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Rem Koolhaas

*Rotterdam, 17. November 1944 - Architekt

Rem KoolhaasRem Koolhaas, Quelle: NA (933-8713)

Die moderne niederländische Architektur beginnt bei Rem Koolhaas. Sein Office for Metropolitan Architecture (OMA) gilt als wichtigste Inspirationsquelle tonangebender Architekten. Fast alle namhaften Büros sind aus OMA hervorgegangen: MVRDV, Kees Christiaanse, DKV und Ben van Berkel. OMA, das 1979 gegründet wurde, galt als das Zentrum für innovative Architektur.

Koolhaas, in den 70er Jahren Gastdozent an der Technischen Universität in Delft, habe als erstes „untersuchend entworfen“. „Er hat sich selbst Aufträge gegeben, Problemstellungen bearbeitet und eine Problemanalyse gegeben“, erzählt Rijn van der Lucht vom Architekturinstitut in Rotterdam (Nai). Nicht alle Entwürfe seien letztendlich in ein Gebäude eingeflossen, „aber diese Arbeiten haben großen Einfluss auf seine Kollegen gehabt“, so van der Lucht. Lange Zeit war OMA vor allem berühmt für seine Entwürfe. Erst in jüngster Zeit setzt sich Koolhaas auch mit Gebäuden ein deutliches Denkmal. Die niederländische Botschaft in Berlin wird als „richtungweisend“ gepriesen. Der Television-Turm in Peking soll die Krone seines Lebenswerkes werden.

Rem Koolhaas studierte in London und New York und gründete 1975 OMA. Zu Beginn arbeitete er vor allem für Architekturwettbewerbe, denn konkrete Aufträge gab es noch nicht. Die kamen später. Seine Arbeiten wurden in Galerien und Museen ausgestellt und machten international Furore. Er bekam Kontakt zu Aldo Rossi, John Hejduk und Oswald Matthias Ungers. An Publizität mangelte es nicht. Wohl an Aufträgen. Koolhaas baute das Polizeigebäude in Almere und den Busbahnhof in Rotterdam. Große Aufträge waren Mitte der 80er Jahre noch nicht dazwischen. 1987 sollte sich dies langsam ändern. Koolhaas wurde gebeten, das Tanztheater in Den Haag und den IJ-Plein in Amsterdam-Nord zu entwerfen. Und Koolhaas nutzte die Chance. Sein Konzept lockte den niederländischen Städtebau aus seiner Lethargie, erkennbar an Kleinheit und Strukturalismus: Lang gestreckte Wohngebäude, urbane Villen und die „Gartenstadt“ gehörten zu seinem Entwurf.

Aber der Erfolg wuchs nicht in den Himmel. Koolhaas und OMA hatten Rückschläge hinzunehmen. Das Gefängnis von Arnheim wurde nach jahrelangen Vorbereitungen nicht gebaut, das Rathaus von Den Haag und das Niederländische Architekturinstitut wurden an andere Architekten vergeben.

Zwischen 1988 und 1992 baut Koolhaas die Rotterdamer Kunsthalle, sein wichtigstes Projekt, wie er selbst sagt. Und ein Gebäude, das sehr starken Widerstand hervorrief: Die einen rühmen Koolhaas für seine intelligente Art verschiedene Elemente miteinander zu verbinden. Kritiker finden die vielen Plastikplatten fürchterlich und halten die Ausstellungsräume für zu steril. Niemand könne den Eingang finden.

OMA war immer international ausgerichtet und beteiligte sich an Projekten auf der ganzen Welt. Die neue Infrastruktur in Lille, der Bau des Kanaltunnels und des TGV, wurden von OMA in die richtigen Bahnen gelenkt. Einen neuen Meilenstein setzte Koolhaas durch den Entwurf des Guggenheim-Museums in Las Vegas und den Modelshowroom für den Modekonzern Prada in New York.

OMA gilt in den 80er Jahren als Laboratorium für moderne Architektur. Junge Architekten aus der ganzen Welt versammeln sich in Rotterdam um Studien, Pläne und Ideen auszutauschen und zu erarbeiten.

Das Jahr 2004 ist ein Koolhaas-Jahr. Mit zwei großen Ausstellungen in Rotterdam wird das Werk von Koolhaas gewürdigt. Fünf wichtige Bauwerke werden in diesem Jahr fertig: darunter die Bibliothek in Seattle, das Casa da Musica in Los Angeles und ein Campusgebäude in Chicago. Die neue Botschaft in Berlin betrachtet Koolhaas im Gespräch mit der Financial Times scherzhaft als „erstes wichtiges Gebäude.“

Fast alles was OMA baut, lockt die Architekturtouristen. „Koolhaas ist für die Architekturwelt ein Held“, schreibt Bob Witman von der Volkskrant. Gleichwohl, Koolhaas wird als schwer zugänglicher Mensch beschrieben: „Er ist ein genialer Architekt, aber er mag keine Menschen“, sagte einst Wim van Krimpen, Direktor der Rotterdamer Kunsthal. Koolhaas selbst weist diese Kritik weit von sich: „Wenn ich keine Menschen mochte, könnte ich auch rfkein Architekt sein“, so Koolhaas zur Volkskrant. Der unmenschliche Eindruck mag in seiner direkten Art begründet sein. Passt ihm etwas nicht, stellt er direkte Gegenfragen: „Architekten werden heute immer nach ihrer Meinung gefragt. Als ob Menschen immer alles vorgekaut bekommen müssen. Als ich meine Ausstellung „Contact“ in Berlin eröffnete, besuchten deutsche Architekturkritiker Contact ohne mich nach meiner Meinung zu fragen. Ohne selbst mit mir sprechen zu wollen. Sie schauten und schrieben auf was sie sahen. Das war sehr altmodisch, angenehm altmodisch.“

An Koolhaas scheiden sich die Geister. Der Mensch müsse sich an das Gebäude anpassen hat Koolhaas einst gesagt. Gebäude und Benutzer zwingt er zu einer Hass-Liebe. Beschwerden über eine schlechte Akustik in der Berliner Botschaft oder tropfende Dächer in der Kunsthal Rotterdam lässt er nicht gelten.

Koolhaas wird immer Kontroversen auslösen und das weiß er auch. Bereits 1978 formulierte er seine Maxime: „Alle Meisterwerke des Konstruktivismus, des Surrealismus, des Expressionismus, Faschismus und vielleicht alle –ismen der Welt befinden sich in New York. Ich weiß, diese Gefühle löst man nicht auf, indem man sie negiert. Und das tut die Architektur zurzeit. Der Geist ist nun einmal aus der Flasche und es ist unmöglich ihn zurück zu drängen. Alle Ausdrucksformen sind brauchbar für eine respektable Kultur und jede moderne Kultur muss sich damit auseinander setzen.

Autor: Andreas Gebbink
Erstellt: Januar 2005


Links

Wichtige kulturelle Links finden Sie unter Institutionen

Weitere Informationen befinden sich im Dossier Architekturpolitik

Architekturbüro von Rem Koolhaas Office for Metropolitan Architecture (OMA)

Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers Architekturpolitik finden Sie unter Bibliographie


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