Niederlande-Wissen



Kultur - PERsonen A-Z



Herman Brood

*Zwolle, 05. November 1946, †Amsterdam 11. Juli 2001 - Rockmusiker, Lyriker, Maler, Schauspieler

Herman Brood
Herman Brood im Jahr 1979, Quelle: NA (933-1753)

Der Musiker Herman, eigentlich Hermanus, Brood verkörperte in den Niederlanden lange Zeit das wilde Leben eines Rock 'n Rollers. Der Exzentriker machte sich sowohl mit seiner Musik als auch mit seiner grafischen Kunst einen Namen und genoss vor allem in Amsterdam Narrenfreiheit; bis er sich 2001 plötzlich das Leben nahm.

1964 zog Herman Brood, der am 5. November 1946 in Zwolle geboren wurde und dort aufwuchs, nach Arnheim, um an der dortigen Kunstakademie zu studieren. In Arnheim gründete er seine erste Band, The Moans. In dieser Zeit kam er auch mit Drogen in Berührung. Brood spielte Klavier und wurde nach einigen Jahren von der erfolgreichen niederländischen Bluesgruppe Cuby and the Blizzards als Pianist engagiert. Allerdings wurde er von der Plattenfirma der Band aus der Gruppe ausgeschlossen als man herausfand, dass Brood drogenabhängig war. Daraufhin verschwand der Musiker einige Jahre von der Bühne. Er wurde mehrmals wegen Drogenhandels und Einbrüchen verhaftet. Erst 1974, nachdem Cuby and the Blizzards ein Comeback gefeiert hatten, griff er seine musikalische Karriere wieder auf.

1976 begegnete er Koos van Dijk, der sich als sein Manager und Förderer anbot. Brood entschied sich zu einer Solokarriere und formierte die Begleitband Wild Romance. Herman Brood and his Wild Romance feierte in den folgenden Jahren Erfolge mit Hits wie "Saturday Night" und "Still Believe". Auch außerhalb der Niederlande fand seine Musik Beachtung, unter anderem in Deutschland, Frankreich und den USA. 1979 wirkte Brood in dem Rock and Roll-Film "Cha Cha" mit, in dem unter anderem auch Nina Hagen mitspielte, mit der Brood zu dem Zeitpunkt eine Beziehung hatte. Der Versuch, in den USA den Durchbruch zu schaffen, misslang. Nachdem zwei Alben in Folge wenig Zuspruch erhalten hatten, brach seine Band zusammen. Brood widmete sich anschließend der Schauspielerei und Malerei. Seine Gemälde fielen durch grelle Farben und häufig durch Aufschriften in schwarzer Farbe auf. Er griff gerne auf Schwarz und auf Grundfarben zurück, da er farbenblind war. Vor allem mit seinen offenherzigen Geständnissen über seine Drogenabhängigkeit und über Sex erreichte er aber immer wieder die Öffentlichkeit. Durch seine schrulligen Medienauftritte bezeichnete man Brood alsbald als "nationalen Kuscheljunkie". Seine musikalische Arbeit setzte er zwar fort, und seine Konzerte waren meist gut besucht. Musikalisch konnte er aber nicht mehr an das Niveau anknüpfen, das er Ende der 1970er erreicht hatte.

Brood fand in den 1980er Jahren auch familiäres Glück. 1985 heiratete er Xandra Jansen, die er in einer Amsterdamer Diskothek kennengelernt hatte. Sie bekamen eine gemeinsame Tochter, Lola, und nahmen eine weitere Tochter, Brenda, an. 1994 erweiterte sich die Familie um das Mädchen Holly. In Interviews betonte Brood immer wieder, wie sehr er die Vaterschaft genoss und wie gern er sich mit seinen Kindern beschäftigte. Körperlich ging es mit ihm allerdings bergab, denn der Drogenkonsum hatte seine Nieren und die Leber schwer angegriffen. 2000 brachte er ein weiteres Album mit dem aus späterer Sicht unheimlichen Titel "Ciao Monkey" heraus. 2001 versuchte er zum wiederholten Male eine Entziehungskur zu machen, scheiterte aber. Am 11. Juli 2001 sah er keinen anderen Ausweg mehr als den Freitod. Er sprang von dem Dach des Amsterdamer Hilton Hotels und starb. In seiner Innentasche fand man einen Zettel mit den Worten: "Feier noch schön".

Nach seinem Tod nahm die Aufmerksamkeit für seine Kunst zu. 2002 wurde sie erstmals im Cobra-Museum in Amstelveen ausgestellt. 2005 eröffnete man in Wageningen ein Brood-Museum mit Kunstwerken, einer Musikkollektion und Erinnerungsstücken. Dem Leben des Exzentrikers wurde auch ein Film gewidmet: "Wild Romance", der 2006 erschien. Broods Freund Bart Chabot veröffentlichte eine vierteilige Biografie über ihn.

Autor: Peter van Dam
Erstellt: Juli 2008


Links

Wichtige kulturelle Links finden Sie unter Institutionen

Weitere Informationen befinden sich im Dossier Musiklandschaft

Offizielle Homepage Herman Brood Museum

Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers Musiklandschaft finden Sie unter Bibliographie


  • RSS-Feed
  • Facebook
  • Twitter
  • RSS-Feed

Impressum | © 2015 NiederlandeNet
NiederlandeNet
Alter Steinweg 6/7
· 48143 Münster
Tel.: +49 251 83285-16 · Fax: +49 251 83285-20
E-Mail: