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Fritz Behrendt

*Berlin, 17. Februar 1925 - †Amsterdam, 04. Dezember 2008 - Karikaturist

Selbstportrait
Selbstportrait des Karikaturisten Fritz Behrendt, Quelle: Fritz Behrendt

„Aus der Freude über wiedererlangte Freiheit erwuchs für mich die Verpflichtung, meine Fähigkeiten für jene einzusetzen, die unter Diktatur und Unterdrückung leiden müssen.“ [Behrendt, Feder für die Freiheit, S.38] So beschrieb Fritz Behrendt (1925-2008) im Jahr 2000 rückblickend seine Motivation für seine Arbeit als politischer Karikaturist. Wie kaum ein anderer prägte der Niederländer deutscher Herkunft seit den 1950er Jahren die internationale Presselandschaft mit seinen Karikaturen, die regelmäßig in renommierten Printmedien wie der New York Times oder dem Time Magazin erschienen sind.

Fritz Behrendt wurde 1925 in Berlin geboren, wo er die ersten zwölf Jahre seines Lebens verbrachte. Von jeher gehörte das Zeichnen zu seinen größten Hobbys: Seine erste politische Karikatur zeichnete er bereits 1936, inspiriert durch eine Begegnung mit Adolf Hitler, der anlässlich der Eröffnung der Olympischen Spiele in Berlin in einem Auto an ihm vorbei fuhr.

Im Frühjahr 1937 emigrierte Behrendt mit seiner Familie in die Niederlande. Sein Vater hatte eine illegale Hilfsorganisation, die sich um die Familien verhafteter Antifaschisten kümmerte, regelmäßig finanziell unterstützt und wurde deshalb von der Gestapo gesucht. Die Niederlande stellten zunächst nur eine „vorläufige“ Zufluchtstation für die Familie dar: sie wollten nach Deutschland zurückkehren, sobald „der Spuk vorbei ist.“ Mit der Zeit wurde das Land für Fritz Behrendt zu einem neuen Zuhause – noch heute lebt er in den Niederlanden.

In Amsterdam absolvierte Behrendt gerade eine zweijährige Konditor-Ausbildung, als die deutsche Wehrmacht im Mai 1940 die Niederlande überfiel. Sein Vater geriet nun doch in die Fänge der Nationalsozialisten und wurde im August 1941 für ein Jahr ins Amsterdamer SS- und Polizeigefängnis gebracht. Im selben Jahr begann Fritz Behrendt sich im Widerstand zu engagieren. Er setzte sich für die Verbreitung illegaler Zeitungen ein und wurde später Mitglied einer antifaschistischen Schülergruppe des „Instituut voor Kunstnijverheid“ – einer renommierten Hochschule für bildende Künste, der er seit 1943 angehörte. Anfang 1945 wurde ihm der Kontakt zu Matrosen der deutschen Kriegsmarine zum Verhängnis: wegen vermeintlicher „Wehrkraftzersetzung“ wurde er vom SD verhaftet, aber im April 1945 wieder entlassen.

Nach der Befreiung der Niederlande engagierte sich Behrendt als Redakteur und Illustrator der Zeitung des „Algemeen Nederlands Jeugdverbond“ (ANJV), einem Zusammenschluss ehemaliger illegaler Jugendgruppen in Amsterdam. Als 1947 die Volksjugend Jugoslawiens zur internationalen Mithilfe beim Wiederaufbau Jugoslawiens aufrief, ging Behrendt als Leiter der Jugendbrigade „Gerrit Jan van der Veen“ mit einigen anderen Mitgliedern des Jugendverbandes nach Jugoslawien. Dort halfen sie gemeinsam mit anderen sog. internationalen Arbeitsbrigaden beim Bau einer Eisenbahnstrecke mit. Für seine Tätigkeiten erhielt Behrendt 1948 ein Stipendium für die Kunstakademie in Zagreb. Ein Semester besuchte er dort die Meisterklasse für Grafik.

Im Mai 1949 zog Behrendt nach Berlin. Er hatte mit seinen verschiedenen Tätigkeiten die Beachtung der Führung der „Freien deutschen Jugend“ (FDJ) auf sich gezogen und arbeitete fortan als deren „Referent für Sichtwerbung“. Aus seiner Feder stammen Entwürfe für das Staatswappen der DDR, die als Vorlage für die endgültige Fassung dienten. Ein Jahr nach seiner Ankunft in Berlin geriet Behrendt jedoch ins Visier der neuen DDR-Führung. Aufgrund seiner Aktivitäten in Jugoslawien galt er plötzlich als „verdächtig“. Die jüngsten Selbstständigkeitsbestrebungen des Landes widersprachen den sowjetischen Hegemoniebestrebungen, woraufhin Jugoslawien und insbesondere Staatspräsident Tito der „Konspiration und des Verrates an der Sowjetunion“ bezichtigt wurden. Vermeintliche Sympathisanten Jugoslawiens wurden auch in der DDR verhaftet.

Auch Behrendt wurde im Sommer 1950 auf Anweisung Honeckers inhaftiert und saß sechs Monate im neugegründeten Staatssicherheitsgefängnis in Ostberlin in Einzelhaft. Seine niederländische Staatsbürgerschaft, die er inzwischen besaß, verhalf ihm schließlich zu seiner Freilassung.
Stark geprägt von diesen Erfahrungen kehrte der erst 25jährige nach Amsterdam zurück, wo wenige Jahre später seine eigentliche Karriere als politischer Zeichner begann.

Nach seiner Rückkehr in die Niederlande zeichnete Behrendt zunächst für das sozialdemokratische Wochenblatt „Arbeid“ sowie für die Zeitung „Vrij Nederland“. Mit einer Karikatur zum Tode Stalins (1953), die in „Het Parool“ veröffentlicht wurde, begann sein Durchbruch. Kurze Zeit später wurde er langjähriger Mitarbeiter des „Algemeen Handelsblad“, einer liberalen Tageszeitung. 1968 wechselte er zu „Het Parool“, für die er zwanzig Jahre lang tätig war. Nach einer Veränderung in der dortigen Chefredaktion wechselte er schließlich zu „De Telegraaf“.

International gelang ihm bereits in den 1950er Jahren der Durchbruch: seine Zeichnungen erschienen nun regelmäßig im Time Magazine, in der New York Times und beim Herald Tribune. Es folgten weitere Angebote aus der ganzen Welt – seine Karikaturen waren von Skandinavien bis Japan und Australien gefragt. In Deutschland erschienen seine Werke unter anderem in „Die Welt“ und der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Seine Themen waren – in Anlehnung an das jeweils aktuelle Weltgeschehen – weit gestreut und schlossen unter anderem auch die deutsch-niederländischen Beziehungen mit ein. Besonders wichtig blieb für ihn das Thema Stalinismus. Bereits kurze Zeit nach dem Zerfall des sog. Ostblocks startete Behrendt in diesen Ländern eine Wanderausstellung zum Thema „Menschenrechte und Diktatur“.

Behrendt lebte und zeichnete bis zu seinem Tod am 4. Dezember 2008 im niederländischen Amstelveen.

Autorin: Christine Kausch
Erstellt: August 2008
Aktualisiert: Dezember 2008


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