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Hein (Heintje) Simons

* Kerkrade, 12. August 1955 – Kinderstar, Schlagersänger

Heintje
Heintje,  wie man ihn aus den 70er Jahren kennt, Quelle: NA (923-3015)

„Mamatschi, schenk' mir ein Pferdchen. Ein Pferdchen wär' mein Paradies“, singt der Junge, der von einem eigenen Pferd träumt, mit Stofftieren vertröstet und erst als erwachsener Mann mit einem echten Pferdegespann beglückt wird. Pferde allerdings, die seine tote Mutter „heimholen“. Mit „Trauerpferde wollt ich nicht“ beendet der Junge sein Lied. Hein Simon sang dies als er noch Heintje hieß und im „wirklichen Leben“ längst schon ein Pferdchen besaß. Das hatte ihm Addy Kleijngeld geschenkt, sein erster Musikproduzent, nachdem die erste Platte mit zwölf Liedern „im Kasten“ war.

Hein Simons wurde am 12. August 1955 im limburgischen Kerkrade, nahe der deutschen Grenze geboren. Als Elfjähriger war er fasziniert von den Liedern des italienischen Tenors Robertino, dessen Lied „Mama“  - geschrieben von Cesare Andrea Bixio im Jahr 1938 und nicht etwa extra für Heintje, wie später viele glaubten – er immer wieder in der Jukebox der elterlichen Gaststätte drückte und mitsang. Eines Tages war in der Zeitung ein Talentwettbewerb ausgeschrieben. Trotz der Zweifel des Vaters (schließlich ist es die Zeit der Beatles und der Rolling Stones), bestärkte ihn seine Mutter in der Teilnahme. Hein trat auf, sang „Mama, Du sollst doch nicht um deinen Jungen weinen“ - und gewann.

Kurz darauf nahm ihn Addy Kleijngeld, Produzent bei der Plattenfirma CNR unter seine Fittiche. Jede Woche wurde Hein von Addy abgeholt, um bei ihm zu Hause in Helmond zu üben. Als die – von Addy komponierten - Schlager für die erste Schallplatte eingeübt waren, begann die Produktion. Addy versprach Hein, dass, wenn er sein Bestes gebe, sein größter Wunsch in Erfüllung gehen würde: Er sollte ein Pony erhalten. Hein gab sein Bestes, bekam sein Pony und benannte dieses nach seinem Gönner, Manager und Mentor „Addy“.

Karriere als Kinderstar

Das war der Beginn einer beispiellosen Kinderkarriere. 1967 trug Heintje die deutsche Version von „Mama“ zum ersten Mal in der von Vico Torriani moderierten ZDF- Fernsehshow „Der Goldene Schuss“ vor. Für die Sendung wurde das Lied, das ursprünglich mehr als drei Minuten dauerte, auf 55 Sekunden zusammengeschnitten. Das reichte, um nur ein Jahr später zur meistverkauften Single in Deutschland zu werden – noch vor den Beatles und den Rolling Stones. „Mama“, „Du sollst nicht weinen“ und „Heidschi Bumbeidschi  bum bum“ belegten 1968 die ersten Plätze der Deutschen Hitparade.

Innerhalb von nur vier Jahren wurde Heintje für seine Singles und Langspielplatten mit 40 Goldenen Schallplatten (allein zehn davon im Dezember 1968 von Ariola in München), einer Platin-LP, zwei Goldenen Löwen von Radio Luxemburg, der Goldenen Europa für den ersten Platz beim „Schlagerpreis der Europawelle Saar“, einem Bambi und zahlreichen weiteren Preisen ausgezeichnet. Auch für die Leinwand wurde „Mamas Liebling“ entdeckt. In insgesamt sechs („Lümmel“-)Filmen (1968 bis 1971) – von denen drei eigens auf ihn zugeschnitten waren - spielte er den (natürlich singenden) Pennäler, so in „Zum Teufel mit der Penne“ (1968) und „Hurra, die Schule brennt!“, jeweils an der Seite von Peter Alexander.

Im Februar 1970 erhielt er auch in seinem Heimatland acht Goldene Schallplatten und den Edison, den höchsten niederländischen Musikpreis, aus den Händen des großen Maurice Chevalier. Während dieser Veranstaltung trat Heintje mit „Ich sing ein Lied für dich“ erstmals im heimischen Fernsehen auf. Im Juli bekam er zwei weitere „Goldene Schallplatten“ in London (für englische LP-Veröffentlichungen in Australien und Neuseeland). Nur einen Monat später wurden ihm eben dort noch zwei „Goldene Schallplatten“ verliehen. Diesmal für den Verkauf von zwei Millionen Singles des englisch vertonten Titels „Mama“ („I´m your little boy“). Im September gastierte er zum Auftakt und Abschluss einer Amerika-Tournee an der Seite von Gene Kelly in der „Chevrolet-Show“, im Dezember nahm er in München die „Goldene Leinwand“ für mehr als drei Millionen Besucher seines Kinofilms „Ein Herz geht auf Reisen“ in Empfang. Nur ein Jahr später folgten eine zweite Amerika-Tournee und weitere LP-Auszeichnungen.

Die Wende

Mit 17 stand der Niederländer am Scheidepunkt seiner Karriere, den ihm ein „schleichender“ Stimmbruch bescherte. Hinzu kamen gesellschaftliche Veränderungen. Während die Achtundsechziger auf die Straße gingen und die Rolling Stones „Street Fighting Man“ präsentierten, trällerte Heintje: „Oma so lieb, Oma so nett, ach, wenn ich dich, meine Oma, nicht hätt“. Im Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung bekannte er Jahre später: „Ach, diese Achtundsechziger. Das hat es doch immer gegeben, dass die Jugend protestiert“.

Auch im Stadion von Jakarta (Indonesien), wo er 1973 zwei Mal vor mehr als 85 000 Menschen auftrat und in Südafrika, dem Apartheid-Land, in dem er gastierte und zwei in Afrikaans gesungene Scheiben produzierte, war Heintje von politischer Revolte weit entfernt. Seine wilde Phase erlebte der 18-Jährige, der von sich sagt, dass er nicht von der „Bravo“ aufgeklärt wurde, sondern von einer 30-Jährigen - als Frauenschwarm: „Da habe ich mitgenommen, was kam. Ich habe die eine Frau abgeliefert und bin zur nächsten gefahren“, gesteht er 2008 dem Tagespiegel am Sonntag. Er habe nicht darüber nachgedacht, warum die gerade ihn wollten. „Ich bin zu jeder nett gewesen, aber im Grunde war ich kurz davor, den Respekt vor Frauen zu verlieren“.

Aus Heintje wurde Hein Simons, aus dem Kinderstar von einst ein Schlagersänger unter vielen - mit wechselndem Erfolg. 1976 versuchte das einstige Goldkehlchen mit der Single „Weit ist der Weg nach Santa Cruz“ sein Comeback in Deutschland. Danach wurde es hierzulande still um ihn. Bis kurz nach der Wende, wo er vor allem im Osten der Republik mit dem Album „Herzensmelodie“ punktete und acht Millionen Plattem verkaufte. Weitere Alben folgten, eine erneute Südafrika-Tournee und später auch ein Auftritt im chinesischen Staatsfernsehen. 2004 erschien die CD „Frauen sind was Wunderbares“, auf der er das Lied „Guten Abend, gute Nacht“ im Duett mit Heintje sang, was seinen Fans die Tränen in die Augen trieb. 2005 sagte ein inzwischen 50-jähriger Hein Simons seinen Fans mit einer Jubiläums-CD „Danke“ für 40 Jahre Treue.

Auf ewig: „Heintje“

„Ich habe klug investiert und heute ausgesorgt“, resümierte der Niederländer im Interview mit der BZ vom April 2011, wobei ein Großteil seines Vermögens auf „Bombenverträgen“ aus seiner Zeit als singender Wunderknabe basiert. Insgesamt kann der Multimillionär, der auch heute mit Frau und drei Kindern nahe der deutschen Grenze auf einem vier Hektar großen Reiterhof in Belgien lebt, auf über 40 Millionen verkaufte Tonträger verweisen. Und ein Ende ist nicht in Sicht, denn noch singt der Limburger alles, was seine seit 1995 favorisierte Sparte, die Volksmusik, hergibt. Hein Simons will weiter machen, „solange es Spaß macht“. Er ist sich bewusst, dass er als Kinderstar einzigartig war: „Ich hatte das Glück, in einer Zeit berühmt zu werden, als es nur zwei Fernsehsender gab und nicht 14 Castingshows“, zitiert ihn die BZ.  

Am Ende des Tages ist klar: Hein Simons wird für viele immer der kleine Junge mit dem Wunsch nach einem Pferdchen bleiben, selbst wenn er inzwischen einen ganzen Stall davon zu Hause hat. Und auch die Liebe zu(r) ‚Mama‘ ist nicht zu toppen. Das zeigen nicht zuletzt die YouTube-Einspielungen, von denen heutige Hein Simons-Lieder rund 30 bis 50 000 Mal aufgerufen werden, es ‚Mama‘ von Heintje jedoch auf beinahe viereinhalb Millionen Klicks bringt. Von seinem Image als „berühmtester Kinderstar der 70er Jahre im deutschsprachigen Raum“, wird sich Hein Simons wohl niemals ganz befreien können. Wozu auch?

Autorin: Cornelia Ganitta
Erstellt: November 2012


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