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Johannes Heesters (Johan Marius Nicolaas Heesters)

*03. Dezember 1903 in Amersfoort - † 24. Dezember 2011 in Starnberg - Schauspieler und Sänger

Johannes Heesters im November 1978
Johannes Heesters im November 1978: Einen Monat später feierte er seinen 75. Geburtstag, Quelle: NA (930-0167)

Johan Marius Nicolaas Heesters galt bis zu seinem Tode im Dezember 2011 als weltweit ältester, aktiv darstellender Künstler. In Deutschland feierte er seit den 30er Jahren zahlreiche Erfolge und ist einem breiten Publikum bekannt. Das Verhältnis zu seinem Geburtslandland ist aufgrund von Heesters allgemeiner Popularität und zahlreichen Auftritten in Nazi-Deutschland bis auf den heutigen Tag gestört.

Geboren in Amersfoort, in der niederländischen Provinz Utrecht, entschied sich der jüngste Sohn eines Kaufmanns, erst sechzehnjährig, für eine Gesangs- und Schauspielausbildung. Ab 1921 hatte er erste Bühnenauftritte, 1924 folgte ein erstes Stummfilmengagement. Seit Beginn der 30er Jahre trat Heesters in Filmproduktionen, Theaterstücken und Operetten in den Niederlanden, Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei auf. 1936 wechselte er für Operetten- und Filmengagements nach Berlin. In seiner Paraderolle als Fürst Danilo (Die lustige Witwe, Franz Lehàr) spielte Heesters mehrfach im Beisein Adolf Hitlers. Seine deutschen Filme galten bis zum Kriegsausbruch auch in seinem Heimatland als Publikumserfolge. Niederländische Zeitungen druckten wohlwollende Kritiken. Im Verlauf der Besatzungszeit fiel Heesters in den Niederlanden jedoch zunehmend in Ungnade. Bis heute wird er hier als NS-Mitläufer und opportunistischer Karrierist kritisiert, weil er in Deutschland auftrat, während sein Heimatland von der deutschen Wehrmacht besetzt war. Bei einem Auftritt 1966 im Amsterdamer Carré-Theater war Heesters vom niederländischen Publikum mit dem Hitlergruß empfangen und von der Bühne gejagt worden. Als er am 16. Februar 2008 erstmalig seit 55 Jahren wieder in seiner Geburtsstadt Amersfoort gastierte, demonstrierten immerhin ungefähr 100 Menschen vor dem De Flint-Theater gegen den Auftritt.

1976 hatte ein niederländischer Journalist Heesters vorgeworfen, er sei 1941 bei einem Besuch des Konzentrationslagers Dachau auch vor SS-Angehörigen aufgetreten. Daraufhin titelten zahlreiche Zeitungen ‚Heesters singt vor SS‘. Heesters gab zu, das Lager auf Einladung des Kommandanten besucht zu haben, wies den Hinweis auf einen dortigen Auftritt vor SS-Angehörigen jedoch energisch zurück. In seinen Memoiren schrieb er 1978: „Das Lager wirkte auf uns wie ein typisches Soldatenlager, es sah so aus wie ein Arbeitsdienst- oder Hitlerjungenlager, die man aus den Illustrierten kannte. Wir trafen ein, heuchelten Interesse, ein Soldat knipste uns mit seiner Privatbox, und wir fuhren wieder nach Hause. Am Abend, so glaube ich, hatte ich bereits wieder Vorstellung“. Heesters, dem ein Auftritt in Dachau niemals nachgewiesen werden konnte, prozessierte gegen derartige ‚Verleumdungen‘ bis 2010. Dennoch gelang es ihm nie, den Vorwurf ganz aus der Welt zu schaffen. Auch eine Einladung des Bundespräsidenten Christian Wulf an Heesters zu einem Empfang anlässlich des Staatsbesuchs der niederländischen Königin Beatrix im April 2011 wurde aufgrund von Heesters Rolle im Zweiten Weltkrieg wieder zurückgenommen

Dabei war Heesters nie Mitglied der NSDAP oder deutscher Staatsbürger, Sympathiebekundungen für das Regime sind nicht bekannt. Da seine Operettenfilme nach dem Krieg von der alliierten Kontrollbehörde nicht als propagandistisch eingestuft wurden, konnte Heesters seine Karriere nach 1945 ungehindert fortsetzen. Er feierte weiterhin große Erfolge mit Operetten und Lustspielen, sowohl auf der Bühne, als auch im Kino. 1960 folgte ein Ausflug nach Hollywood (Die Jungfrau auf dem Dach, 1953, Regie: Otto Preminger). Auch im später aufkommenden Medium Fernsehen konnte Heesters sich behaupten – es folgten Auftritte in deutschen Fernsehserien, -filmen und Unterhaltungsprogrammen. Seit Juli 2010 spielte der mittlerweile 106jährige in Rolf Hochhuths ‚Inselkomödie‘ im Berliner Ensemble.

Am Heiligen Abend, den 24. Dezember 2011, um 10.15 verstarb der 108-jährige Heesters im Beisein seiner Ehefrau Simone Rethel und seiner Tochter Wiesje Herold im Starnberger Klinikum. Der bis zuletzt in kurzen Bühnenauftritten glänzende Heesters hatte sich eigentlich vorgenommen, 120 Jahre alt zu werden.

Heester war zwei Mal verheiratet.  Von 1930 bis zu ihrem Tod 1985 mit der belgischen Schauspielerin Louisa Ghijs, und ab 1992 mit der Deutschen Simone Rethel, mit der er bis zu seinem Tod im oberbayrischen Landkreis Starnberg lebte. Aus erster Ehe hatte Heesters zwei Töchter, die Wiener Pianistin Wiesje Herold-Heesters und die Hamburger Schauspielerin Nicole Heesters.

Autor: Christian Kuck
Erstellt:
August 2011
Aktualisiert: Dezember 2011


Literatur

Alle bibliographischen Angaben im Bereich Kultur finden Sie unter Bibliographie

Rethel-Heesters, Simone/Ross, Beatrix: Johannes Heesters, Ein Mensch und ein Jahrhundert, Berlin 2006.

Trimbor, Jürgen: Der Herr im Frack, Johannes Heesters, Berlin 2003.

Heesters, Johannes/Ross, Beatrix: Auch hundert Jahre sind zu kurz, Die Erinnerungen, München 2003.

Schiweck, Ingo: Johannes Heesters – „Ich bin ein Holländer!“ Biographische Skizze eines vergötterten und verfemten niederländischen Künstlers in Deutschland, in: Wielenga, Friso/Geeraedts, Loek (Hrsg.): Jahrbuch des Zentrums für Niederlande-Studien 2001, Nr. 12 (Erinnerungskultur und Vergangenheitspolitik), Münster 2002.

Links

Wichtige kulturelle Links finden Sie unter Institutionen

Die offizielle Website des Schauspielers Johannes Heesters


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