Niederlande-Wissen



Kultur - PERsonen A-Z



Karel Appel

*Amsterdam, 25. April 1921 - †Zürich, 03. Mai 2006 - Künstler

Karel AppelKarel Appel im Jahr 1982, Quelle: NA (931-9257)

“Ich kümmere mich einen feuchten Kehricht darum. Ich trage sie ordentlich dick auf, ich werfe die Farbe mit Pinsel und Spachtel und bloßen Händen dagegen, ich werfe manchmal ganze Töpfe dagegen”, sagte Karel Appel einmal über seinen Malstil. Sowohl Liebhaber als auch Kritiker der modernen abstrakten Kunst sehen diese Bemerkung als eine typisch Appelsche an. Sein farbenreicher expressionistischer und abstrakter Malstil machten den in Amsterdam geborenen Künstler weltberühmt.

Appel wurde 1921 in eine Amsterdamer Friseurfamilie hineingeboren und sollte eigentlich den Friseursalon seines Vaters übernehmen. Wie er später behauptete, hatte er jedoch von Klein auf die Ambition, Künstler zu werden. 1942 warfen ihn seine Eltern aus dem Haus - aus Unzufriedenheit darüber, dass er sich bei der “Rijksacademie voor Beeldende Kunsten” in Amsterdam angemeldet hatte. Später sollte ihm vorgehalten werden, dass er während der deutschen Besatzung studiert hat. Er selbst erklärte später, dass er, obwohl ihm bekannt war, dass die Nazis eine repressive Politik gegen die so genannte Entartete Kunst geführt haben, einfach gut malen lernen wollte, und sich nicht mit Politik beschäftigt habe. Ende 1944 tauchte er allerdings unter, um einem Arbeitseinsatz in Deutschland zu entgehen.

In den Nachkriegsjahren organisierte Appel erstmals Ausstellungen seiner Werke. Er begann auch mit der Bildhauerei, jedoch wurden seine aus Schrott erstellten Werke von den Kritikern nicht besonders gut angenommen. Seine Vorliebe für abstrakte und farbenreiche Kunst, die Appel mit Zeitgenossen wie Constant und Corneille teilt, bildete das Fundament für die Errichtung von “Cobra”, einem Künstlerkollektiv junger Künstler aus Kopenhagen, Brüssel und Amsterdam. Der Name der Bewegung leitet sich aus den ersten Buchstaben dieser Städte ab: CO nach dem englischen Namen für Kopenhagen, br für Brüssel und das a für Amsterdam. Appel wurde schnell der bekannteste und erfolgreichste Repräsentant des Kollektivs.

Die abstrakte und mit grellen Farben gemalte Kunst von Cobra wird, mit beeinflusst von den oft frechen Interviews und Präsentationen der Künstler, als eine regelrechte Provokation für den guten Geschmack angesehen. In einigen Zeitschriften werden die Kunstwerke Appels als “Pfuscherei” abgetan. Die erste, 1949 organisierte Cobra-Ausstellung im Amsterdamer Stadtmuseum (Amsterdamse Stedelijk Museum), dem wichtigsten Museum für moderne Kunst in den Niederlanden, sorgte für viel Wirbel in der Presse. Appel beschloss daraufhin den Niederlanden den Rücken zu kehren und nach Paris zu gehen.

“Ich male wie ein Barbar in barbarischen Zeiten” erklärte Appel 1949. Damit verwies er auf die Kritik an der Nachkriegsgesellschaft und der abstrakten Kunst vor dem Zweiten Weltkrieg, die die Künstler von Cobra mit ihren Kunstwerken zum Ausdruck bringen wollten. Der anregende, farbenreiche und humoristische Stil Cobras war eine Reaktion auf die schlichte Atmosphäre der Nachkriegszeit. 1951 lösten die Künstler von Cobra ihre Bewegung auf, da sie keine ‘stilistische Clique’ werden wollten. Der Einfluss der Gruppe auf junge Künstler ist seither jedoch groß geblieben.

Karel Appel ging immer mehr seinen eigenen Weg. Die Aufregung und Kritik der  Nachkriegsjahre wurde langsam durch Bewunderung und Wertschätzung ersetzt. Appel reiste viel nach New York, das anstelle von Paris immer mehr die Rolle der tonangebenden internationalen Kunststadt übernahm. Sein Erfolg machte es ihm möglich, mehrere Ateliers zu eröffnen. Aus Sicht der Kritiker wurde sein Stil immer abstrakter, aber Appel selbst bezeichnete sein Werk ausdrücklich nicht als abstrakte Kunst. Seiner Ansicht nach sind immer wirkliche Formen, Tier und Menschen in seinen Abbildungen zu erkennen.

Appel war bis ins hohe Alter als Künstler aktiv. In seinen letzten Lebensjahren führte er viele Auftragswerke für niederländische Einrichtungen und Betriebe durch. Kurz vor seinem Tode entwarf er noch eine Briefmarke für die Niederländische Post. Appel starb 2006. Er wurde auf dem berühmten Pariser Friedhof Père-Lachaise begraben. 

Autor: Lennert Savenije
Erstellt: Dezember 2008


Literatur

Alle bibliographischen Angaben im Bereich Kultur finden Sie unter Bibliographie

Appel, Karel: Der Machtwille der Planeten, Wien 2001.

Lyotard, Jean François: Karel Appel: Ein Farbgestus. Essay zur Kunst Karel Appels, Bern–Berlin 1998.

Links

Wichtige kulturelle Links finden Sie unter Institutionen


  • RSS-Feed
  • Facebook
  • Twitter
  • RSS-Feed

Impressum | © 2015 NiederlandeNet
NiederlandeNet
Alter Steinweg 6/7
· 48143 Münster
Tel.: +49 251 83285-16 · Fax: +49 251 83285-20
E-Mail: