Die Geschichte der niederlande im 16. bis 18. Jahrhundert


VIII. Die Union von Utrecht (1579) und die Etablierung eines Staates

Die Union von Utrecht war bei genauer Betrachtung wenig mehr als ein militärisches Zweckbündnis mit dem Ziel, den Feind, gemeint sind die spanischen Truppen, aus dem Land zu jagen. In diesem Punkt unterscheidet sich der Wortlaut nicht sehr von dem der Genter Pazifikation . Die Rezeption der monarchomachischen Lehre hatte jedoch zur Folge, dass die Loslösung vom bisherigen Landesherrn als legitim angesehen wurde. Daher boten die in der Union verbündeten Stände 1580 dem Herzog von Anjou, einem Bruder des französischen Königs, die Landesherrschaft an, freilich nicht ohne sich selbst Rechte zuzugestehen, die über die der alten Generalstände weit hinausgingen. Ein entsprechender Vertrag mit dem Herzog wurde zwar unterzeichnet, jedoch spielte dieser politisch kaum eine Rolle.

Alessandro Farnese, Herzog von Parma
Alessandro Farnese, Herzog von Parma, Quelle: Otto van Veen

Bedeutsamer war hingegen das „Placcaet van Verlatinghe“ im Jahr 1581, in dem die Stände, begründet durch das Widerstandsrecht des Volkes, Philipp für abgesetzt erklärten. Nach dem Tod des Herzogs und der Ermordung Wilhelms von Oranien im Jahr 1584 bot man die Herrschaft zunächst König Heinrich III. von Frankreich, dann Königin Elisabeth I. von England an, die jedoch beide ablehnten. Elisabeth empfahl jedoch ihren Günstling, Robert Dudley, Earl of Leicester, doch dieser zeigte sich sowohl militärisch als auch politisch überfordert. Auf diese Weise entwickelte sich aus dem alten ständischen Selbstbewusstsein und der Widerstandslehre die politische Praxis der reinen Ständeherrschaft, denn nachdem Leicester das Land verlassen hatte und das Werben um ein neues Oberhaupt vergeblich blieb, bemühten sich die Stände nicht mehr um einen neuen Herrn. Auf diese Weise entstand die Republik der Vereinigten Niederlande eher zufällig und ohne dass es jemand so recht gewollt hätte. Daher wurde auch zu keinem Zeitpunkt die Existenz des neuen Staates ausgerufen, er wurde zwischen 1580 und 1609 einfach eine Realität.

Zwölfjähriger Waffenstillstand

Angesichts der schlechten Erfahrungen, die man gemacht hatte, war die Unterordnung unter einen neuen Herrn auch nicht unbedingt angezeigt, denn in den Jahren Leicesters hatte sich die militärische Lage der Nordprovinzen dramatisch verschlechtert. Der neue Statthalter Philipps II. in den Niederlanden, Alessandro Farnese, Herzog von Parma, hatte nämlich nach und nach fast den gesamten Norden unterworfen. Alleine die Tatsache, dass Philipp II. die militärische Lage für so stabil hielt, um die Truppen auf der Armada und gegen Frankreich einzusetzen, verschaffte den Aufständischen den notwendigen Spielraum zur inneren Konsolidierung. Das Jahr des Untergangs der Armada (1588) ist daher der Beginn der in der niederländischen Geschichte berühmten „Zehn Jahre“ („Tien Jaren“), denn der zweite Sohn Wilhelms von Oranien, Moritz, dessen Cousin Wilhelm Ludwig von Nassau sowie der holländische Landesadvokat Johan van Oldenbarnevelt führten eine Anzahl bedeutender administrativer und militärischer Reformen durch, die das niederländische Militär in kürzester Zeit zum Vorbild für alle anderen europäischen Heere werden ließ. Mit disziplinierten und regelmäßig bezahlten Soldaten, einer dem antiken Schrifttum entlehnten Gefechtsführung, und der Befestigung ganzer Landstriche und Städte gelang es innerhalb der „Zehn Jahre“ praktisch das gesamte verlorene Territorium zurückzugewinnen. 1598 kann auch deshalb als Abschluss der Konsolidierungsphase gelten, weil in diesem Jahr Philipp II. starb. Seinem Sohn, Philipp III., werden die Probleme der Monarchie nur zu deutlich vor Augen gestanden haben. Da sein Vater fast in ganz Europa Krieg geführt hatte, stand das Land zum wiederholten Mal vor dem Ruin und an eine Rückeroberung der Nordprovinzen war überhaupt nicht zu denken. Die Begründung für die Fortsetzung des Krieges, der im Grunde an den Verhältnissen nicht mehr viel änderte, war denn auch nicht mehr die Unterwerfung rebellischer Untertanen, sondern der Kampf für die Erhaltung des Katholizismus in den Nordprovinzen. Nachdem auch im Norden die Kriegsmüdigkeit zugenommen hatte, einigte man sich 1609 auf einen zwölfjährigen Waffenstillstand.

Autor: Dr. Christoph Schäfer
Erstellt: April 2004


Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie

Boogman, J.C.: The Union of Utrecht. Its Genesis and Consequences, in: Bijdragen en Mededelingen betreffende de Geschiedenis der Nederlanden 94 (1979), S. 377–407.

Fruin, Robert: Tien jaren uit de Tachtigjarige Oorlog 1588–1598, Amsterdam 1904.

Parker, Geoffrey: Der Aufstand der Niederlande. Von der Herrschaft der Spanier zur Gründung der Niederländischen Republik, 1549 – 1609, München 1979.

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