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Frans Hals
*Antwerpen, 1582/83 - †Haarlem, 10. August 1666 - Maler

Frans Hals wurde als Sohn eines Tuchmachers wahrscheinlich um 1582/83 in Antwerpen geboren. Irgendwann nach dem August des Jahres 1585, als Antwerpen an den Herzog von Parma fiel, emigrierte die Familie Hals in die nördlichen Niederlande. Bis spätestens März 1591, als Frans jüngerer Bruder Dirck getauft wurde, hatte sie sich in Haarlem niedergelassen. Abgesehen von einer Reise nach Antwerpen 1616 verbrachte Hals wohl den Rest seines Lebens in Haarlem. Seine erste Frau Annetje Harmansdr. starb im Juni 1615 und ließ zwei kleine Kinder zurück. Mit Lysbeth Reyniers, die Hals im Februar 1617 geheiratet hatte, hatte er mindestens acht weitere Kinder, unter ihnen die späteren Künstler Frans d.J. (1618-1669), Reynier (1627-1671) und Nicolaes (1628-1686).
Um 1600 muss Frans Hals bei Karel van Mander, dem Verfasser des berühmten Schilderboek, in dem alle seinerzeit geachteten Maler des niederländischen Raums mit einer Biographie verewigt wurden, in die Lehre gegangen sein. Diese Lehre war spätestens 1603 beendet, denn in diesem Jahr verließ van Mander Haarlem. Wie üblich, trat auch Frans Hals 1610 der örtlichen St. Lukasgilde bei. Sein frühestes signiertes Werk, wurde im darauffolgenden Jahr gemalt. Während seiner gesamten Schaffensperiode wurde der Künstler wiederholt beauftragt, Gruppenportraits für Schützengilden und deren Regenten herzustellen. Der Künstler fertigte ähnliche Arbeiten für die Regenten und Regentinnen des St Elizabeth Hospitals und des Armenhauses der Stadt an, die vom Bildaufbau her den Gruppenbildnissen Rembrandts ( z.B. Staalmeesters) nicht unähnlich sind.
Geschichten von der Lasterhaftigkeit Hals' sind anscheinend zu sehr ausgeschmückt worden. Arnold Houbraken berichtet 1718 in einer Anekdote, dass Anthonis van Dyck eines Tages habe Frans Hals besuchen wollen, doch dieser habe seinen Tag in der Kneipe verbracht und nicht eher heimkehren wollen als bis das letzte Glas geleert worden sei. Vermutlich auch wegen der Sujets seiner Gemälde hat man Frans Hals gelegentlich ein lasterhaftes Leben nachgesagt. Dokumentarische Zeugnisse deuten jedoch darauf hin, dass er ein respektierter Künstler war, der sich der Gunst seiner vornehmen Auftraggeber erfreuen durfte. Trotzdem verarmte er in den späteren Jahren seines Lebens und war auf die Hilfe des Haarlemer Bürgermeisters angewiesen. Er starb am 29. August 1666 in Haarlem und wurde am 1.September in St. Bavo beigesetzt. Houbraken erwähnt weiterhin, dass Hals mehrere Lehrlinge hatte, unter ihnen waren Adriaen Brouwer, Adriaen van Ostade, Philips Wouwerman und sein Bruder Dirck. Judith Leyster und Jan Miense Molenaer haben wohl auch bei Hals gelernt.
Frans Hals malte überwiegend in einer Fachrichtung, nämlich Portraits und Gruppenportraits. Selten wandte er sich auch einmal dem eigentlichen Genre zu. Die Arbeiten Frans Hals', der vor allem durch seine Gruppenportraits (Portraits von Schützengilden, siehe auch Rembrandt) und 'Genreportraits' so berühmt geworden ist, wurden zu Lebzeiten des Künstlers durchaus geschätzt. Nach seinem Tode wandelte sich jedoch der allgemeine Kunstgeschmack, und seine damals etwas unorthodoxe Art, Portraits mit rasch hingeworfenen Pinselstrichen, die das Skizzenhafte in die Malerei bringen, zu malen, drängte seine Bilder auf dem Kunstmarkt zunächst ins Abseits. Das änderte sich erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als die niederländische Malerei von der Kunstgeschichte 'wiederentdeckt' wurde. Seitdem stiegen die Marktwerte seiner Gemälde derartig, dass, wie Christiane Stukenbrock vermerkt, die Fälscherei mit Blick auf das Oeuvre Frans Hals' ein einträgliches Geschäft wurde.[1]
Eines seiner berühmtesten Schützenstücke (von denen es allein im Frans Hals Museum in Haarlem fünf Stück gibt) ist das Festmahl der Offiziere der St. Georgs-Schützengilde von 1616. Frans Hals hat das Gruppenportrait mit den zwölf Offizieren wohl nicht nur aus künstlerischen Gründen als Festmahl inszeniert, sondern dieses Festessen scheint tatsächlich stattgefunden zu haben anlässlich der Verabschiedung derjenigen Offiziere, die ihren Dienst nach den üblichen drei Jahren beendeten. Die Schützen auf diesem Gemälde sind heute allesamt identifizierbar. In prächtigen Uniformen mit rot-weißen Schärpen haben sie sich um einen Tisch versammelt. Die fehlende Kopfbedeckung deutet den 'inoffiziellen' Charakter der Veranstaltung an. Teilweise sind sie einander im Gespräch zugeneigt, doch allesamt scheinen sie die Mahlzeit unterbrochen zu haben, um sich für den 'Augenblick' des Portraitierens zu präsentieren. Sie alle sind dargestellt als seien sie sich der Aufnahme eines Bildes bewusst; sie posieren - teilweise mit in der Hüfte abgestützter Hand - und bleiben dennoch miteinander im Tischgespräch. Die Offiziere sind jeweils so in Dreiergruppen angeordnet, dass von links nach rechts ihre Rangfolge ablesbar ist. Zwei Fähnriche und ein Schützendiener gehören praktisch zur 'Ausstattung' und zeugen mit ihren prächtigen Uniformen vom Reichtum und Einfluss der Schützengilde. Die prachtvoll bestickten Sitzkissen, das feine Tischtuch und der schwere Vorhang tun ein Übriges. Die Gesichter der Dargestellten wirken durchaus lebendig, die rötliche Farbigkeit von Wangen und Nasen deutet auf ausgelassene Stimmung hin; wahrscheinlich haben die einzelnen Bildnisse große Personenähnlichkeit gehabt. Es ist anzunehmen, dass jeder der Dargestellten einzeln für Frans Hals 'sitzen' musste, während die Komposition des Festmahls unabhängig von den Einzelportraits entstand, diese wurden später eingefügt. Ein solches Vorgehen zeigt sich auch bei den anderen Schützenportraits, wo die eingefügten Gesichter manchmal etwas fremdartig im Verhältnis zur Körperhaltung erscheinen.
Zweierlei kommt bei den Gemälden Frans' Hals zum Tragen: Auf der einen Seite überrascht der Maler durch seine Technik, größtmögliche Realitätsillusion durch Lichtspiel, Behandlung des Haars, Beweglichkeit in der Mimik der Dargestellten und Atmosphäre durch sparsamste Mittel, radikale Reduktion der malerischen Mittel zu erreichen. Nur wenige Portraits anderer Maler wirken so lebhaft, wie im Augenblick festgehalten, wie bei Frans Hals. Es ist also durchaus eine Freude und Faszination an der Malerei als Medium, am Experimentieren mit der Kunst des Malens und am Experimentieren mit der Natur- und Kunstauffassung seiner Zeit zu spüren. Andererseits zeigt sich durch die Vermischung von Portrait und Genre auch der Wille, inhaltlich neue Themen in die vielleicht etwas starren Gattungsgrenzen zu bringen. Dies zeigt sich aber auch bei anderen Malern, z.B. Rembrandt und Vermeer. Dieses Neuartige in der Technik, der skizzenhafte Pinselstrich, war möglicherweise nur in einer Bildgattung zu realisieren, die nicht unbedingt an einen Auftraggeber gebunden war. Allegorische und moralisierende Bildthemen, wie der Geschmackssinn, der Hörsinn (wie beim Singenden Knaben mit Flöte), Personifikationen der menschlichen Dummheit im Kleide eines Portraits ließen Frans Hals anscheinend mehr künstlerische Freiheit als beispielsweise seine Schützenbilder und Gruppenportraits, deren Auftraggeber zumindest teilweise bekannt sind. Die Tatsache, dass wahrscheinlich auch die 'Malle Babbe' (Verrückte Babette oder Barbara) als historische Person bekannt war (sie wird 1653 als Insassin des Arbeitshauses in Haarlem vermerkt), belegt, dass Hals seine Modelle im wahren Leben gesucht und gefunden hat.
[1] Stukenbrock, Christiane: Frans Hals - Fröhliche Kinder, Musikanten und Zecher, Eine Studie zu ausgewählten Motivgruppen und deren Rezeptionsgeschichte, Europäische Hochschulschriften, Reihe 28 Kunstgeschichte, 167, Berlin 1993, S. 14.
[2] Sprichwort: 'zo zat als een uil' oder 'zo beschonken als een uil'. Siehe Stukenbrock 1993, S. 158f.
Autorin: Beatrix Zumbült
Erstellt: Juni 2005
Links
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Weitere Informationen befinden sich im Dossier Malerei des 17. Jahrhunderts
Literatur
Alle bibliographischen Angaben des Dossiers Malerei des 17. Jahrhunderts finden Sie unter Bibliographie
Erftemeijer, Antoon / Fuhri Snethlage, Henriette / Köhler, Neeltje (Hrsg.): Ausstellungskatalog: Das Frans Hals Museum Haarlem, Übersetzung aus dem Niederländischen von Michael König, Amsterdam/Gent 2003.
Ausstellungskatalog: Von Frans Hals bis Vermeer, Meisterwerke holländischer Genremalerei, Gemäldegalerie Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1984.
Slive, S.: On the Meaning of Frans Hals' "Malle Babbe", in: The Burlington Magazine 105, 1963. Seite 432-436.
Stukenbrock, Christiane: Frans Hals - Fröhliche Kinder, Musikanten und Zecher, Eine Studie zu ausgewählten Motivgruppen und deren Rezeptionsgeschichte, Europäische Hochschulschriften, Reihe 28 Kunstgeschichte, 167, Berlin 1993.
