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Jacob Isaaksz van Ruisdael

*Haarlem, um 1628 - †Haarlem, 14. März 1682 - Maler

Jacob van Ruisdael war sicher Schüler seines Vaters Isaak, hat aber wahrscheinlich auch bei seinem Onkel Salomon gelernt, ist jedoch in der Rückschau bedeutender als dieser. Jacob war außerdem deutlich reiselustiger als sein Onkel, es ist bekannt, dass er in den fünfziger Jahren bis in die Normandie reiste, bis er sich schließlich um 1655 in Amsterdam niederließ. Was uns heute überrascht, ist, dass Ruisdael offenbar seit 1676 auch als Arzt tätig gewesen sein muss. Es mag mit der zunehmenden Beschäftigung in der Arztpraxis und einer beginnenden Krankheit zusammenhängen, dass seit den späten siebziger Jahren nur noch wenige Bilder entstehen.

Van Ruisdael war ein Fachmaler reinsten Wassers und verfertigte nur Landschaftsstücke. Er konstruierte seine Landschaften nicht ausschließlich im Atelier, sondern verband das 'Landschaftsportrait' der Haarlemer Gegend mit allegorischen und symbolischen Botschaften hinsichtlich der Reise des Menschen durch die wechselvollen Fährnisse des Lebens. Später, als seine Landschaften in Farbigkeit und Komposition deutlich dramatischer werden, verbindet er einzelne reale Motive zu Phantasielandschaften. Hier kombiniert er oft einzelne Bäume mit kräftigen Grüntönen quasi als Individuen zu markanten Reihen, über denen sich ein dramatisch bewölkter Himmel wölbt. Bewegte Bachläufe kontrastieren vor den Baumreihen mit sanften Hügeln, wobei eine oder mehrere kleine Staffagefiguren in der mächtigen Landschaft verschwinden. Der Kontrast von Ruhe und Bewegung führt zu einer spannungsreichen Dynamik, die ein Verweilen vor dem Bild motiviert.

Immer wieder hat Jakob van Ruisdael die Bleichen vor Haarlem gemalt. Er wählte für diese Stadtansicht eine erhöhte Düne, die einen entsprechenden Ausblick erlaubte. Besondere Aufmerksamkeit schenkte der Maler dabei dem sich stets wandelnden Licht und Schattenspiel auf den Feldern, das durch die veränderlichen Wolkenformationen stets neu entsteht und dieselbe Landschaft in unterschiedlichen Stimmungen erscheinen lässt. Nicht nur mit diesem Verfahren hat er die Impressionisten des 19. Jahrhunderts beeindruckt, die ihm teilweise darin folgten.

Mithin das berühmteste Bild van Ruisdaels ist die Landschaft mit der Mühle von Wijk, das um 1670 entstanden ist und sich heute im Amsterdamer Rijksmuseum befindet (weitere Fassungen hängen z.B. in Zürich und Detroit). Wenngleich der Maler mit dem Bildausschnitt eine reale Topographie wählte, ging es ihm wohl kaum um ein einfaches 'Landschaftsportrait', sondern vielmehr um eine allgemeingültigere Bildaussage, die mit einem gehörigen Patriotismus zu verknüpfen ist, denn die einzelnen Landschaftsmotive sind eher typisch als speziell. Der Ausschnitt mit der Landzunge rechts und der Übergang zur offenen See links verbindet bereits zwei zentrale Topographien der niederländischen Küstenprovinzen. Eine einfache Windmühle, gegeben in monumentalisierender Untersicht, steht zeichenhaft für den technischen Fortschritt des Landes. Die Windmühle weist den Segelbooten beinahe wie ein Leuchtturm den Weg durch die See, denn sie dominiert die Komposition durch Größe und Lichtführung. Land und Meer werden von einem beeindruckenden wolkenverhangenen Himmel überfangen, wie er sich so - so mag van Ruisdaels Aussageabsicht gewesen sein - nur über der Küste der Niederlande zeigt. Der Betrachter wird durch den gewählten Standpunkt und die Untersicht der Windmühle unmittelbar in die Landschaft einbezogen. So transformiert der Maler landschaftliche und natürliche Phänomene zu bildhaften Zeichen einer entstehenden nationalen Identität, nicht ohne Stolz, wie dieses Gemälde zeigt.


Autorin:
Beatrix Zumbült
Erstellt: Juni 2005


Links

Wichtige kulturelle Links finden Sie unter Institutionen

Weitere Informationen befinden sich im Dossier Malerei des 17. Jahrhunderts

Literatur

Alle bibliographischen Angaben im Bereich Kultur finden Sie unter Bibliographie

Imdahl, Max: Jakob van Ruisdael, Die Mühle von Wijk, Stuttgart 1968.

Walford, E.J.: Jacob van Ruisdael and the Perception of Landscape, New Haven/London 1991.


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