungen Moderatorin war die Reise ein weiterer PR-Erfolg für kleines Geld. Das Beispiel zeigt aber auch, dass Meis selbst nach vielen erfolgreichen Jahren im Showgeschäft noch täglich an ihrer Karriere feilen muss.

Wie schnell die Schlagzeilen ins Negative gleiten können, hat sie schon mindestens einmal erfahren. Und attraktive Blondine hin oder her – auf eine weitere Prominente, die von einer Gala zu nächsten jettet, hat kaum ein Geldgeber gewartet. Doch die inzwischen 36-Jährige hat sich ihr klick-freudiges Publikum und damit ihre treuesten Fans selbst schaffen. In guten wie in schlechten Zeiten versorgt sie ihre Anhänger täglich mit Details aus ihrem Leben. Da wären Aufnahmen von ihr und ihrem schlafenden Sohn Dámian, Bilder von ihr in erotischer Unterwäsche, ganze Fotostrecken von schönen Stunden am Strand und perfekt inszenierte Selfies mit anderen Sternchen. Sylvie Meis lebt das Leben, das sich vermutlich Millionen Frauen auf der ganzen Welt wünschen und mithilfe von Social Media lässt sie alle daran teilhaben. Dabei sieht es für den Betrachter so aus, als wäre Sylvie Meis nur die beste Freundin, die kurz ein paar Urlaubsgrüße in die Heimat sendet. Eine junge Frau aus unserer Mitte, die es in die angesagten Frauenzeitschriften geschafft hat. Eine, mit der man Pferde stehlen kann und eine, der man den Ruhm gönnt.

Noch zu Beginn des Jahrtausends war Sylvie Meis tatsächlich noch ein ganz normales Mädchen aus Breda. Mit damals 18 Jahren absolvierte sie zunächst eine Ausbildung im Personalmanagement. Dann folgten erste Jobs als Model. „Ich glaube, dass ich Leute glücklich machen kann“, schrieb sie einst über sich selbst. Die Glitzerwelt war interessanter als der Bürojob in Nordbrabant. Doch mit einer Größe von nur 1,58 Metern blieb ihr die große Karriere auf dem Catwalk verwehrt. Ihr Ehrgeiz aber war gepackt, weshalb sie 2003 an einem Moderatoren-Casting des niederländischen Senders TMF teilnahm – mit Erfolg. In den nächsten Jahren moderierte Meis die Sendung „Fox Kids“. Zusätzlich übernahm sie eine Rolle in der beliebten Strand-Soap „Costa!“ Bei den jährlichen TMF-Awards durfte Meis sich dann erstmals in ihrem bevorzugten Metier austoben, nämlich in der Welt der Stars und Scheinwerfer. Sie interviewte unter anderem Britney Spears und Kylie Minogue, spielte in Videoclips mit und brachte 2006 ihre eigene Schmuckkollektion „Pure by Sylvie“ auf den Markt. Spätestens in dieser Phase wurde die Sylvie Meis geboren, die man heute kennt.

Gleichzeitig wurde ihr Name auch in Deutschland ein Begriff. Einen großen Bekanntheitsschub erlangte sie durch die Heirat mit dem Fußballspieler Rafael van der Vaart, dessen Familiennamen sie auch annahm. Als sich die beiden kennenlernten, konnte Sylvie Meis mit dem Namen van der Vaart nicht viel anfangen. Wie sie später selbst zugab, musste sie ihren späteren Ehemann erst einmal googeln. Zum 25. Geburtstag schenkt er ihr ein Trikot von Ajax Amsterdam, auf dem der Name Meis aufgestickt war, dazu die Nummer 25. „Damit hat er mich rumgekriegt“, erzählte sie in einer Illustrierten. Ob die Geschichte wirklich so abgelaufen ist oder nicht spielt keine Rolle. Die Hochzeit wurde zum medialen Ereignis und live im niederländischen Fernsehen übertragen. Das Paar zog nach Hamburg und wurde dort Teil des öffentlichen Lebens. Die beiden schlenderten verliebt über den Jungfernstieg, gingen einkaufen, genossen das Leben. Schließlich erklärten sie Hamburg für „van der Vaart-würdig“, Die Presse liebt genau diese Art von Promis. Von den europäischen Beckhams war lange Zeit die Rede. Ein Traumpaar – jedenfalls für den Moment.

Doch Sylvie Meis wurde in den Medien fortan häufig unter „Spielerfrau“ geführt. Auch bei der deutschen Bevölkerung war dies oft die erste Assoziation, denn zu der Zeit moderierte sie nicht. Dabei wird die Bezeichnung ihr nicht gerecht. Sie dürfte ihr auch nicht gefallen haben, denn Spielerfrauen, sind für gewöhnlich junge Dinger, die nur wenige Leute kennen und deren Rolle sich häufig genug darauf beschränkt, gut auszusehen. Sylvie Meis dagegen ist eine eigene, starke Persönlichkeit, die bereits einige Höhen und Tiefen erlebt hat. Ein schwerer Schlag traf sie 2009. Ihr Mann war zum Verein Real Madrid gewechselt, der sportliche Erfolg blieb aus. Sylvie Meis bekam zur gleichen Zeit die Diagnose Brustkrebs. „Es war die schlimmste Zeit meines Lebens“, sagte sie später. Gleichzeitig gestand sie, lange Zeit Essstörungen gehabt zu haben. „Ich trug immer lange Pullover, um meinen Gewichtsverlust zu verdecken“, erzählte sie einem Frauenmagazin. Kritiker behaupten bis heute, dass Essstörungen und Krebserkrankung nur vorgespielt waren, um mediale Aufmerksamkeit zu erzeugen. Belegen lässt sich nicht das aber nicht.

Genützt hat ihr die Berichterstattung dafür in jedem Fall. Nur wenige Monate später – der Krebs war mittlerweile besiegt – kehrte Sylvie Meis zurück in die Öffentlichkeit. Mit neuer Kurzhaarfrisur übernahm sie einen Jurorenposten in der RTL-Sendung „Das Supertalent“. Im Anschluss tanzte sie sich gemeinsam mit Daniel Hartwich durch die Show „Let's Dance“, die sie 2015 bereits zum fünften Mal in Folge moderiert. Zwischendurch traf das Schicksal Sylvie Meis jedoch erneut außerordentlich hart. Am Silvesterabend 2012 ohrfeigte Rafael van der Vaart seine Frau vor allen Partygästen. Später wurde bekannt, dass der Profi-Fußballer ein Verhältnis mit Sylvies bester Freundin hat. Ein Rosenkrieg entbrannte, bei dem alle Seiten austeilten. Die Klatschpresse hatte ihre Freude an immer neuen Details, die über das wechselhafte Liebesleben aller Beteiligten bekannt wurden. „Ich sitze zuhause und weine“, gab sie öffentlich zu. Sylvie Meis stürzte sich in mehrere Affären. Es folgte eine kurze Beziehung zu dem Unternehmer Samuel Deutsch. Am 2. Januar 2013 gab ein Anwalt die Trennung von Rafael van der Vaart bekannt. Die Scheidung folgte am 4. Oktober 2013.

Seit diesem Zeitpunkt trägt die Moderatorin wieder ihren Mädchennamen Meis. Es scheint so, als hätte sie damit auch wieder zu ihrer alten Stärke zurückgefunden. Die „Sexiest Woman“ der Niederlande 2003 arbeitet unter anderem als Werbefigur für den niederländischen Konzern Philips. Gleichzeitig präsentiert sie Dessous von Hunkemöller und engagiert sich bei diversen Wohltätigkeitsaktionen – unter anderem bei der Brustkrebs-Vorsorge und der Deutschen Knochenmarkspenderdatei. Viel Zeit investiert Meis weiterhin in ihre Online-Aktivitäten. 259.000 Menschen folgen ihr mittlerweile auf Twitter, 216.000 sind Fan ihrer Facebook-Seite, 88.000 Nutzer klicken sich durch ihre Instagram-Bilder. Sylvie Meis weiß, dass man so eine große Anhängerschaft bei der Stange halten muss. Zuletzt gab es daher exklusive Einblicke in die Produktion ihres neuen Werbevideos, Hinter-den-Kulissen-Bilder und reichlich Bikini-Fotos. Einträge auf Niederländisch findet man allerdings nicht. Das internationale Publikum spricht nunmal Englisch. Und Sylvie Meis ist halt ein Vollprofi im heiß umkämpften Mediendschungel.

Autor: Felix Rentzsch
Erstellt: Februar 2015


Links

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Offizielle Homepage www.sylvie-meis.eu

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Literatur

Alle bibliographischen Angaben aus dem Kulturbereich finden Sie unter Bibliographie


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