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Jan Jansen

* Nimwegen, 6. Mai 1941 - Schuhdesigner

Seine Markenzeichen sind Extravaganz, originelle Schnitte, subtile Details und außergewöhnliche Materialien. Damit machte sich der niederländische Schuhdesigner Jan Jansen einen Namen, der ihn bis heute als einen der Bekanntesten seiner Zunft im eigenen Land und darüber hinaus auszeichnet. 1941 im gelderländischen Nimwegen geboren, wurde ihm der Schuh-Tick bereits in die Wiege gelegt. Schließlich war sein Vater Verkaufsleiter einer ortsansässigen Kinderschuhfabrik und konnte dieser schon früh bei dem Buben die Leidenschaft für Schuhe wecken. Um das Handwerk von der Pieke auf zu lernen, ging Jansen als Zwanzigjähriger für ein halbes Jahr nach Rom, wo er bei Follie, D'Alco und Albanese lernte, Schuhe von Hand zu fertigen. Zurück in den Niederlanden gründete er 1963 sein eigenes Haute Chaussure-Atelier Jeannot, das die Amsterdamer Avantgarde belieferte, während er gleichzeitig als Designer im Hintergrund Kreationen für Dior und Carel entwarf.

Karriere

Mit den „Woddies“, Clogs aus buntem Oberleder, das mit Nieten an der hölzernen Plateausohle befestigt wurde, wurde Jansen Ende der 1960er Jahre zunächst im eigenen Land populär. Im Wortsinn, denn das Volk liebte ihn für diesen wahrlich holländischen Schuh. 1975 dann konnte die niederländische Fertigungsfirma Arthé mit dem „Golden clog“ für den Verkauf von 100.000 Paaren (damals, heute weit mehr als eine halbe Million) auch den internationalen Erfolg feiern. Seinen Durchbruch als innovativer Designer hatte Jansen jedoch mit dem Bambus-Schuh, einer offenen Brücken-Konstruktion aus Rattan, den er 1973 auf der Semaine de Cuir in Paris präsentierte. Seitdem arbeitet er im Auftrag internationaler Schuh-Labels wie Charles Jourdan, Dior, Prada und Gucci. Aber auch eigene Kollektionen kommen regelmäßig zum Zug. 1981 kreierte er mit „Bruno“ einen scheinbar flachen Unisex-Schuh mit innenliegendem Keil, der zum bis heute meist verkauften und vielfach kopierten Jansen-Modell avancierte.

Daneben verlieh Jansen einigen Herren-Klassikern wie etwa dem Brogue mit Dalmatiner- oder Geparden-Druck, abnehmbarer Gamasche sowie einem Materialmix aus Lack- und Glattleder, ein neues Antlitz. 1989 schrieb er mit der Erfindung eines absatzlosen Schuhs (Freischwingers) Designgeschichte. Nur wenige Jahre später sorgte er mit einer erotischen Linie für Furore, die sich hervorragend in den „Lingerie Look“ der zeitgenössischen Mode einreihte. Rotgepolsterte Lippenformen, goldpaspelierte Schäfte und herzförmige Kappen kennzeichneten diese Linie. In der 1990er Jahren entwickelte Jansen verschiedene Absatztypen für Damenschuhe, wie etwa den Absatz mit schmaler Seite und breiter Rückfront sowie diverse Keilformen, die bis heute fester Bestandteil seiner Kollektionen sind. Zahlreiche Pump-Variationen, Sneakers, Espandrillos und Stiefel gehen auf sein Konto. 1995 kam mit Jan Jansen Sense eine weitere, günstiger zu erwerbende Eigenmarke auf den Markt. Es folgten Ausstellungen und Preise (siehe unten), die den Designer auf der Höhe seines Ruhms begleiteten.

2012 dann die Schreckensmeldung: Die Webseite eines Gerichts in Den Bosch erklärte Jan Jansen Shoes für pleite. Bei näherem Hinsehen jedoch stellte sich heraus, dass dies nur ein Gesellschafterunternehmen betraf, das 2010 in drei neue Läden in Apeldoorn, Den Haag und Maastricht investierte. Die Läden, die Jansen „groß“ gemacht haben (Amsterdam, Nijmegen und Heusden) blieben davon unberührt. Und auch die Produktion des Alt-Meisters unter seinem Label Jan Jansen Design geht weiter ihren gewohnten Gang.

Auszeichnungen und Preise

Zahlreiche Auszeichnungen – unter anderem den „Emmy van Leersum“-Preis für Mode (1989), den Titel „Grand Seigneur“ (1995) und den Karel de Grote-Oeuvreprijs (2011) – sowie diverse Ausstellungen bereichern die Biografie des heute 72-Jährigen Jan Jansen. So waren Jansens Kreationen gleich mehrfach im Amsterdamer Stedelijk Museum zu sehen, im Gemeentemuseum Den Haag (2002), im Centraal Museum Utrecht (2002), im Valkhof Museum Nijmegen (2009) sowie in den USA, Japan und Dänemark.

Auch Deutschland präsentierte den Trendsetter bereits zwei Mal im Rheinischen Landesmuseum in Bonn (1990 und 1993) sowie im Deutschen Ledermuseum in Offenbach (1994). „Jansen hat den Schuh begriffen als wichtigstes Accessoire unserer Bekleidung, der mit auffallender Ästhetik reizen darf, dessen Form sich der Fußtauglichkeit unterzuordnen hat“, beschrieb Kuratorin Rosita Nenno den Niederländer anlässlich der seinerzeit in Offenbach gezeigten Schau. „So kreiert er gleichermaßen ‚Fetischobjekte‘ für den gekonnten Auftritt am Abend wie auch den Ansprüchen von Langstrecken-Läuferinnen genügende Mokassins.“

Tragbare Kunstwerke für den Fuß

Ein solcher Fetisch ist Jansens aktuelle Frühjahrs- und Sommerkollektion: eine mit zahlreichen Blüten besetzte Plateau-Highheel-Sandalette, die die Kraft, Eleganz und Schönheit der von vielen als „Königin der Blumen“ typisierten Orchidee versinnbildlicht. Die Schuhe entstanden in Kooperation mit Art of Life, einem Zusammenschluss von 40 niederländischen Orchideenzuchtbetrieben. „Orchideen gibt es in zahllosen Arten und Variationen, jede mit ihrer eigenen Blütenform, Farbe und unverwechselbaren Zeichnung“, begründet der Niederländer seine Faszination für diese exotische Pflanze. „Als ich von der Gattung Venusschuh hörte, ließ ich mich sofort von dieser eleganten Blume inspirieren. Ich glaube, es ist mir gelungen, mit dem Orchideen-Schuh ein natürliches Kunstwerk für Zuhause zu schaffen“. Dass dieses Kunstwerk durchaus auch in der Öffentlichkeit zu tragen und zudem noch bezahlbar ist, zeigt ein Blick in den Internet-Shop des Modeschöpfers. Dort ist der „Orchid Shoe“ mit dem zehn Zentimeter hohen Stiletto-Absatz für 495 Euro in limitierter Edition zu haben – allerdings nur noch in den Farben Rot oder Schwarz.

Autorin: Cornelia Ganitta
Erstellt: Mai 2013


Links

Wichtige kulturelle Links finden Sie unter Institutionen

Homepage des Schuhdesigners Jan Jansen

Literatur

Alle bibliographischen Angaben im Bereich Kultur finden Sie unter Bibliographie

Arts, J.: Jan Jansen, Zwolle 2009.

Dop, Tonko/Bonekamp, Lucas: Jan Jansen, Tielt 2007.


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