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Bernard Haitink

*Amsterdam, 04. März 1929 - Komponist

Bernard Haitink
Bernard Haitink, Quelle: NA/Rob C. Croes/Anefo/cc-by-sa

Bernard Haitink hat eine zynische Theorie: “Wenn es Hitler nicht gegeben hätte, hätte es auch keinen Dirigenten Haitink gegeben. Denn dann wären da noch so viele jüdische Talente gewesen und niemals hätte man sich beklagt, dass es zu wenig Dirigenten gibt. Es wurden so viele Talente ermordet. Warum sind die Städte in Deutschland so langweilig? Weil es dort keine Juden mehr gibt.“

Bernard Haitink gilt als der erfolgreichste Dirigent der Niederlande. Er beschreibt sich in einem Interview gegenüber Roland de Beer von der Zeitung de Volkskrant selbst als „komischen Kerl“, der in jungen Jahren das Concertgebouworkest Amsterdam leiten durfte und irgendwie in seine Rolle gestolpert ist. Mit 27 stand er zum ersten Mal vor dem berühmten Amsterdamer Orchester und das rief anno 1956 noch Kommentare hervor: „Mein Gott, schau mal was für ein Baby“, soll eine Frau aus dem Publikum gesagt haben: „Es war idiotisch. Ich war 27 und eigentlich sah ich noch jünger aus. Aber irgendwie ging alles ganz automatisch. Da kann man sich nicht gegen wehren, das nennt man wohl ´Talent´“.

Bernard Haitink hat viel Talent. Er wurde am 4. März 1929 in Amsterdam geboren und ist vor allem mit seinen Interpretationen zu Gustav Mahler, Anton Bruckner, Ludwig van Beethoven und Franz Liszt bekannt geworden. Haitink steht ganz in der Tradition seines Vorgängers in Amsterdam: Willem Mengelberg. Fünf Jahre nach seinem Debüt beim Concertgebouworkest als Aushilfe wurde Haitink als Konzertleiter eingestellt. Eine Rolle, die er zusammen mit Eugen Jochum einnahm. Doch Haitink war noch keine Autorität. Das Orchester gab ihm das Gefühl, dass es ihn formte und nicht umgekehrt. Erst als das London Philharmonic Orchestra 1967 sich bei ihm meldete, wurde Haitink als Dirigent anerkannt.

Haitink studierte Violine am Amsterdamer Konservatorium und erlernte die Orchesterleitung unter Felix Hupka. Er war Mitglied des Nederlands Radio Symfonie Orkest ehe er 1961 Direktor des Concertgebouw Orkest wurde. Haitink schwebte auf einer Erfolgswelle, auch privat: 1956 heiratete er Marjolein Snijder, mit der er fünf Kinder haben sollte.

Zwischen 1963 und 1967 ackerte sich Haitink durch neun Symphonien von Bruckner, durch das gesamte Werk von Mahler, den kompletten Brahms und Tschaikowski. Berühmt sollten seine Aufführungen von Mahler werden. Noch immer machen die Bilder von Hunderten von Besuchern die Runde, die für eine Karte im strömenden Regen vor dem Concertgebouw stehen. Haitinks Schallplatten waren und sind ein Verkaufsschlager: Innerhalb von 25 Jahren gingen zehn Millionen Platten und CDs über die Theke. Haitink über seine Art zu dirigieren: „Das mit den Händen, das sieht ja so aus, als ob es die einzige Art sei, auf die ich mich ausdrücken könnte. Aber ehrlich gesagt kann ich meinen Erfolg auch nicht erklären. Ich sag nicht viel, doziere nicht, kann keine Monologe halten. Oft denke ich: Die haben nicht viel an mir.“

Das historische Amsterdamer Concertgebouw soll seine Arbeitsstädte werden. Haitink hat hier gerne gearbeitet, auch wenn es in den Anfangsjahren einige Verstimmungen mit der Leitung gab. „Der große Saal mit seiner guten Akustik hat auch seine Nachteile. In Amsterdam sitzt das Orchester weit auseinander. Das ist für den Dirigenten eine physische Anstrengung“, sagt Haitink. Mengelberg hat beim Dirigieren sogar mal seinen Arm ausgekugelt.

1967 wurde Haitink leitender Dirigent und musikalischer Leiter des London Philharmonic Orchestra, dem er bis 1979 vorstehen sollte. Bis 1988 blieb Haitink beim Concertgebouworkest und dem Opernfestival Glyndebourne, danach konzentrierte er sich ganz auf Covent Garden in London. Haitink: „Wenn ich nicht wach gerüttelt worden wäre, dann wäre ich jetzt noch immer Chef in Amsterdam, bis zu meiner Rente, bis zu meinem Tod. Es war wahrscheinlich höchste Zeit weg zu gehen. Deutliche Verschleißerscheinungen waren sichtbar. Ich konnte mir ein Leben ohne Concertgebouworkest ja gar nicht mehr vorstellen.“

Die Zeit in London war für Haitink eine neue schöpferische und berufliche Herausforderung. Er bekam neue Arrangements. 1993 dirigierte er das „European Concert“ der Berliner Philharmoniker, das in dreißig Ländern ausgestrahlt wurde.

Zwei Jahre später zog es ihn noch einmal an seine alte Wirkungsstätte zurück. Haitink gab eine Mahler Konzertreihe im Concertgebouw in Zusammenarbeit mit den Berliner Philharmonikern, den Wiener Philharmonikern und dem Gustav Mahler Jugendorchester. Seit 2003 ist Haitink Chefdirigent der Staatskapelle Dresden.

1999 wurde Haitink aufgrund seiner vielen Verdienste zum Ehrendirigenten des Orkestgebouworkests benannt. Von 2002 bis 2004 war er Chefdirigent der Staatskapelle Dresden und seit 2006 ist er erster Dirigent des Chicago Symphony Orchestra. Im Februar 2009 erhielt er den Grammy in der Kategorie "Beste Orchesterdarbietung" (siehe Links).

Autoren: Andreas Gebbink und Verena Soldierer
Erstellt: November 2006
Aktualisiert: August 2009


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Weitere Informationen befinden sich im Nachrichtenarchiv (Februar 2009) Auszeichnung: Grammy für Bernard Haitink

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