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Theodoor (Theo) van Gogh

*Den Haag, 23. Juli 1957 – †Amsterdam, 02. November 2004 - Regisseur

Theo van Gogh

Theo van Gogh im September 2004, Quelle: Thomas Kist/GFDL

Der Provokateur. Wenn man Theo van Gogh mit einem Wort beschreiben sollte, wäre sein öffentliches Bild mit diesem einen Wort bereits treffend gezeichnet. Theo van Gogh, 47 Jahre alt geworden, liebte es, sich mit allen etablierten Kräften seines Landes anzulegen. Alles politisch Korrekte war ihm zuwider. Vor allem Bannerträger irgendwelcher Moral und die muslimische Minderheit des Landes nahm er gerne als Zielscheibe für seine Angriffe. Seine Lust an der Provokation sollte ihm letztlich zum Verhängnis werden. Ein junger Niederländer marokkanischer Abstammung nahm van Goghs islamkritischen Film Submission zum Anlass, den Regisseur 2004 auf offener Straße zu ermorden. Der gewaltsame Tod Van Goghs versetzte das ganze Land in einen Schockzustand (Mehr lesen Sie im Dossier Die Akte Theo van Gogh).

Theo van Gogh eckte häufig an. Bereits der Beginn seines Berufslebens begann mit einem Eklat. Sein Film für die Aufnahmeprüfung an der Amsterdamer Filmschule erregte die prüfenden Professoren so sehr, dass sie ihn nicht nur ablehnten, sondern, so die Legende, gleich den Gang zum Therapeuten nahe legten. Es war oft keine bekömmliche Kost, die er seinem Publikum vorsetzte. So bekam in einem seiner frühesten Werke eine Schauspielerin einmal einen Pistolenlauf in die Vagina geschoben. Kein Wunder, dass van Gogh immer Low-Budget-Filmer blieb. Einen seiner letzten Filme lehnte der größte niederländische Verleih „wegen mangelnder Aussicht auf einen kommerziellen Erfolg“ ab.

Ohne Anstands- oder Geschmacksgrenzen

Dennoch war van Gogh einem breiten Publikum bekannt. In beinahe jedem Fernsehsender hatte er einmal eine eigene Sendung. So machte er sich einen Ruf als überaus sensibler Interviewer, konnte aber auch hier die Lust an der Provokation nicht unterdrücken. In einer Dating-Show, für die er verantwortlich zeichnete, wurden die Kandidaten unter anderem nach ihren Masturbationstechniken oder der Farbe ihrer Schambehaarung gefragt. Meistens waren seine Engagements eher kurzfristig. Nicht allein wegen der Provokation, sondern vor allem auch deshalb, weil er keine Lust hatte, seine künstlerischen Konzepte mit den Programmverantwortlichen und Hütern der Sendergelder zu diskutieren.

Ein weiteres „Betätigungsfeld“ öffentlich zelebrierter Beleidigung fand van Gogh als Kolumnist. Seine niedergeschriebenen Beobachtung des öffentlichen Lebens in einer Gratiszeitung begeisterten vor allem junge Leser. Anstands- oder Geschmacksgrenzen kannte er dabei nicht. Einer Schauspielerin beschied er, dass sie dankbar für den Tod ihres Sohnes sein könne. Sie ginge mit ihrem Schicksal derart hausieren, dass ihr ewige Popularität sicher sei. Dem jüdischen Schriftsteller Leon de Winter wusste er zu sagen, dass dieser beim Sex mit seiner Frau sich Stacheldraht um seinen Penis wickle und beim Verkehr „Auschwitz Auschwitz“ rufe.

Markenzeichen Zigarette

Soweit das öffentlich zelebrierte Leben van Goghs. Der massige, manche sagen auch fette Regisseur, muss eine außerordentlich einfühlsame Seele gehabt haben. Gepaart mit einem offenbar umwerfenden Charme war er ein ausgesprochener Frauentyp. Die Zahl seiner prominenten Freundinnen sprengte, jedenfalls den Rahmen des in niederländischen Magazinen Darstellbaren. Bekannte Namen waren jedenfalls darunter. Im Freundeskreis schwärmte van Gogh – für einen öffentlichen Zyniker undenkbar – jedoch immer wieder von der großen, der ewigen Liebe.

Es gibt ein weiteres Bild van Goghs, das eines zerrissen, im tiefsten unglücklichen Menschen, der seinen Körper mit Drogen zerstörte. Sein Kokain- und Alkoholkonsum waren legendär. Ein Freund berichtete nach seinem Tod, dass er die meisten Sünden auf Befehl seine Arztes aufgeben musste, „wenn er den 18. Geburtstag seines Sohnes“ noch erleben wollte. So ließ van Gogh von allen Lastern – bis auf die Zigaretten, die fortan zu seinem Markenzeichen wurde.

Zur Person van Goghs gehört eine weitere Facette. Das des liebevollen Familienvaters. Er hing an seinem Sohn, so sehr, dass er trotz der Trennung von der Mutter in seiner Nähe wohnen blieb. Anwohner erzählten nach dem Tod van Goghs, dass man beide oft zusammen auf dem Fahrrad habe sehen können. Der Vater vorneweg, sein Sohn auf dem Gepäckträger. Seinen letzten Wunsch konnte sich van Gogh nicht mehr erfüllen. Er hatte geplant, gemeinsam mit seinem Sohn, New York zu besuchen. Wenige Wochen vor der Abreise wurde van Gogh ermordet.

Autor: Jan Kanter
Erstellt: Dezember 2004
Aktualisiert: Online-Redaktion, Juli 2014


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