Niederlande-Wissen



Kultur - PERsonen A-Z



Henk Hofland

*Rotterdam, 20. Juli 1927 - Journalist

Henk HoflandHenk Hofland, Quelle: Georg J. Groenveld/cc-by

Der Cruijff der Journalisten - Hendrik Johannes Adrianus, genannt Henk, Hofland ist Hollands bekanntester Zeitungsschreiber


„Memoiren eines Journalisten“ steht darüber. Aber autobiografische Erinnerungen sind seine Sache nicht. Henk Hofland schreibt ungern über sich - und die 45 Seiten Selbstreflexion, die er 1989 für eine Uni-Lesung abgefasst hat, zählen wohl zu dem Schlechtesten, was er je geschrieben hat. Steif und sperrig, ein Lebenslauf eben. Henk Hofland berichtet lieber über andere. Das tut er seit 49 Jahren. Immer für das Handelsblad aus Rotterdam. Seine Kollegen meinen, dass er das richtig gut macht. Und haben ihn zum „Journalisten des Jahrhunderts“ gekürt. Viel Ehr’ für den 75-jährigen H.J.A. Hofland.

Als Hofland 1953 beim Algemeen Handelsblad in Rotterdam anfing, war die Welt der Redaktion noch übersichtlich: Man hörte Schreibmaschinen rattern, es roch nach Papier, Druckerfarbe und Zigarettenqualm. Hofland fühlte sich hier zuhause, er liebte seinen Job in der Auslandsredaktion. In seinen Erinnerungen schreibt er: „Regelmäßig kamen kleine Knechte ins Büro, die die letzten Neuigkeiten mitteilten. Häufig musste man dann noch schnell mit dem Telex zur Setzerei laufen. Die Seite eins wurde noch einmal verändert und zehn Minuten später konnte man sehen, wie das heiße Blei in die Spalten gedrückt wurde.“

Um 13 Uhr dröhnte es dann im ganzen Haus in der Rotterdamer Innenstadt. Im Keller wurde die erste Ausgabe gewalzt. „Häufig habe ich dabei gestanden und zugeguckt. Noch immer empfinde ich so eine alte Presse als eines der größten technischen Wunder überhaupt: Dieser meterhohe, schwere Gigant, der 100.000fach die Nachrichten verbreitet.“

Heute ist von dieser Zeitungsromantik der 50er Jahre wenig geblieben. Das Algemeen Handelsblad wurde 1970 mit der Nieuwe Rotterdamse Courant fusioniert zum NRC Handelsblad und hat seinen Sitz nicht mehr in der Rotterdamer Innenstadt, sondern in einem anonymen Gewerbepark auf dem Alexander-Polder. 200 Journalisten sitzen in einem Großraum, es klackern nur noch die Tastaturen. Henk Hofland lässt sich selten blicken. Die einst wöchentlichen Kommentare werden nur noch vereinzelt gedruckt.

Henk Hofland, der auch unter dem Pseudonym S. Montag schrieb, war zwischen 1968 und 1972 Chefredakteur - mit 40 Jahren der jüngste in den Niederlanden. Zuerst beim Algemeen Handelsblad, dann bei NRC. Eine Tätigkeit, die er mit viel Ehrgeiz angegangen ist. Hofland führte als erster eine allmorgendliche Redaktionsversammlung ein, er verdreifachte die Anzahl der Reporter, und als erste Zeitung der Niederlande bekam das NRC Handelsblad eine Seite mit Redaktionskommentaren. Henk Hofland hatte an dieser Entwicklung maßgeblichen Anteil. Er machte das Blatt zu einer Qualitätszeitung nach englischem Vorbild. Sein Credo „Lux et Libertas“ - Licht und Freiheit ziert bis heute den Kopf der Zeitung.

Trotzdem: Lieber hat er geschrieben. Auslandspolitik war sein Steckenpferd. Auch wenn es nur wenige Leser gibt, die sich für Reportagen aus Rußland und Amerika interessieren. Literarisch ist Hofland immer ein Vielfraß gewesen: Kunst, Politik, Wissenschaft. Und es gibt wohl niemanden, der sich so häufig zur „Phänomenologie des Alltags“ ausgelassen hat. Über das Abwaschen und die Funktion des Abtropfers zum Beispiel. Oder Hunde und deren Kot. Über sein Heimatland, „dieses Scheißland“, hat Hofland sich nie gerne ausgelassen und nur notgedrungen „die 200 Ätzgeschichten“ im Jahr geschrieben. Nun ja. Hofland hat selten „Ätzgeschichten“ geschrieben. Sonst wäre er nicht, wie ein Kollege mal sagte, zum „Johan Cruijff unter den Journalisten“ geworden. Seine besten Artikel wurden jetzt in einem dicken Bündel zusammengefasst: „Auf der Suche nach dem Pol“. Hier verbergen sich wunderbare Lesegeschichten über Amerika, die wirren Anfangsjahre der Nachkriegszeit oder die Affäre Greet Hofmans.

Autor:  Andreas Gebbink
Erschienen: NRZ, 17. Dezember 2002


Links

Wichtige kulturelle Links finden Sie unter Institutionen

Weitere Informationen befinden sich im Dossier Mediensystem

Literatur

Alle bibliographischen Angaben im Bereich Kultur finden Sie unter Bibliographie


  • RSS-Feed
  • Facebook
  • Twitter
  • RSS-Feed

Impressum | © 2015 NiederlandeNet
NiederlandeNet
Alter Steinweg 6/7
· 48143 Münster
Tel.: +49 251 83285-16 · Fax: +49 251 83285-20
E-Mail: