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Chantal Janzen

*Tegelen, 15. Februar 1979 – Musicaldarstellerin, Schauspielerin und Moderatorin

Chantal JanzenChanzal Janzen im Dezember 2009, Quelle: Rob van Hilten/cc-by-sa

Mutter, Musicaldarstellerin, Schauspielerin, Moderatorin – so und in der Reihenfolge sieht Chantal Janzen sich selbst. Mit ihren ersten Fernsehauftritten in Deutschland versuchen die Deutschen nun, eine weitere niederländische Blondine in der deutschen Medienlandschaft einzuordnen. Eine neue Linda de Mol? Oder eher eine Sylvie Meis? Beides nicht! Vom Charakter eher eine Linda, vom Alter eher eine Sylvie. In den Niederlanden ist sie derzeit der beliebteste TV-Star, wurde 2014 mit dem Zilveren Televizier-Ster ausgezeichnet und von ComedyCentral zur witzigsten Fernsehmoderatorin ernannt.

Janzen begann ihre Karriere als Musicaldarstellerin. Nach dem Studium von Tanz und Schauspiel an der Amsterdamer Hochschule der Künste, steht sie seit dem Jahr 2000 auf der Musicalbühne. 2002 bekam sie die ersten Auszeichnungen als Musicaltalent für ihre Hauptrolle in Saturday Night Fever, 2005 folgte ein Musical Award für die beste weibliche Nebenrolle in Crazy for You. Es folgten weitere Hauptrollen in großen Musicals wie Beauty and the Beast, Tarzan und im Jahr 2010 wurde eigens ein Musical für sie geschrieben: Petticoat. 2011/2012 war sie in Wicked als Gute Hexe des Nordens zu sehen, dann folgte die Hauptrolle des niederländischen Musicals Hij Gelooft in Mij. 2013 gewann sie damit den Musical-Award für die beste weibliche Hauptrolle, das Musical erhielt noch drei weitere Preise. Trotz des Erfolgs tut sich Janzen mit der Bezeichnung Musicalstar schwer. Musicaldarstellerin ja, aber ein Star?

Ein zweites Standbein baute sie sich als Moderatorin auf. Zunächst bei AVRO, seit 2008 bei RTL4, führte sie durch große Shows, moderierte Sendungen wie Idols, Beat the Best, Everybody Dance Now, De Jongens Tegen De Meisjes, saß in der Jury von Holland’s got Talent, dem niederländischen Äquivalent zum deutschen Supertalent und durfte auch bei der Dankesfeier zur Verabschiedung für Königin Beatrix durch das Programm führen. Neben einer Ladung Selbstironie ist immer auch ein wenig Ironie anderen gegenüber dabei – und damit ähnelt sie eher einer Linda de Mol dann einer Sylvie Meis. Das stößt allerdings nicht immer auf Gegenliebe. 2008 trat die ehemalige Hockeyspielering Fatima Moreira de Melotrat bei der Gouden Televizier-Ring Gala, der Verleihung des wichtigsten niederländischen Fernsehpreises, als Sängerin auf. Janzen kommentierte ihren Auftritt mit den Worten: „Was kann sie doch Hockey spielen!“ Moreira de Melotrat nahm ihr das übel, Anwesende und Publikum waren begeistert. Der Vorfall wurde zum Fernsehmoment des Jahres 2008 gewählt. Janzen sagte selbst: „Das ist so eine große Sache geworden. Ich komme vom Theater. Bei uns ist die Kultur von Selbstironie schon viel weiter verbreitet. Beim Fernsehen ist das noch nicht so, nicht so wie in Amerika. Wenn man sich eine amerikanische Preisverleihung anschaut, dann geht das da nur so zu. Echt toll. Die Stars werden verherrlicht im Fernsehen, und genau darum treibt ein Gastgeber seinen Spott mit ihnen.“

Janzen liebt vor allem Spielshows mit Prominenten und solche Sendungen, in denen die Promis ihr wahres Ich zeigen müssen. Dort stellt sie auch regelmäßig ihr komisches Talent unter Beweis, ebenso wie in ihrer eigenen Sendung Chantal blijft slapen, was so viel bedeutet wie „Chantal bleibt über Nacht“. Darin begleitet sie niederländische Promis in ihrem Alltag, schaut in deren Schlafzimmer und Schränke, filmt die Promis beim Schlafen und am Frühstückstisch und rutscht auf einer Matratze eine Treppe herunter.

Das Multitalent wird für ihre Vielseitigkeit geschätzt und will am liebsten alles machen. Wenn das aus Termingründen nicht klappt, treibt sie damit ab und an auch ihre Mitmenschen in den Wahnsinn. „Ich bin jemand, der schwer loslässt. Dann schreibe ich noch 86 SMS, ob es nicht anders geht.”

Abenteuer Deutschland
2014 unterschrieb Janzen einen Vertrag beim deutschen Fernsehsender Sat.1. Zunächst soll sie ab dem Frühjahr 2015 The Voice Kids moderieren, später könnten weitere Sendungen folgen. Das Land kennt sie vor allem aus dem Urlaub an der Mosel mit ihren Eltern und aus dem Alltag – sie ist nicht weit von der deutschen Grenze aufgewachsen. Dennoch frischte sie zur Vorbereitung ihre Deutschkenntnisse noch einmal auf, bei den Nonnen von Vught. Wenn man eine Sprache schnell und gut lernen will, dann hier.

Über die neue Herausforderung sprach sie auch mit Freundin Linda de Mol, die bereits Erfahrung im deutschen Fernsehen hat. Diese sprach ihr Mut zu. „Ich verstehe, wie sie sich fühlt. Beim ersten Mal saß ich fast kotzend hinter den Kulissen“, erinnert sich de Mol. „Es war schwerer als gedacht“, erzählt Janzen selbst von ihrem ersten Auftritt. „Ich habe meinen Freunden Nachrichten geschickt, warum in Gottesnamen ich das wollte.“ Nach den ersten Aufnahmen wurde ihr bewusst, was für eine Aufgabe sie sich da ausgesucht hatte. Sie begleitet die Kandidaten, auch hinter der Bühne und versucht den Kindern, Angst und Aufregung zu nehmen. Dabei geht es nicht um das Vorlesen von Moderationskarten oder vom Teleprompter, sondern um Smalltalk. „Das ist das Schwierigste in einer anderen Sprache.“ Es ist aber auch nicht immer von Nachteil, Fehler zu machen. Die Kandidaten sind selbst nervös, wenn die Moderation dann ein falsches Wort sagt, kann das auch von Vorteil sein, so Janzen. Mittlerweile fühlt sie sich wohl in Deutschland. Trotzdem pendelt sie weiterhin zwischen Amsterdam und Berlin.

Privates
Im Dezember 2014 heiratete Janzen in London Marco Geeratz, die beiden haben einen gemeinsamen Sohn (James). Außerdem brachte ihr Mann drei Kinder in die Ehe - einen Sohn und zwei Töchter zwischen 16 und 24. „Ich finde übrigens, dass es gar nicht schlecht ist, Stiefmutter zu sein. Der Begriff ist leider negativ besetzt, dabei gibt es die bösen Stiefmütter doch nur im Disney-Film. Für mich sind meine Stieftöchter wie Freundinnen – und ich bin für sie eine Ratgeberin. Denn wenn es um Jungs geht, sprechen sie viel lieber mit mir als mit ihren Eltern.“

Ihren Mann lernte Janzen bereits als Teenager kennen – auch er kommt aus Tegelen. 2006 trafen sie sich zufällig in Amsterdam und es funkte. Geeratz hat sein eigenes Unternehmen aufgebaut und bietet für Janzen einen Rückzugspunkt. 2013 brauchte er dann ihre Unterstützung: Er kämpfte mit einem Burnout. Dabei lernte er, dass sein Unternehmen auch lief, wenn er nicht da war. Seitdem ist er relaxter, so Janzen.
Trotz ihres Erfolgs, von Starallüren keine Spur. In ihr scheint eher noch das Mädchen von früher zu stecken, mit Brille, komischem Haar und falschem Make-up. Selbstkritik, ein gewisser Perfektionismus und das Bedürfnis, die Kontrolle in den eigenen Händen zu behalten, hält sie auf dem Boden. Eigentlich ist Janzen niemand, der gerne im Rampenlicht steht – die Bühne dagegen ist ihre Welt. An Applaus, rote Teppiche und Menschen, die sie auf der Straße erkennen, musste sie sich erst gewöhnen. „Das gehört dazu“, sagt sie selbst. Auch vor der Kamera musst sie erst lernen, sie selbst zu sein. „ Ich bekam viele Kommentare als ich mich früher anders benahm im Fernsehen, von wegen ‚Du musst du selbst sein‘. Das musste ich echt lernen.“ Die Kritik anderer nimmt sich Janzen sehr zu Herzen, betrachtet sich selbstkritisch und versucht sich weiterzuentwickeln. Für eine Rolle, die sie wirklich will, ist sie bereit hart zu arbeiten. Dabei ist sie perfektionistisch und will möglichst viele Dinge kontrollieren. Am liebsten hat sie „die Fernbedienung in ihren Händen“. Das zeigt sich auch privat: Bei ihrer Hochzeit wollte sie keine Überraschungen und auch bei ihrem Junggesellinnenabschied wollte sie lieber nicht im Pin-up- oder Hasenkostüm auf einem Bierfahrrad durch Amsterdam fahren.

Ein bisschen wirkt ihr Leben wie ein Märchen: Vom Mauerblümchen zum Star. Vielleicht macht gerade das sie so sympathisch: Sie ist noch immer das Mädchen von nebenan, möchte in ihrem Heimatdorf Tegelen lieber mit dem üblichen Akzent angesprochen werden und hinterfragt, was sie tut. Und vor allem: sie nimmt sich selbst nicht wichtig, nennt sich selbstironisch einen „komischen Musicalfreak“ und erzählt offen aus ihrem Leben. Man hat den Eindruck, sie ist echt. Sie ist die Frau von nebenan geblieben. Der Typ Mensch, mit dem man als Mann und als Frau einen tollen Abend im Café hat. Dass sie dann zufällig wunderschön ist, ach das nimmt man ihr als Frau nicht einmal übel. Weil sie selbstironisch ist und herzhaft lachen kann. Und weil sie sich nicht schämt sich selbst von ihrer weniger schönen Seiten zu zeigen.

Autorin: Kerstin Kontny
Erstellt: Februar 2015


Links

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Offizielle Homepage www.chantaljanzen.nl

Offizielle Facebookseite Chantal Janzen Official

Literatur

Alle bibliographischen Angaben aus dem Kulturbereich finden Sie unter Bibliographie


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