Niederlande-Wissen



Kultur - Personen A-Z


André Gerardus Hazes

*Amsterdam, 30. Juni 1951 - †Woerden, 23. September 2004 - Sänger

André Hazes 2000
André Hazes im Jahr 2000, Quelle: ANP/Kippa/cc-by-nd

André Hazes gilt als einer der beliebtesten niederländischen Volkssänger. Seine größten Hits tragen Namen wie „Einsames Weihnachtsfest“, „Blut, Schweiß und Tränen“ oder „Sie glaubt an mich“. Seine Diskografie umfasst 36 Alben, viele der Singleauskopplungen standen wochenlang auf hohen Positionen in den niederländischen Charts. Selbst postum landete Hazes mit „Zij gelooft in mij“ noch einen Nummer 1-Hit.

André Hazes wuchs in einer Arbeiterfamilie mit vier Brüdern und einer Schwester im Amsterdamer Stadtteil De Pijp auf. „Man konnte kaum Atem holen. Wir waren zu acht, also gab es Stockbetten, man kennt das ja. Kleine Küche, ein Mini-WC in der Küche, schrecklich!“, so Hazes im Rückblick. Vater Hazes trank und schlug die Familie, heißt es in der Biographie, die Robert Haagsma nach Hazes Tod über den Sänger schrieb.

Das Geld zu Hause war knapp, also sang André Hazes als Junge auf dem nahen Albert Cuypmarkt, um sein Taschengeld aufzubessern. Hier wurde er von Johnny Kraaijkamp, selbst Sänger und Schauspieler, entdeckt. „Ich hörte sofort, dass das Kerlchen eine großartige Stimme hatte“, wird Kraaijkamp in Hazesʼ Biographie zitiert. Trotz eines Auftritts in der Weekendshow des Fernsehsenders AVRO und der Herausgabe einer Single ließ der große Durchbruch noch auf sich warten.

So verdiente Hazes sein Geld in den unterschiedlichsten Berufen: Er war unter anderem Bauarbeiter, DJ, Marktbeschicker, Buchmacher, Schornsteinfeger, Matrose und Metzgersgeselle. Mitte der 1970er arbeitete er als Barkeeper im Café „De Krommerdt“. Er wohnte sehr bescheiden, in einem Wohnwagen auf dem Campingplatz. Singen betrachtete er als Hobby. Immer wieder unterhielt er die Gäste mit Gesangsdarbietungen – ganz Amsterdam kannte den singenden Barkeeper, heißt es auf Hazesʼ offizieller Website. „Ich wollte überhaupt nicht Sänger werden. Da bin ich zufällig hineingeraten, weil ich für Willy Alberti ein Band aufgenommen hatte.“[1]

Die Aufnahme entstand 1976 auf Drängen von André Hazes Cousin Tonny Leroy, der regelmäßig Lieder komponierte. Eine der Melodien inspirierte André zu dem Songtext des Liedes „Eenzame kerst“ (dt.: Einsames Weihnachtsfest). André sang das Lied ein und schickte die Aufnahme an den Sänger Willy Alberti, der sofort begeistert war. Doch er wollte, dass Hazes das Lied selbst sang. Dieser ließ sich mit einiger Mühe überreden. Das Lied wurde ein Nummer 1-Weihnachtshit.

Mit einem Schlag wurde so aus dem 25-jährigen Barkeeper ein bekannter Mann. Zwar waren die nachfolgenden Lieder „Mamma“ und „De Vlieger“ (beide 1977) bescheidenere Erfolge, dennoch schloss EMI 1977 einen Plattenvertrag mit ihm ab. Zusammen mit dem jungen Produzenten Tim Griek nahm Hazes das Lied „Een Vriend“ (dt.: Ein Freund) auf. Dies wurde zum Ausgangspunkt für eine Hazes-Manie in den Niederlanden. Spätestens mit der Single „Een beetje verliefd“ (dt.: Ein bisschen verliebt) von 1981 wurde Hazes in den Niederlanden zum Star.

Es folgten die 1980er Jahre mit weiteren Hitsingles und erfolgreichen Konzertauftritten. Für kurze Zeit hatte Hazes sogar eine eigene TV-Show unter dem Titel „Zoals u wenst mevrouw“ (dt.: Wie Sie wünschen, Madame.). Im Laufe der 1990er Jahre festigte Hazes seinen Erfolg mit seinen neuen Produzenten Jacques Verburgt und John van den Ven. Sein ungesunder Lebensstil sorgte jedoch dafür, dass Hazes mehrmals ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Die Boulevardpresse erfreute sich an Hazesʼ Alkoholproblem. Für weitere Schlagzeilen sorgte sein Liebesleben. 1990 ließ sich Hazes von seiner zweiten Frau Ellen scheiden, um ein Jahr später die beinahe zwanzig Jahre jüngere Rachel van Galen, mit der Hazes seit ihrem 14. Geburtstag eine außereheliche Beziehung geführt hatte, zu heiraten. Nach Hazesʼ Tod erklärte Rachel, dass Hazes in seiner Jugend sexuell missbraucht worden sei. Er habe dies gegenüber ihr als Begründung für seinen Alkoholismus angegeben.

Seinen 50. Geburtstag feierte Hazes in geschlossener Gesellschaft im Paradiso in Amsterdam. Zum Jubiläum erschien ein CD-Set mit allen bisherigen Alben.

Musikalisch wurde es etwas stiller, doch bei den Gemeinderatswahlen im Frühjahr 2002 holte Hazes in der Gemeinde De Ronde Venen für die Partei Ronde Venen Belang ein Mandat. Konstante Kritik der anderen Fraktionen führte jedoch dazu, dass Hazes nach einem Zusammenbruch schon im Juni 2002 wieder zurücktrat. Auch privat lief es nicht gut: 2003 führten Beziehungsprobleme zur Absage einer Konzertreihe. Auch im Mai 2004 musste der Sänger geplante Auftritte absagen. Dieses Mal aus gesundheitlichen Gründen.

Am 23. September desselben Jahres starb der Sänger an einem Herzstillstand. Vier Tage später wohnten ungefähr 48.000 Menschen der Abschiedszeremonie in der Amsterdam ArenA bei. Rund sechs Millionen Zuschauer sahen die Trauerfeier zudem in der Fernsehübertragung. Neben Sängern wie Guus Meeuwis zählte auch Fußballidol Johan Cruijff zu den Trauergästen. Das Lied „Zij gelooft in mij“ (dt.: Sie glaubt an mich) wurde am 29. September als Single auf den Markt gebracht und bescherte Hazes postum einen weiteren Nummer 1-Hit.

André Hazes: Zij gelooft in mij, Quelle: YouTube

Auch Jahre nach Hazes Tod wird der Sänger in den Niederlanden noch immer verehrt. 2005 wurde im Amsterdamer Stadtteil De Pijp eine Hazes-Statue aufgestellt. Im Oktober 2007 produzierte der Fernsehsender RTL eine Show, in der bekannte Niederländer „mit“ dem verstorbenen Sänger ein Lied sangen. Das Duett mit Hazes Sohn André Hazes Junior, „Bedankt mijn vriend“ (dt.: Danke, mein Freund), kletterte in den Charts auf den 1. Platz. 2009 brachte die niederländische Post ein Briefmarkenheft mit neun André Hazes-Briefmarken heraus. Die Statistik der SENA[2] wies Hazes 2009 als beliebtesten niederländische Sänger im Radio aus, 2010 erhielt er postum die Auszeichnung als meistgespielter Künstler in niederländischen Kneipen. 2012 feierte ein Musical über Hazes Leben unter dem Titel „Hij gelooft in mij“ (dt.: Er glaubt an mich) Premiere. Noch im Juni 2014, zehn Jahre nach Hazesʼ Tod widmete man dem Amsterdamer Sänger mit „Holland zingt Hazes“ im Amsterdamer Ziggodome ein mehrtägiges Mitsingfestival.


[1] Haagsma, Robert: Hazes. 1951-2004, Antwerpen 2004, S. 43.
[2] Stichting ter Exploitatie van Naburige Rechten. Niederländische Organisation, welche die Tantiemenabgabe für Musik, die im Radio oder in Kneipen gespielt wird, kontrolliert.

Autorin: Angelika Fliegner
Erstellt: September 2014


Links

Wichtige kulturelle Links finden Sie unter Institutionen

Die offizielle Website von André Hazes

Die Website zum Musical Hij gelooft in mij

Weitere Informationen befinden sich im Dossier Musiklandschaft

Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers Musiklandschaft finden Sie unter Bibliographie

Haagsma, Robert: Hazes. 1951-2004, Antwerpen 2004.


  • RSS-Feed
  • Facebook
  • Twitter
  • RSS-Feed

Impressum | © 2015 NiederlandeNet
NiederlandeNet
Alter Steinweg 6/7
· 48143 Münster
Tel.: +49 251 83285-16 · Fax: +49 251 83285-20
E-Mail: