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Jan Blokker

*Amsterdam, 27. Mai 1927 - †Amsterdam, 6. Juli 2010 – Journalist

Jan Blokker
Jan Blokker im Jahr 1985, Quelle: NA (933-3777)

Jan Andries Blokker war nicht nur Kunst- (Het Parool, 1952-1954) und Filmredakteur (Algemeen Handelsblad, 1954-1968),  Herausgeber bei der öffentlich rechtlichen Rundfunkgesellschaft (VPRO, televisie, 1968-1978) sowie Vorsitzender des niederländischen Filmfonds (1983-1993), sondern auch als Dozent an der Erasmus Universität Rotterdam tätig. Bekannt ist der „große Observateur“, wie Autor Harry Mulisch seinen langjährigen Freund Blokker beschrieb, vor allem aber für seinen Einfluss auf den niederländischen Journalismus. Diesen prägte er insbesondere während seiner Zeit bei der niederländischen Tageszeitung de Volkskrant.

Eigentlich wollte Jan Blokker Autor werden. Mit 24 debütierte er mit seiner Novelle „Séjour“, für die er mit dem Reina Prinsen Geerligsprijs ausgezeichnet wurde. Es folgten noch zwei weitere Romane – „Bij Dag en Ontij“ (1952) und „Parijs, Dode Stad“ (1954) – bevor er endgültig erkannte, welches Metier er wirklich beherrschte: die Tageszeitung. Bereits ab 1952 arbeitete er als  Berichterstatter bei der Zeitung „Het Parool“, für welche er Filmrezensionen verfasste. Zwei Jahre später wechselte er zum „Algemeen Handelsblad“, wo er auch Harry Mulisch und Henk Hofland kennenlernte.  Zusammen waren sie jahrzehntelang als das „Triumvirat der intellektuellen Niederlande“ bekannt.

1968 erfolgte der Wechsel zur Tageszeitung de Volkskrant, da Blokker mit der engen Zusammenarbeit des Algemeen Handelsblad mit dem Blatt De Telegraaf nicht einverstanden war. In de Volkskrant veröffentlichte Blokker, der in einem toleranten und liberalen Klima aufgewachsen war, bis 2006 zwei- bis dreimal wöchentlich seine Kolumne. Für seine scharfen und satirischen Äußerungen, die immer ein gewisses Misstrauen gegenüber Autoritäten zeigte, war er weitgehend bekannt. Auch in seinen Büchern „Ben ik eigenlijk wel links genoeg?“ (1974, dt. Bin ich eigentlich links genug?), „Kijk uit, achter je“ (1975, dt. Pass auf, hinter dir) und „Mij hebben ze niet“ (1980, dt. Mich haben sie nicht) kommt seine kritische Haltung zum Tragen.

Trotz der Diagnose von Lungenkrebs im Jahr 2003 schrieb der bis dahin starke Kettenraucher weiter für de Volkskrant – bis zum Jahr 2006, als es zum Bruch mit der Zeitung kam. Uneinigkeiten mit der Redaktion führten nach 38 Jahren zu seinem Weggang. Der Autor fühlte sich nicht mehr gewollt und „nahm mit schmerzendem Herzen Abschied von einer spannenden wie kapriziösen Zeitung“, wie er in seiner letzten Kolumne schrieb.  Von da an publizierte Blokker für das Konkurrenzblatt nrc.next.

Blokker war einer der Wenigen, der über alles schreiben konnte. In seinen Texten äußerte sich Jan Andries Blokker zu aktuellen Themen, die er gerne mit seiner Leidenschaft zur Literatur und Geschichte verband. Obwohl er sein Studium der Geschichte und der Niederlandistik nie abschloss, war er davon überzeugt: „Um Deutschland begreifen zu können, muss man Bismarck kennen. Um Mittel-Europa zu verstehen, muss man dieses durchreisen, bis die Turmspitzen sich in Zwiebeltürme verändern.“  Zu diesem Credo passt auch, dass er zusammen mit seinen beiden Söhnen – von denen der Jüngste, Bas Blokker, in die Fußstapfen seiner Vaters getreten ist – drei Bücher über vaterländische wie auch biblische Geschichte verfasste.

Im Laufe der Jahre gewann der vierfache Familienvater eine Vielzahl an Preisen und Auszeichnungen. Unter anderem erhielt er einen Ehrendoktortitel der Universität Groningen, bekam den Preis für das beste Kinderbuch für „Op zoek naar een oom“ (1961, dt. Auf der Suche nach einem Onkel) und wurde zum Ritter von Oranje ernannt.

Jan Andries Blokker verstarb am 6. Juli 2010 im Alter von 83 Jahren. Zahlreiche Zeitungen berichteten über sein Ableben und erinnerten an den außergewöhnlichen Journalisten. Jan Blokkers letzte Kolumne erschien erst zwei Tage vor seinem Tod. Hierin setzte er sich mit  den Ergebnissen der vorgezogenen Wahlen zur Zweiten Kammer 2010 und dem Wahlerfolg der rechtspopulistischen Partij voor de Vrijheid (PVV) von Geert Wilders auseinander. Natürlich ganz in seinem eigenen Stil – mit einem historischen Vergleich zwischen einem möglichen Kabinett unter Beteiligung des Rechtspopulisten Geert Wilders und der Erinnerung an das Ende der Weimarer Republik.

Autorin: Agnes Sieland
Erstellt:
Juli 2010


Links

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Literatur

Alle bibliographischen Angaben im Bereich Kultur finden Sie unter Bibliographie

Blokker, Jan/Blokker, Bas/Blokker, Jan Jr.: Er was eens een God. Bijbelse geschiedenis, Amsterdam 2006.

Blokker, Jan/Blokker, Bas/Blokker, Jan Jr.: Het vooroudergevoel. De vaderlandse geschiedenis, Amsterdam 2005.

Blokker, Jan/Blokker, Bas/Blokker, Jan Jr.: Nederland in twaalf moorden: niets is zo veranderlijk als onze identiteit, Amsterdam 2008.


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