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Vincent van Gogh

*Groot-Zundert [heute: Zundert], 30. März 1853 - Auvers-sur-Oise, 29. Juli 1890 - Künstler, Mitbegründer der modernen Malerei

Selbstporträt Vincent Van Gogh

Vincent van Gogh, Selbstportrait aus dem Jahr 1887, Quelle: Wikipedia

Vincent van Gogh wird am 30. März 1853 in Groot-Zundert (heute: Zundert) in der Nähe von Breda als Sohn des Pfarrers der niederländisch-reformierten Kirche Theodorus van Gogh und der Buchbindertochter Anna Cornelia, geb. Carbentus, geboren. Im Alter von elf Jahren verlässt er das Elternhaus, um von 1864 an ein Internat im umliegenden Zevenbergen zu besuchen, wo er Französisch, Englisch und Deutsch lernt und seine ersten Zeichenversuche unternimmt. Nach einem weiteren zweijährigen Aufenthalt in einem Tilburger Internat, der Hogere Burger School (HBS) in Tilburg, arbeitet der Sechzehnjährige zunächst in der Den Haager Dependance der französischen Kunsthandlung Goupil & Cie. Der Lehrling macht sich gut und wird im Sommer 1873 mit gutem Zeugnis in die Londoner Filiale versetzt.

Ausgelöst durch eine unerwiderte Liebe zu einer verheirateten Frau innerhalb seiner Familie, ist es dort zunächst nicht die Kunst, die den jungen van Gogh interessiert, sondern vor allem die Religion und die humanistische Philosophie. Als seine Firma ihn zwei Jahre später nach Paris schickt, wird er vor allem beeinflusst durch La vie de Jésus des französischen Religionsgelehrten und Philosophen Ernest Renan, wodurch er sein Interesse für den Kunsthandel schnell verlieren soll und Anfang 1876 entlassen wird. Van Gogh kehrt in die Niederlande zurück, um nun in die Fußstapfen des Vaters zu treten, scheitert aber schon an der nötigen Universitätszulassung für das Kirchenamt. Van Gogh besucht daher eine Privatschule zur Erlangung der Zulassung. Diese bricht er jedoch ebenso ab wie eine Ausbildung zum Laienprediger. Stattdessen geht er nach Borinage, einem südbelgischen Steinkohlerevier, um Arbeitern aus der Bibel vorzulesen und lebt in ärmlichen Verhältnissen. Sein Bruder Theo – inzwischen ein erfolgreicher Kunsthändler in Paris – unterstützt ihn in dieser Zeit, wie auch später, finanziell. In Borinage entstehen viele Zeichnungen von Bergleuten und deren Arbeitsbedingungen.

1880, nahezu über Nacht, fasst Van Gogh für sich den Entschluss, Künstler zu werden und beginnt ein halbjähriges Studium der Fächer perspektivisches und anatomisches Zeichnen. Für van Gogh ist anfangs jedoch der Inhalt wichtiger als die Form und er scheint fortan in der Kunst eine andere Form gefunden zu haben, seine humanistisch gefärbte Religionsauffassung auszuleben. Nach einer weiteren unerwiderten Liebe im Familienkreis zieht van Gogh mit einem seiner Aktmodelle, der 32jährigen, vormaligen Prostituierten Sein Hoornik zusammen und konzentriert sich auf die Wiedergabe von Figuren und Köpfen. Um sich vollständig der Malerei zu widmen, trennt er sich 1883 von seiner Geliebten und zieht wieder zu seinen Eltern. Hat er vormals überwiegend gezeichnet, fängt van Gogh nun an zu malen. Diese Phase, in der van Gogh vor allem erdige, dunkle Töne verwendet, wird als holländische Periode bezeichnet, welche mit dem Gemälde „Die Kartoffelesser“ ihren Höhepunkt findet. 1885, die Pariser Kunstwelt ist bereits auf van Gogh aufmerksam geworden, zieht dieser nach Paris und wird dort von seinem Bruder Theo aufgenommen. Dieser verschafft ihm Zugang zu Malern des Impressionismus – seine Farben werden sonniger und heller. Die Farbintensität und seine Produktivität steigen 1888 noch weiter an, als van Gogh nach Arles geht. Hier entstehen eine Vielzahl von Bildern, u. a. sein bekanntes Bild „Blühender Pfirsichbaum“ oder die berühmte Bilderserie der Sonnenblumen. Van Gogh hat sich inzwischen zu einem Meister der Malerei entwickelt, der es versteht, Farben schnell und spontan zu komponieren und kräftige aber stets harmonische Farbeffekte zu schaffen. In dieser Phase will sich van Gogh seinen Traum erfüllen, die Künstlerkolonie „Le midi“ zu gründen. Sein Freund Gaugin ist ebenfalls interessiert und besucht van Gogh im dafür eigens eingerichteten „gelben Haus“, um die jeweiligen künstlerischen Auffassungen auszuloten. Das Treffen endet in einem heftigen Streit, in dessen Folge Gaugin das Haus verlässt und van Gogh in sein Haus zurückkehrt und sich selbst am Ohr verletzt. Bei dem, was er später einer Prostituierten in einem Taschentuch überreicht und später als „abgeschnittenes Ohr“ in die Geschichtsbücher eingehen soll, handelt es sich vermutlich um eines seiner Ohrläppchen. Dieses Ereignis beschreibt 1888 bereits das Ende der Pariser Periode, welches durch erste epileptische Anfälle bei van Gogh noch verstärkt wird. Später häufen sich diese Anfälle. In dieser Zeit entstehen Bilder in dunkleren, teilweise bedrohlich wirkenden Farben wie die Sternennacht über der Rhône und das wenig lebensfrohe Selbstbildnis.

Nach Behandlungen im Krankenhaus in Arles, wird van Gogh auf Empfehlung seines Arztes in die Nervenheilanstalt Saint-Paul-de-Mousole in Saint-Rémy-de-Provence eingeliefert, in der schließlich eine Form von Epilepsie diagnostiziert wird. In dieser Phase entstehen Bilder in kräftigen gelben Farben und sein Hauptwerk dieser Phase, die Sternennacht. Ende April 1890 verlässt van Gogh auf eigene Initiative die Einrichtung und zieht nach Auvers-sur-Oise, wo er, als hätte er den Tod vor Augen gehabt, in eine letzte Schaffensperiode verfällt, aus der über achtzig Bilder und eben so viele Zeichnungen hervorgehen. Ende Juli 1890 erschießt sich van Gogh durch einen Schuss in die Brust. Er hinterlässt circa 900 Gemälde und 1100 Zeichnungen und gilt als einer der bedeutendsten Maler weltweit.

Autor: Boris Krause
Erstellt: November 2006


Links

Wichtige kulturelle Links finden Sie unter Institutionen

Weitere Informationen befinden sich im Dossier Malerei des 17. Jahrhunderts

Offizielle Homepage Van Gogh Museum

Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers Malerei des 17. Jahrhunderts finden Sie unter Bibliographie

Dom, R.: De wereld van Vincent van Gogh. Portretten en selfportretten, Zwolle 2000.

Metzger, R. / Walter, I. F.: Vincent van Gogh, Köln 2003.


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